Dash 8 von Avanti Air: Die Airline wird künftig die Flüge für Air Uniqon durchführen.

Virtuelle Airline für FriedrichshafenDie vielen Fragezeichen hinter Air Uniqon

Der Flughafen Friedrichshafen bekommt schon ab Januar wieder Inlandsflüge. Angeboten werden sie von der virtuellen Fluglinie von Air Uniqon. Sie ist kaum bekannt und sitzt in Brandenburg. Doch zum Projekt gibt es viele Fragezeichen.

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Etwa eine Stunde Autofahrt nordwestlich des Berliner Stadtzentrums, im Landkreis Ostprignitz-Ruppin, liegt das Dorf Rüthnick. Mit nur 456 Einwohnerinnen und Einwohnern ist es der offizielle Firmensitz von Deutschlands jüngster Fluggesellschaft. An der Dorfstraße 11 sitzt Air Uniqon. Laut Handelsregister wurde sie am 24. Februar 2025 gegründet.

Gegenstand des Unternehmens ist es, als virtuelle Airline Dienstleistungen wie Eventflüge anzubieten und damit verbundene Tätigkeiten auszuführen. Geschäftsführer ist Fabian Rosenberg. Er ist Filmproduzent und freiberuflicher Pressesprecher des Flugplatzes Welzow. Der liegt im Süden Brandenburgs an der Grenze zu Sachsen.

Air Uniqon aus Brandenburg startet ab Friedrichshafen

Die eigentliche Tätigkeitsschwerpunkt der neuen Airline liegt allerdings rund 600 Kilometer weit entfernt ganz im Süden der Bundesrepublik. Am 17. November teilte der Flughafen Friedrichshafen stolz mit, dass mit Düsseldorf, Hamburg und Berlin drei Inlandsstrecken wieder aufgenommen werden und das schon ab dem 12. Januar. Durchgeführt werden die Flüge von der deutschen Avanti Air mit einer De Havilland Canada Dash 8-400.

Das Logo von Air Uniqon: Start am 12. Januar.

Avanti Air führt die Flüge allerdings nur durch. Auftraggeberin ist Air Uniqon. Dieses Geschäftsmodell ist nicht neu. Die Flüge von Skyhub PAD führt die dänische DAT durch. Mannheim City Air setzt als durchführende Fluglinie auf Private Wings. Und noch was verbindet Air Uniqon mit den beiden anderen virtuellen Airlines. Der Wunsch nach innerdeutschen Flügen kommt aus der lokalen Wirtschaft, die auch das Kapital bereitstellt.

Regionale Wirtschaft richtete Treuhandkonto für Air Uniqon ein

Im Fall von Air Uniqon soll neben dem Stammkapital von 25.000 Euro ein Treuhandkonto eingerichtet worden sein. Auf dieses Konto haben Unternehmen aus der Bodenseeregion eingezahlt. Laut einer Pressemitteilung der IFM-Unternehmensgruppe, einem Hersteller von Sensoren, Steuerungen, Software und Systemen für die industrielle Automatisierung, beläuft sich der einbezahlte Betrag auf über 2,5 Millionen Euro.

Nach Angaben des Rundfunkanbieters SWR hat neben der IFM-Gruppe auch die Liebherr-Firmengruppe aus Biberach einen finanziellen Beitrag geleistet. Sönke Voss, Hauptgeschäftsführer der IHK Bodensee-Oberschwaben, sagte dem Sender, die neuen innerdeutschen Verbindungen markierten «einen wichtigen Wendepunkt für die Wirtschaft der Region».

Mitte Dezember startet der Vorverkauf

Gegenüber dem SWR sagte ein Flughafensprecher, dass man erwarte, rund sechs Monate kein Geld mit den Verbindungen zu verdienen. Die Kosten pro Ticket starten bei 179 Euro One Way.

Fragen zum ihren Plänen lässt Air Uniqon unbeantwortet. Nur über den Zeitplan der neuen virtuellen Airline ist etwas zu erfahren - über die automatische Nachricht, die als Reaktion auf eingegangene E-Mails versendet wird. Darin heißt es, dass Anfang Dezember der Flugplan veröffentlicht werde. Der Ticketverkauf soll Mitte Dezember starten und der Erstflug am 12. Januar erfolgen.

Fragen lässt Air Uniqon unbeantwortet

Doch es bleiben viele Fragezeichen. Warum startet die Airline, die sich nach eigenen Angaben auf den Geschäftsreiseverkehr ausrichtet, ausgerechnet im erfahrungsgemäß buchungsschwächsten Monat? Warum werden die Strecken nur drei bis vier Mal wöchentlich bedient, was die Flüge für Geschäftsreisende unattraktiv macht, die gerne am Morgen hin und am Abend zurückreisen?

Warum ging Air Uniqon an die Öffentlichkeit, wo noch gar keine Flüge buchbar sind und so die ganze Werbewirkung einfach verpufft? Warum läuft alles über eine Firma in Brandenburg? Plant Air Uniqon eine GDS-Anbindung, um Tickets breiter verkaufen zu können? Führt die Fluglinie Gespräche mit Lufthansa über ein Interlining, um Umsteigeflüge zu ermöglichen?

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