Dokumentierte Abschüsse der Boeing F-15E Strike Eagle in den ersten Tagen des Irankriegs rückten das heikle Thema "Friendly Fire" in den Fokus.

Friendly FireNicht schießen! Wenn Verbündete zu Zielen werden

Friendly fire gehört zu den tragischsten Risiken im Krieg – auch im Zeitalter modernster Technik. Vom Zweiten Weltkrieg bis heute zeigen Vorfälle, wie schnell Freund und Feind verwechselt werden können.

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«Ich hab’ meinen Kameraden erschossen», schreit im Film Stalingrad der völlig aufgelöste Soldat GeGe Müller. In der Szene leert er im Nahkampf sein Magazin und trifft versehentlich einen Infanteristen aus den eigenen Reihen. Das Weltkriegsdrama aus dem Jahr 1993 zeigt eindrücklich, wie schnell im Gefecht die Grenzen zwischen Freund und Feind verschwimmen.

Doch die Gefahr von Eigenbeschuss besteht nicht nur in den Trümmern zerstörter Städte oder Schützengräben. Auch in der Luft bleibt die Freund-Feind-Erkennung trotz moderner Technik eine ständige Herausforderung.

Vom Handwurf zur Präzisionsbombe

Im Ersten Weltkrieg wurden Bomben häufig noch per Hand aus Flugzeugen geworfen. Ob sich in den Schützengräben tatsächlich noch der Gegner befand oder bereits eigene Truppen – das wusste oft niemand. Aufklärung war rar, Fehlwürfe kamen auf beiden Seiten vor.

Auch im Zweiten Weltkrieg blieb das Problem bestehen. Einen besonders schweren Vorfall erlebte die US-Armee nach der Landung in der Normandie. Bei der Operation Cobra am 25. Juli 1944 gerieten amerikanische Soldaten bei Saint-Lô unter einen Bombenteppich eigener Boeing B-17. Die Besatzungen der Bomber hatten ihre Bomben zu früh ausgelöst. Rund 600 US-Soldaten starben.

Ein Trick zum Selbstschutz in Konstanz

Die Bevölkerung der deutschen Grenzstadt Konstanz griff zu einer ungewöhnlichen Methode: Während der nächtlichen Luftangriffe ließ man die Lichter an, damit alliierte Bomber die Grenze zur neutralen Schweiz nicht eindeutig erkennen konnten – und die Stadt verschonten.

Dennoch traf es die Schweiz mehrfach. Am 1. April 1944 bombardierten amerikanische Flugzeuge Schaffhausen, wobei 40 Menschen starben. Und am 4. März 1945 griffen Consolidated B-24 Liberator irrtümlich Zürich an; fünf Menschen kamen ums Leben.

Fehler passieren auch am Boden

Auch moderne Armeen sind vor solchen Vorfällen nicht gefeit. Im Jom-Kippur-Krieg von 1973 schoss die israelische Luftabwehr mit Hawk-Raketen mehrere eigene McDonnell Douglas F-4 Phantom II und Douglas A-4 Skyhawk ab. Aber auch vereinzelte ägyptische Mig fielen der eigenen, am westlichen Suezkanal stationierten Sam-6-Luftabwehrrakete aus sowjetischer Produktion zum Opfer.

Selbst in Friedenszeiten kommt es zu tragischen Verwechslungen. Der damalige US-Vizepräsident Dick Cheney schoss 2006 bei einem Jagdausflug versehentlich auf einen Begleiter, den er für eine Wachtel hielt. Der 78-jährige Harry Whittington überlebte, politisch sorgte der Vorfall jedoch für erheblichen Schaden.

Immer wieder Fälle von Friendly Fire

Auch die Royal Air Force geriet in Afghanistan in die Kritik, als am 23. August 2007 britische Kampfflugzeuge mehrere US-Soldaten verwundeten, die gerade gegen Taliban-Einheiten kämpften. Und am 27. Februar 2019, während erhöhter Spannungen mit Pakistan, wurde ein Mi‑17V5‑Transporthubschrauber der Indian Air Force von einer eigenen Luftabwehrrakete des Spyder-Systems abgeschossen.

Die Maschine wurde irrtümlich als feindliches Ziel identifiziert und getroffen, bevor sie zehn Minuten nach dem Start abstürzte. Sechs indische Luftwaffenangehörige an Bord sowie ein Zivilist am Boden kamen dabei ums Leben. Eine Untersuchung der IAF stellte klar, dass es sich um einen Friendly‑Fire‑Fall handelte.

Mit Technik gegen den Irrtum

Das Thema ist so sensibel, dass für den Film Black Hawk Down eine Szene gestrichen wurde, in der US-Ranger versehentlich auf eigene Kameraden schießen. Das Pentagon verlangte die Änderung – ohne dessen Unterstützung wäre der Film kaum realisierbar gewesen.

In Frontberichten werden Abstürze eigener Flugzeuge manchmal als Friendly Fire dargestellt, selbst wenn feindlicher Beschuss die Ursache war. Militärs vermeiden so, dem Gegner Hinweise auf erfolgreiche Treffer zu liefern – Täuschung gehört seit jeher zur Kriegsführung. Ganz verhindern lässt sich Eigenbeschuss dennoch nicht. Moderne Streitkräfte versuchen, das Risiko jedoch mit Technik und Verfahren zu reduzieren.

Elektronische Freund-Feind-Kennung IFF

Eine zentrale Rolle spielt die elektronische Freund-Feind-Kennung IFF. Flugzeuge senden verschlüsselte Signale aus, die von Radar- oder Flugabwehrsystemen erkannt werden. Antwortet ein Ziel korrekt, gilt es als eigenes Luftfahrzeug.

Zusätzlich schaffen digitale Gefechtsführungssysteme ein gemeinsames Lagebild. Über Datenlinks werden Positionen von Flugzeugen, Schiffen und Bodentruppen in Echtzeit ausgetauscht. Bei Luftangriffen nahe eigener Truppen koordinieren speziell ausgebildete Joint Terminal Attack Controller am Boden den Einsatz. Sie bestätigen Zielkoordinaten, markieren Ziele mit Lasern und geben erst danach die Freigabe zum Angriff.

Die wichtige Abkürzung T.O.T.

Präzisionsgelenkte Munition wie JDAM reduziert zudem das Risiko von Fehlwürfen. Ergänzt wird dies durch strenge Einsatzverfahren, detaillierte Karten mit sogenannten No-Strike-Areas sowie intensive Ausbildung und Simulationen.

Eine gewisse Ironie steckt dabei in einer Abkürzung, die Kampfpiloten strikt einhalten müssen: T.O.T. – Time over Target. Sie bezeichnet den exakt festgelegten Zeitpunkt eines Angriffs, damit Waffen tatsächlich den Gegner treffen und nicht die eigenen Truppen.

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