Cockpit: Amerikanische und europäische Piloten prangern an, dass bei Norwegian Air International Dumpinglöhne gezahlt würden.

Norwegian Air InternationalWiderstand gegen Norwegians USA-Lizenz

Der Protest gegen die Erteilung der US-Lizenz an Norwegian Air International wird lauter. Piloten sorgen sich nicht nur um ihre Zukunft, sondern auch um die Sicherheit des amerikanischen Luftraumes.

Top-Jobs

bwlv

Fluggerätmechaniker (m/w/d)

BWLV-Motorflugschule Hahnweide
Vollzeit
Kirchheim/Teck
Top jobs
Deutschland
Feste Anstellung
Flugschule
Pilatus Logo

Team Leader Account Management

Pilatus Flugzeugwerke AG
Vollzeit
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Flugzeughersteller
Hahnair Logo

Compliance Monitoring Manager (all genders)

Hahn Air Lines GmbH
Vollzeit
Düsseldorf
Top jobs
Deutschland
Feste Anstellung
Luftfahrt
Etihad Job

Captain A320

Etihad Airways
Vollzeit
Abu Dhabi
Top jobs
United Arab Emirates
Feste Anstellung

Dies- und jenseits des Atlantiks beschweren sich Piloten über die Zulassung von Norwegian Air International durch die US-Behörden. Sie sehen die Sicherheit über den Wolken gefährdet, da die norwegische Airline mit ihrer irischen Tochter plant, Vertragspiloten zu engagieren. Das heißt: Sie werden quasi als Freiberufler nicht direkt bei der Airline angestellt. «Das Vorhaben von Norwegian Air International stellt ein sehr ernstzunehmendes Risiko für den nationalen Luftraum dar», erklärt die Netjets Association of Shared Aircraft Pilots

Die Vereinigung von mehr als 2700 Piloten, die für den Businessjet-Anbieter Netjets fliegen, ist alarmiert. Man werde den Luftraum mit Vertragspiloten teilen müssen, die keinen direkten Kontakt zum Airline-Management hätten. «Wie sollen sie sich ohne diese direkte Kommunikationslinie auf den sicheren Betrieb der Flugzeuge konzentrieren können?», fragt sie. Die Sicherheitsbedenken dieser Piloten kommen zusätzlich zu einem wahren Proteststurm in den USA.

Fluglinie folgt der Schifffahrt-Strategie

Auch schon die wesentlich größere Air Line Pilots Association Alpa, die mehr als 52.000 Piloten vertritt, hatte große Bedenken angemeldet, die aber eher auf unfairen Wettbewerb abzielen: «Wir sind extrem enttäuscht, dass Norwegian Air International in die USA und von den USA fliegen darf», so Präsident Tim Canoll. «Eine fremde Airline mit unfairen Wettbewerbsvorteilen darf direkt mit US-Airlines auf Langstreckenflügen in Konkurrenz treten. Norwegian Air International hat ihren Standort in Irland danach gewählt, wo es günstige Steuern und Auflagen gibt.» Die US-Regeln seien extrem viel strenger.

Norwegian Air International plant, ihre Crews mit Arbeitsverträgen nach singapurischem Recht anzuheuern, wo die Löhne erheblich unter denen in Norwegen und den USA liegen. Damit folgt die Fluglinie dem Vorbild der internationalen Schifffahrt, die ihre Schiffe dort registriert, wo es die laxesten Vorschriften und niedrigsten Löhne zu zahlen gilt. Infolge dieser Praktiken sind in der US-Schifffahrt Zehntausende von Arbeitsplätzen verloren gegangen. Das Vorgehen der Reeder nennt man Ausflaggung oder auf English Flag of convenience.

Europäische Piloten sprechen von «Eigentor»

Das wird auch in Europa kritisiert. Man habe mit dem Entscheid der Ausflaggung in der Luftfahrt Tür und Tor geöffnet, schreibt die europäische Pilotenvereinigung European Cockpit Association ECA. «Das ist ein Eigentor», so Präsident Dirk Polloczek. Man untergrabe die eigene Luftfahrtbranche.

Mehr als 200 Kongressabgeordnete beider Parteien hatten vor der Entscheidung an das US-Transportministerium appelliert, die Bewerbung von Norwegian Air International abzulehnen. Beide Häuser des Kongresses haben jetzt ein Gesetz abgesegnet, dass Bewerber für Lizenzen für ausländische Fluglinien unter dem Open-Skies-Abkommen zwischen der EU und den USA auch dem US-Gesetz folgen müssen. «Amerikanische Fluggesellschaften und ihre Beschäftigten konkurrieren gern auf dem internationalen Markt, aber dies muss auf einem gerechten Spielfeld geschehen», so Canoll.

Tausende neuer Jobs in Europa und den USA

Norwegian weist die Vorwürfe als falsch zurück. Diese Kritik sei in den vergangenen Jahren wiederholt widerlegt worden, so die Fluglinie in einer Mitteilung. Zudem gehe sie auch nicht darauf ein, dass die US-Behörden in ihrer Bewilligung bestätigt hätten, dass Norwegian alle US-Regeln einhalte. Man werde dank der Lizenz in Europa und den USA Tausende neuer Jobs schaffen.

Mehr zum Thema

Boeing 737 von Norwegian: Die Mehrheit de Flotte bleibt am Boden.

Norwegian schickt Töchter in Gläubigerschutz

Dreamliner von Norwegian: IAG hat weiter Interesse an der Billigairline.

Norwegian baut in Richtung Asien aus

Boeing 737 Max von Norwegian: Mit ihr geht es in die USA.

Norwegian fliegt mit Boeing 737 Max in die USA

Flieger von Norwegian: Bald in Argentinien unterwegs?

Norwegian plant Flugbetrieb in Argentinien

Video

Airbus A350 F Erstflug in Toulouse: Der Frachter war vier Stunden in der Luft.
Vier Stunden, 220 Gigabyte Daten und ein Start ohne elektronische Schutzfunktionen: Der Airbus A350 F ist zum ersten Mal geflogen. Was die Crew testete und was den Frachter besonders macht.
Benjamin Recklies
Benjamin Recklies
airbus a350 f erstflug 01
Am Dienstag ist der Airbus-A350-Frachter zum ersten Mal abgehoben. Ende 2027 will der Flugzeugbauer den ersten A350 F aus der Serienproduktion ausliefern. Zwei Kunden kommen für die Premiere infrage.
Benjamin Recklies
Benjamin Recklies
Timo Nowack
Timo Nowack
Ex-Swissair-Sprecher Urs Peter Naef: «»
Als die Nachricht vom Absturz vor Halifax eintraf, war das Krisenhandbuch der Swissair-Kommunikationsabteilung noch nicht fertig. Medienverantwortlicher Urs Peter Naef musste improvisieren - und zugleich die Angehörigen vor aufdringlichen Medien schützen. Seine wichtigste Lehre aus der Katastrophe: «Steh zu dem, was passiert ist, und zeig Flagge.»
Christopher Scheffelmeier
Christopher Scheffelmeier