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Wie Ryanair Boeing weichklopfte

Die irische Billigairline bestellt 200 weitere B737. Sie bekommt die Flugzeuge wohl zum Discountpreis - weil Konzernchef Michael O'Leary wiederholt drohte.

Carl B.

Boeing B737-800 von Ryanair im Flug: Zuwachs für die Flotte.

Nach dem endgültigen Nein der Europäischen Union zur Übernahme von Aer Lingus konzentriert sich Ryanair offenbar wieder ganz aufs Wachstum aus eigener Kraft. Wie die Tageszeitung The Irish Independent schreibt, bestellt die Fluggesellschaft in Kürze 200 weitere B737 bei Boeing. Ob es sich um die jetzige Version B737-800 oder die neue B737MAX handelt, ist derzeit noch nicht klar. Der Großeinkauf soll nächste Woche beim Staatsbesuch des irischen Regierungschefs Enda Kenny beim amerikanischen Präsidenten Barack Obama in Washington besiegelt werden. Es ist die größte Bestellung in der Geschichte von Ryanair und auch eine der größten für Boeing.

Bereits im Januar hatte Vorstandsvorsitzender Michael O’Leary angedeutet, dass sein Unternehmen Bedarf für rund 200 weitere Flieger habe. 500 Flugzeuge sollen sich nach seinen Plänen dereinst in der Flotte befinden. Schließlich will er die Passagierzahl von heute 80 Millionen pro Jahr auf 120 Millionen hochschrauben. Er will aber nicht nur die Kapazität erhöhen, sondern auch ältere Flieger ersetzen. Die Auslieferungen müssten deshalb bereits 2015, 2016 und 2017 stattfinden.

China und Russland geprüft

Offiziell hat die Riesenorder einen Umfang von 17,8 Milliarden Dollar. Denn eine Boeing B737-800 kostet derzeit gemäß Listenpreisen 89,1 Millionen Dollar. Im Schnitt aber beträgt der Rabatt auf eine Order von Boeing bei einer größeren Fluggesellschaft rund 45 Prozent. Angesichts der Wichtigkeit des Kunden Ryanair und des riesigen Umfangs der Bestellung dürften die Iren aber wohl bis zu 60 Prozent rausgeschlagen haben. So viel kriegen gute Kunden.

Denn O’Leary verhandelte geschickt. Er klopfte Boeing stetig weicher. So verkündete er im Sommer 2011, sich an der Entwicklung der chinesischen C919 zu beteiligen. Wenn der chinesische Hersteller Comac seine Bedürfnisse treffe, werde er eine sehr große Bestellung bei ihm platzieren, erklärte er damals. Und er sprach von 200 Fliegern. Zugleich wurde bekannt, dass er sich dafür interessierte 200 Stück der russischen MS-21 von United Aircraft Corporation zu kaufen. Das Ganze war aber nur ein Manöver zur Einschüchterung, wie sich nun zeigt. Denn eine Einheitsflotte schafft Ryanair erst die Kostenvorteile, die man als Ultra-Lowcost-Anbieter braucht. Derzeit hat die Airline 305 B737-800 im Einsatz.



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