Pilot im Kampfjet: Zusammen sind sie stärker.

Sniper-NTP von Lockheed MartinWeg vom Top Gun-Dogfight: Warum Daten heute wichtiger sind als Sichtkontakt

Moderne Luftkämpfe entscheiden sich immer seltener im Nahbereich, sondern über Sensorik, elektronische Signaturen und Beyond-Visual-Range-Fähigkeiten. Lockheed Martin will mit Sniper-NTP die Kette aus Aufklärung, Überwachung und Auswertung parallelisieren Der Anspruch: Sekunden gewinnen, bevor sich die Lage wieder ändert.

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Ein Ziel taucht auf, der Cursor wandert, ein Signal springt auf «locked» – Hollywood hat daraus ikonische Cockpit-Momente gemacht. Lockheed Martin will genau diese Sekunden im echten Luftkampf weiter verkürzen, aber mit einem entscheidenden Zusatz: Nicht der einzelne Jet soll schneller schießsen, sondern das ganze Geflecht aus Luftwaffe, Bodentruppen und Marine schneller zusammenwirken. Dafür hat der Konzern Ende Januar seine sogenannte Sniper-NTP-Technologie in einer Live-Demonstration gezeigt.

In der Realität, so beschreibt es Lockheed Martin in einer Mitteilung, hängen Luftgefechte längst vom Zusammenspiel mehrerer Einheiten ab – vom Sensor im Flugzeug bis zur Auswertung am Boden. Darauf zielt Sniper-NTP ab. NTP steht für Networked Targeting Pod.

Daten praktisch in Echtzeit an die Bodenstation

Bei der Demonstration wurden laut Lockheed Martin mit zwei F-16 Fighting Falcon über Sniper-NTP simulierte Zieldaten praktisch in Echtzeit an eine Bodenstation übermittelt. Das soll die Koordination zwischen Luft-, Boden- und Seestreitkräften beschleunigen – und Entscheidungen in Situationen ermöglichen, in denen sich Lagebilder laufend ändern.

Denn im Ernstfall entscheiden oft Sekunden: Zieldaten müssen permanent aktualisiert werden – besonders in einem Dogfight. Dort werden Geschwindigkeiten nicht in Stundenkilometern, sondern in Mach angegeben (ein Mach entspricht grob der Schallgeschwindigkeit, je nach Höhe und Temperatur). Die F-16 kann bis zu Mach 2 erreichen.

Sniper-NTP: das steckt drin

Lockheed Martin beschreibt Sniper-NTP als Verbund mehrerer Bausteine:

  • ein auf 5G-Technologie basierendes Netzwerk Aeronautics and 5G.MIL
  • Funk- und Datenübermittlung über «mobile and ad-hoc network» (Manet)
  • elektrooptische/infrarote Sensoren (EO/IR) zur Zielerfassung

Die Idee dahinter formuliert der Konzern so: Präzisionsaufklärung, Überwachung und Auswertung seien nicht mehr Schritte nacheinander, sondern parallel verzahnte Abläufe – getragen von «vertrauenswürdigen Daten» und Plattformen, die schnell miteinander arbeiten.

Getrennt starten, vereint agieren

Wie sehr moderne Luftkämpfe vom Netzwerk leben, zeigte die letzte grosse Luftschlacht zwischen Pakistan und Indien am 6./7. Mai 2025: Berichte sprechen von einer Auseinandersetzung mit weit über 100 beteiligten Kampfflugzeugen, in der es vor allem um Beyond-Visual-Range-Fähigkeiten, Sensorik und elektronische Kriegsführung ging. Pakistan beanspruchte dabei Abschüsse indischer Jets – darunter Rafale – für sich.

Der Vorfall unterstreicht auch, wie selten «Top Gun»-Szenen geworden sind: In solchen Konstellationen sehen sich Piloten nicht zwingend mit blossem Auge – entscheidend sind Radardaten, elektronische Signaturen und die Frage, wer Informationen schneller teilt und verwertet.

Das Schlachtfeld der Zukunft

Auch im Ukraine-Krieg werden Kampfflugzeuge laut gängigen Lagebildern häufig genutzt, um aus Distanz zu wirken – etwa mit Raketen auf Fernziele oder beim Abfangen von Drohnen. In dieser Woche kursierte zudem ein Frontvideo, das zeigen soll, wie eine ukrainische F-16 eine Shahed-Drohne in der Luft zerstört. Und am 3. Februar meldete das US-Militär, eine F-35C von der USS Abraham Lincoln habe über dem Persischen Golf eine iranische Shahed-139 abgeschossen, die sich dem Träger «mit unklarer Absicht» genähert habe.

Lockheeds bekannteste Kampfflugzeuge sind neben der F-16 die F-35 Lightning II und die F-22 Raptor. Der Konzern betont, dass künftig nicht allein Tempo oder reine Flugleistungen entscheiden, sondern Flexibilität – und ein Informationsfluss, der in Echtzeit zwischen Luft, Land und See funktioniert.

Nicht nur Zustimmung

Gleichzeitig wächst die Skepsis, wenn Digitalisierung nicht zuverlässig abliefert. Der deutsche CDU-Politiker Thomas Röwekamp, Vorsitzender des Verteidigungsausschusses, sagte im November vergangenen Jahres der Süddeutschen Zeitung mit Blick auf den Digitalfunk der Bundeswehr: Solche Systeme machten nur Sinn, wenn sie im Einsatz verlässlich funktionierten – andernfalls könnten sie Soldaten gefährden.

So bleibt der Kern der Sniper-NTP-Idee einfach – und politisch heikel: Wer im Luftkampf die Sekunden gewinnt, gewinnt oft die Option zu handeln. Aber nur, wenn die Technik im entscheidenden Moment nicht selbst zum Risiko wird.

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