Ryanair ist die nach Flügen die größte Fluggesellschaft Europas und kann sich daher einiges erlauben, wenn sie Flughäfen und Politiker kritisiert. Davon macht sie ausgiebig Gebrauch. Etwa indem sie Österreichs Bundeskanzler Christian Stocker «Sleepy Stocker» nennt und mit Schlafmütze zeigt. Dabei nimmt der irische Billigflieger es nicht immer so genau.
So attackierte er Anfang 2025 die Flugsicherung in Berlin, die darauf entgegnete, «dass Ryanair offenbar immer noch nicht die Zuständigkeiten und Betriebsabläufe am Berliner Flughafen kennt». Danach schwenkte Ryanair um und kritisierte die Gemeinsame Obere Luftfahrtbehörde Berlin-Brandenburg LuBB sowie immer wieder auch namentlich deren Chef.
Ryanair kritisiert und verspottet den BER
Am Donnerstag (8. Oktober) folgt nun die nächste gezielte Entgleisung: Ryanair nennt den BER den «erfolglosesten Flughafen Europas» und begründet das mit einem Berliner «Verkehrsrückgang von 30 Prozent von 36 Millionen Passagieren im Jahr 2019 auf nur 26 Millionen im Jahr 2025». Mit keinem Wort erwähnt der Billigflieger, dass es 2019 mit Tegel und Schönefeld noch zwei Berliner Flughäfen gab, der BER eröffnete erst 2020.
Der Spott von Ryanair über den BER ist Teil einer Mitteilung der Fluglinie am Donnerstag (8. Oktober) zum Abbau in Deutschland. Sie kündigt darin ihren «reduzierten Winterflugplan 2026 für Deutschland» an, «mit 700.000 (-10 Prozent vs. Winter 2025) gestrichenen Sitzplätzen in Berlin und Hamburg». Grund dafür seien überhöhte Flugsicherungsgebühren, Sicherheitsgebühren und hohe Flughafengebühren) in Verbindung mit der «exorbitanten Luftverkehrsteuer der Bundesregierung», schreibt Ryanair. Sie bestätigt die schon bekannte Ankündigung, ihre Basis in Berlin mit sieben Flugzeugen ab dem 24. Oktober zu schließen.
Diese Strecken streicht Ryanair im Winter in Berlin
Ryanair streicht ab Berlin wird in diesem Winter die Strecken nach Bologna, Fuerteventura, Gran Canaria, Lanzarote, Marseille, Palermo, Pisa, Reggio Calabria, Tallinn, Thessaloniki, Triest und Vilnius und reduziert auch das Angebot auf verbleibenden Routen.
BER bedauert und spricht von guter Zusammenarbeit
Auf Anfrage von aeroTELEGRAPH geht der BER nicht auf Ryanairs Wortwahl ein. Ein Sprecher erklärt lediglich, man bedauere die Entscheidung der Airline. «Wir arbeiten seit Jahren sehr gut zusammen und haben gemeinsam im Terminal 2 ein sehr leistungsfähiges und effizientes Angebot entwickelt», so der Sprecher. Zudem teile man die Einschätzung, «dass die staatlich bedingten Standortkosten in Deutschland eine erhebliche Belastung darstellen und die Wettbewerbsfähigkeit schwächen». Der BER arbeite daran, die Kosten in den Bereichen zu senken, die der Flughafen selber beeinflussen könne.
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