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757-Nische

Boeing überlässt Airbus das Feld

Die Boeing 757 füllte eine kleine aber wichtige Nische. Airbus will mit einem Long-Range-A321 daraus Geld machen. Boeing hingegen zieht sich zurück.

Airbus

Airbus A321 Neo: Die Long-Range-Version ist der 757-Nachfolger.

Mehrere Male habe man sich überlegt, ob man die Produktion der Boeing 757 mit neuen Triebwerken wieder aufnehmen solle, so Randy Tinseth. «Aber der Businessplan geht einfach nicht auf», so der Marketingvize bei Boeing laut der Nachrichtenagentur Bloomberg. Man werde keine Boeing 757 Max bauen. Der Manager widersprach damit Gerüchten, die zuvor in verschiedenen US-Medien aufgekommen waren.

Die 757 sei ein komplexer Flieger, der relativ teuer in der Produktion sei. Seit 2004 wird sie nicht mehr produziert. Die meisten der insgesamt 819 noch fliegenden B757 sind in den USA im Einsatz. 70 Prozent der weltweiten Flotte gehören amerikanischen Airlines. 19 Prozent fliegen für europäische Anbieter, der Rest in Asien und im Nahen Osten. Die Nische der 757, einen kleinen Langstreckenjet, sind etwa Transkontinentalflüge wie von der Ost- an die Westküste der USA. Aber auch kurze Transatlantikflüge lassen sich mit ihr absolvieren.

Airbus kann Nische füllen

Mit der Absage an die 757 Max überlässt Boeing nun Airbus das Feld. Der europäische Flugzeugbauer will eine Version des neuen A321 Neo lancieren, die eine deutlich größere Reichweite aufweist. 1270 Kilometer – so groß soll der Unterschied sein. Statt 5950 Kilometer weit soll der A321 Neo LR (long range) 7220 Kilometer weit fliegen können. Das reicht beispielsweise für einen Direktflug von Frankfurt nach Chicago. Und es ist größer als die Reichweite der 757.

Möglich machen das drei Zusatztanks, die in das Flugzeug eingebaut werden. Zudem wird der Long-Range-A321 auch tiefere Kosten vorweisen können. Ein durchschnittlicher Flug werde mit dem neuen Jet 27 Prozent billiger, die Kosten pro Sitz würden 24 Prozent tiefer ausfallen, so ein Airbus-Manager zum Analysehaus Leeham News. Nur bei der Passagierzahl verliert Airbus. Sie beträgt 164, die B757 dagegen kann 169 Menschen transportieren.

Ähnlich wie in den 80ern

Boeing argumentiert, dass Kundengespräche ergeben hätten, dass als Nachfolger der 757 etwas größere Flugzeuge gewünscht seien – wie etwa der Dreamliner. Außerdem müsse er um die 20 Prozent weiter fliegen können. Und: Die Absage an die 757 Max sei keine generelle Absage an einen neuen Flieger. Es werde einfach «einige Zeit dauern», den neuen Jet zu konfigurieren, so Tinseth. 2030 werde man schätzungsweise einen Nachfolger für die 737 Max auf den Markt bringen. Und der würde auch die 757-Nachfolge antreten.

Offenbar plant Boeing dabei ähnliches wie in den 80ern, als parallel 767 und 757 entwickelt wurden. Die 757 ist ein Jet mit einem, die 767 einer mit zwei Gängen. Doch die Cockpits sind identisch – genau wie eine Reihe anderer Elemente. So konnte man sowohl bei Entwicklung als auch bei Fertigung Geld sparen. Die Pläne ließ Kourosh Hadi, Boeings Entwicklungschef, kürzlich auf einer Konferenz durchblicken. NSA und NLT sind die Abkürzungen für die beiden Modelle: «New Single Aisle» und «New Light Twin».



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