Horrorminuten nach Tippfehler

Verletzt wurde laut der Zeitung The Age niemand, der Jet jedoch war nach der Notlandung schwer beschädigt. Zu dem Zwischenfall kam es, so der Zwischenbericht der Ermittler, offenbar nur durch einen kleinen, aber entscheidenden Tippfehler: Der Pilot gab beim Gewicht des Fliegers 262,9 Tonnen ein. In Wirklichkeit waren es aber 362,9 Tonnen - der Unterschied von 100 Tonnen macht bei der Kalkulation der Geschwindigkeit für den Start so einiges aus. Dass niemand den Fehler bemerkte, hatte einen anderen Grund. Die Piloten waren wohl abgelenkt, weil auch andere Geräte und Software nicht richtig funktionierten. Erst als der Flieger schon kurz vor dem Ende der Startbahn war, wurde die Crew darauf aufmerksam, dass etwas nicht stimmte.
Prozeduren angepasst
Emirates hat in der Folge die Standardprozeduren vor dem Start angepasst, wie The Age berichtet. dazu gehört unter anderem, dass Zahlen mehrfach gegengelesen werden. Außerdem hat man die Ablenkungen, denen Piloten in der Zeit vor dem Start ausgesetzt sind, reduziert und die Software auf den Laptops der Crew ausgetauscht. Außerdem berichtet die Airline, dass sie mit Luftfahrtunternehmen zusammenarbeitet, um Warnsysteme zu entwickeln, die beim Start die Geschwindigkeit kontrollieren.
Erst kürzlich wurde ein Bericht der englischen Air Accidents Investigation Branch (AAIB) veröffentlicht, der sich mit einem Zwischenfall eines Thomas-Cook-Fliegers auseinandersetzt, der im April ebenfalls fast einen Fehlstart hingelegt hatte - auch wegen falscher Gewichtsangaben (aeroTELEGRAPH berichtete). Die Verfasser des Berichts machten darauf aufmerksam, dass potenziell gefährliche Fehler oft schon vor dem Start geschehen - und selten gemeldet werden. In den vergangenen Jahren habe es eine «signifikante Anzahl» von derartigen Zwischenfällen gegeben. Man geht davon aus, dass eine ähnlich hohe Zahl von Kalkulations- oder Kommunikationsfehlern geschahen, die nicht gemeldet wurden.


