Parked Lufthansa aircraft in Frankfurt: Barely any regular flights are taking off anymore.

StudieSo viele Wochen reicht die Liquidität der Airlines noch

Keine Ticketverkäufe, kein Bares. Europas Fluggesellschaften geht ohne frische Mittel nach und nach das Geld aus. Ein Überblick über Liquiditätsreserven und Ausgaben.

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Luftfahrt

Die Liquidität ist mit dem Ausbruch der Corona-Krise ein zentrales Thema für Fluggesellschaften geworden. Denn wenn niemand Flüge bucht, fließt auch kein Geld mehr in die Kassen. Gleichzeitig müssen viele Kosten aber weiter getragen werden - etwa ein Teil der Personalausgaben, Leasing- oder Wartungsgebühren oder Büromieten.

Wohl auch deshalb verkaufen Fluggesellschaften  bereits jetzt aktiv Tickets für Flüge, die noch weit in der Zukunft liegen oder sie preisen Gutscheine für Flüge in den nächsten Jahren an oder sie versuchen, Passagiere von zu einer Umbuchung statt einer Rückerstattung zu überzeugen. Laut dem Weltluftfahrtverband Iata hatten 75 Prozent der Mitglieder Anfang des Jahres Liquiditätsreserven für weniger als drei Monate. Zur Liquidität gehören neben Barmitteln alle Vermögensbestände, die sich umgehend in Barmittel umwandeln lassen.

Zeugnis für Tiefe der Krise

Doch wie sieht es bei den einzelnen Fluglinien aus? Das Analyseunternehmen Bernstein Research hat anhand verfügbarer Finanzzahlen die Liquidität der größten europäischen Airline-Gruppen den zu erwartenden Kosten im jetzt beginnenden zweiten Quartal gegenübergestellt. Daraus lässt sich erschließen, für wie lange das Bargeld – ohne staatliche Unterstützung oder Neuaufnahme von Krediten – noch reicht. Die Zahlen zeigen, wie tief die aktuelle Krise ist.

Dabei, so die Analysten, handelt es sich um eine Schätzung auf Basis verfügbarer Zahlen, die einen Überblick über die Situation geben soll. Finanzabteilungen der Fluglinien arbeiten mit täglich aktualisierten Angaben. So oder so ist das Bild aber eines, an dem man sich orientieren kann.

Liquidität für 17 Wochen...

Die Zahlen zeigen, dass eine Netzwerkairline zu unterhalten deutlich mehr Liquidität braucht, als der Punkt-zu-Punkt Verkehr. Personalkosten, Flughafengebühren und Kosten für andere Dienstleister fressen viel Geld. Lufthansa ist gemäß den Schätzungen von Bernstein mit wöchentlichen Kosten von 222 Millionen Euro konfrontiert. Demgegenüber steht eine Liquidität von rund 3,8 Milliarden. Die Billigairline Wizz Air verfügt zwar nur über rund 1,8 Milliarden Euro an Liquidität, doch die wöchentlichen Kosten liegen auch nur bei 12 Millionen (siehe Grafik).

Nach diesen Berechnungen bliebe der Lufthansa Group ohne Neubeschaffung von Mitteln eine Liquidität für 17 Wochen, Air France-KLM hätte Geld für 14 Wochen. Am besten unter den drei großen Netzwerkairline-Gruppen Europas steht IAG da, die Mutter von British Airways und Iberia. Dort reicht die Liquidität laut der Bernstein-Analyse für 31 Wochen. Das britisch-spanische Unternehmen verfügt über rund 4,6 Milliarden an Liquidität, die wöchentlichen Ausgaben betragen 150 Millionen.

... oder für 144 Wochen

Bei den Billigairlines zahlt sich nun die niedrige Kostenbasis aus. Easyjet bliebe demnach noch Liquidität für 53 Wochen, also etwas mehr als ein Jahr. Bei Ryanair reicht es doppelt so lange: 106 Wochen. Am längsten durchhalten würde Wizz Air mit Reserven für 144 Wochen.

Am schlechtesten von allen untersuchten Airlines steht Norwegian da. Dort würde das Geld nur noch neun Wochen reichen. Aber: Die Übersicht von Bernstein hat keine staatlichen Hilfen oder neu erhaltene Kredite mit eingerechnet. Norwegen hat der Fluggesellschaft mittlerweile Staatshilfen gewährt.

Liquidität ist nicht gleich Solvenz

Was außerdem in dem Zusammenhang wichtig ist: Liquidität und Zahlungsfähigkeit sind unterschiedliche Größen. So verfügen Unternehmen auch über Vermögenswerte, die sie im Zweifel mittelfristig in Bares umwandeln können, um Liquiditätskrisen zu überstehen. Bei Airlines sind das zum Beispiel Flugzeuge oder Immobilien.

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