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Ausfälle bei Delta und Southwest

Darum versagen bei US-Airlines die Systeme

Immer wieder kommt es in den USA nach Computerpannen zu Totalausfällen - zuletzt bei Delta. Warum ausgerechnet amerikanische Airlines gefährdet sind.

Delta

Delta-Angestellte helfen Passagieren in London Heathrow: Der Ausfall hatte globale Auswirkungen.

Es passierte gleich zwei Mal innerhalb weniger Wochen. Am 20. Juli musste Southwest Airlines in den USA wegen einer Computerpanne für kurze Zeit sämtliche Flüge stoppen. Es kam auch danach noch zu Tausenden Ausfällen und Verspätungen. Dann passierte dasselbe am Morgen des 8. August Delta – weltweit kam es zu Annullierungen. Delta-Flüge waren auch nach der Wiederaufnahme des Flugbetriebs am selben Vormittag verspätet oder fanden nicht statt.

«Das ist unsere Verantwortung», erklärte Delta-Chef Ed Bastian in der Folge laut der Zeitung Wall Street Journal. Und er geht noch weiter. «Es ist nicht klar, ob wir an den richtigen Orten investiert haben.» Der Vorfall habe dazu geführt, dass man vieles hinterfrage. «Und ganz ehrlich – wir haben noch nicht auf alle Fragen Antworten.»

Konsolidierung sorgt für IT-Chaos

Immerhin: Bastian dürfte mit seiner Ratlosigkeit nicht alleine sein. Alle großen US-Fluggesellschaften erlebten in den vergangenen Jahren derartige Zwischenfälle. Das hat zwei Gründe.

Zum einen stellt die Konsolidierung eine große Herausforderung dar: United tat sich mit Continental zusammen, American Airlines mit US Airways, Delta mit Northwest – hinzukommen Zukäufe von kleineren Konkurrenten. Die verschiedenen Informatik-Systeme stammen aus verschiedenen Zeiten und wurden von verschiedenen Entwicklern erstellt – und dennoch mussten sie irgendwie miteinander verknüpft werden.

Passagierwachstum und höhere Ansprüche

Eine weitere Herausforderung ist das enorme Passagierwachstum, gepaart mit mehr Vernetzung von Passagieren aber auch am Boden. «Alte IT-Systeme müssen inzwischen viel mehr leisten als das, wofür sie gebaut wurden», so Daniel Baker, Chef der Datenfirma Flightaware, zum Fachportal Skift. Alle Prozesse sind dabei miteinander verbunden, das Ausstellen von Tickets und Bordkarten, Webseiten, Apps und sogar der Flugbetrieb. Kein Wunder also, dass bei einem kleinen Problem gleich der Domino-Effekt folgt.

Bei Delta ist genau das passiert, erklärt Bastian. Bei einem kleinen Teil irgendwo in einem Delta-Datenzentrum gab es einen Kurzschluss, der ein kleines Feuer zur Folge hatte. Das wiederum führte zu einem Stromausfall. Als der Strom schließlich wieder lief, schafften es aber nicht alle Systeme, auf ihre Backups umzuschalten und alles brach zusammen. Das erneute Hochfahren der Systeme, so Bastian, lief dann ebenfalls deutlich weniger glatt als erwartet. Erst am Donnerstag (11. August) herrschte wieder annähernd Normalbetrieb bei der Airline.

Mehr Investitionen nötig

Nicht nur Delta, alle Fluggesellschaften in den USA müssen sich nun ernsthafte Gedanken machen, wie sie ihre Systeme so erneuern, dass es zu solchen Ausfällen nicht mehr kommen kann. «Ein kaputtes Teil darf nicht dazu führen, dass es einen globalen Ausfall gibt, das ist recht schockierend», so Software-Analyst Bill Curtis zu Skift.



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