Enata-Kampfdrohne vom Typ Tainos, Made in UAE

Vereinigte Arabische Emirate1000-Dollar-Drohnen statt Milliardenimporte: Der Golf rüstet sich selbst auf

Der Iran-Krieg hat gezeigt, wie gefährlich günstige Drohnen werden können. Die Vereinigten Arabischen Emirate reagieren darauf mit dem Aufbau einer eigenen Verteidigungsindustrie – und exportieren erste Systeme bereits ins Ausland.

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Luftfahrt

Gerade hat Embraer den Vereinigten Arabischen Emiraten bis zu 20 Militärtransporter verkauft. Mit den C-390 will der Golfstaat seine operativen Lufttransportfähigkeiten aufpeppen, wie auch seine gesamten Streitkräfte. Im Iran-Krieg schossen die Mullahs 537 ballistische Raketen, 26 Marschflugkörper und 2256 Drohnen auf ihn - obwohl er selbst keine Angriffe auf den Iran flog.

Doch die Scheichs wollen sich nicht für ewig auf Waffen- und Munitionsimporte aus Übersee verlassen. Die Vereinigten Arabischen Emirate bauen deshalb selbst eine Rüstungsindustrie auf. Teil davon ist Enata. Das 2016 von Olivier Nicolas gegründete Unternehmen produziert auch für das Verteidigungsministerium in Abu Dhabi. «Die Tainos-Drohne wurde gegen die Shahed-Bedrohung aus dem Iran eingesetzt. Eine weitere Innovation ist die kleinere Abwehrdrohne K1, die nur vom Boden startet, während die B2 sowohl vom Boden als auch von einem Trägersystem aus eingesetzt werden kann», sagt der Gründer im Gespräch mit aeroTELEGRAPH.

«Wir können alles, außer Nvidia-Chips»

Diese Flugkörper und die ISR-Technologie (Intelligence, Surveillance and Reconnaissance – Aufklärung, Überwachung und Nachrichtengewinnung) produziert Enata in Abu Dhabi und in Sharjah, «bis auf die KI-Hardware, denn wir nutzen Chips von Nvidia», gab Nicolas offen zu. Wir decken ansonsten die gesamte Wertschöpfungskette ab: von der Flugzeugzelle über Triebwerke, Flugsteuerung und Treibstoffsysteme bis hin zum Fahrwerk inklusive Bremsen, Rädern und Reifen, Flugsteuerungs- und Autopilotsysteme.»

Olivier Nicolas: «Wir decken nahezu die gesamte Wertschöpfungskette ab.»

«Die Golfstaaten gehören weltweit zu den größten Rüstungskäufern – sowohl absolut als auch relativ zur Wirtschaftsleistung. Saudi-Arabien ließ sich laut dem Forschungsinstitut Sipri 2025 insbesondere den Kauf von Panzern, Kampfjets und Raketen 83,2 Milliarden Dollar oder 6,5 Prozent seiner Wirtschaftsleistung kosten (zum Vergleich: Deutschland: 2,3 Prozent).

Vom Einkäufer zum Verkäufer

Sogar ins Ausland exportiert die 100 Mitarbeitende starke Enata bereits. Wohin, will der französische Unternehmer nicht sagen. Besonders stolz ist er auf Genysis: «Dies ist ein Aufklärungssystem mit sogenanntem Infinity-Wing-Design. Die Tragfläche ist in sich geschlossen, wodurch aerodynamische Schwachstellen an den Flügelspitzen vermieden und der Luftwiderstand reduziert werden. Dieses System ist so kompakt, dass es von einer einzelnen Person im Rucksack transportiert werden kann», so der Enata-Gründer.

Autonomie und Mobilität werden auf dem Schlachtfeld der Zukunft immer wichtiger. Dies hat der Iran-Konflikt gezeigt, wo 1000-Dollar-Drohnen einem 100-Millionen-Dollar-Kampfflugzeug gefährlich werden können.

Schritte zur Teilautonomie

Nicht nur die Vereinigten Arabischen Emirate, auch in den Nachbarstaaten gedeiht der Drang zur Eigenproduktion. In Saudi-Arabien bringt die United Defense Company gleichfalls Spionage- und Kampfdrohnen auf den Markt. Das Forschungszentrum Prinz Sultan in Riyadh verfeinert derweil die Technologie der Drohnen. Die Barzan Holding in Katar arbeitete mit den Arabischen Emirate und der Türkei in der militärischen Drohnentechnologie zusammen.

Fazit: Bis zum ersten Kampfjet Made in Arabia dürfte es noch dauern. Doch in der asymmetrischen Kriegsführung sind am Golf die ersten Stechschritte in Richtung Eigenständigkeit getan. Die weiterhin hohen Erdölpreise bei über 100 Dollar pro Fass füllen die Verteidigungsbudgets derweil weiter auf. Davon profitieren auch westliche Konzerne wie Airbus, Boeing, Lockheed oder Raytheon, die in den Golfstaaten mit eigenen Fabriken Kampfjetkomponenten, Raketen und Dual-Use-Güter vor Ort erzeugen.

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