Es war einer der schwersten Flugzeugabstürze in der Geschichte Kameruns. Am 3. Dezember 1995 verunglückte eine Boeing 737-200 von Cameroon Airlines im Anflug auf Douala. Ursache war ein Triebwerksschaden, den die Besatzung nicht rechtzeitig erkannte. Von 76 Menschen an Bord kamen 71 bei dem Absturz ums Leben. Das Flugzeug mit dem Kennzeichen TJ-CBE war zum Unfallzeitpunkt zehn Jahre alt und hatte 18746 Flugstunden absolviert. Grund für den Triebwerksschaden war eine durch Materialermüdung gebrochene Verdichterschaufel im linken Triebwerk.
Über 30 Jahre beschäftigt die Tragödie Gerichte in Kamerun und den USA. Cameroon Airlines musste 2008 wegen Korruption den Betrieb einstellen. An ihre Stelle trat 2006 die staatliche Nachfolgegesellschaft Camair-Co. Im Februar 2025 reichte die Airline vor einem kamerunischen Gericht Klage gegen Boeing und Pratt & Whitney ein und fordert knapp 180 Millionen Dollar Schadenersatz.
Camair-Co fordert knapp 180 Millionen Dollar
Camair-Co begründet die Forderung damit, dass Boeing kein Warnsystem für Triebwerksleistungsverlust eingebaut und kein passendes Training angeboten habe. Mit besserer Warnung und Training hätten die Piloten den Unfall vermeiden können, so der Vorwurf. Konkret fordert die Airline 40 Millionen Dollar für ein Ersatzflugzeug, 130 Millionen Dollar für Betriebsausfälle und 8,7 Millionen Dollar für Reputationsschäden.
Boeing wehrt sich mit einer Gegenklage. Der Flugzeughersteller reichte sie am 17. Juli 2026 beim US-Bundesgericht für den Western District of Washington ein, wie die Nachrichtenseite Cameroon Intelligence Report. berichtet. Ziel ist es, die Forderung von Camair-Co zu stoppen.
Boeing argumentiert mit Kaufvertrag von 1984
Boeing beruft sich auf den Kaufvertrag von 1984. Darin sei festgehalten, dass Streitigkeiten nach dem Recht des US-Bundesstaats Washington zu entscheiden seien, nicht vor einem Gericht in Kamerun. Zudem hat Cameroon Airlines auf spätere Schadenersatzansprüche verzichtet, etwa wegen Fahrlässigkeit. Alle Garantien, die Boeing dem Käufer ursprünglich gegeben habe, seien zum Zeitpunkt des Absturzes 1995 längst abgelaufen gewesen. Boeing argumentiert deshalb, Camair-Co dürfe gar nicht in Kamerun klagen, schon gar nicht mit diesen Argumenten.
Der Vertrag regelt auch, was passiert, wenn es später Streit über Schulungen gibt, die Boeing nach der Auslieferung anbot, etwa Trainings für Piloten. Laut Boeing steht darin: Nicht der Hersteller muss sich verteidigen, sondern Camair-Co muss Boeing schützen, dessen Kosten übernehmen und für ein mögliches Urteil aufkommen. Camair-Co wirft dem Hersteller ja fehlendes Training vor.
Boeing trifft laut Untersuchungsbericht keine Schuld
Der offizielle Untersuchungsbericht zum Absturz von 1995 nannte nie die Bauart, die Handbücher oder das Training von Boeing als Unfallursache. Keine einzige Sicherheitsempfehlung aus dem Bericht richtete sich an den Hersteller. Auslöser war eine gebrochene Verdichterschaufel. Verantwortlich dafür war laut Boeing nicht der Hersteller selbst, sondern die belgische Airline Sabena. Sabena war damals Wartungspartner von Cameroon Airlines.
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