Die Höhe der Flughafengebühren hat deutlich weniger Einfluss auf Flugticketpreise als die Wettbewerbssituation zwischen Fluggesellschaften und die verfügbaren Flughafenkapazitäten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Beratungsunternehmens Oxera im Auftrag des europäischen Flughafenverbands ACI Europe.
Für die Untersuchung mit dem Titel «What Really Drives Air Fares» wurden mehr als 62.000 Datenpunkte zu knapp 6000 europäischen Flugstrecken ausgewertet. Demnach führt ein Anstieg der Flughafengebühren um zehn Prozent rechnerisch lediglich zu einem Anstieg der Ticketpreise um 0,35 Prozent. Steigt dagegen die Auslastung der Flughafenkapazitäten um zehn Prozent, erhöhen sich die Flugpreise um 0,93 Prozent. Eine um zehn Prozent höhere Konzentration des Airline-Angebots auf wenige Anbieter geht mit einem Preisanstieg von 1,06 Prozent einher.
Besonders deutlich zeigt sich der Einfluss des Wettbewerbs beim Markteintritt oder Rückzug einer Fluggesellschaft. Nimmt eine zusätzliche Airline eine Strecke auf, liegen die Ticketpreise laut Studie im Durchschnitt um 6,7 Prozent niedriger. Zieht sich dagegen ein Anbieter zurück, steigen sie um durchschnittlich 9,7 Prozent.
Auch Kapazitätsengpässe an Flughäfen wirken sich auf die Ticketpreise aus. Airlines können auf stark nachgefragten Flughäfen höhere Preise verlangen, weil Start- und Landemöglichkeiten knapp sind. Die daraus entstehenden zusätzlichen Einnahmen schätzt Oxera europaweit auf jährlich 6,4 Milliarden Euro. Das entspricht durchschnittlich 13,54 Euro je einfachem Flugticket an überlasteten Flughäfen.
ACI-Europe-Generaldirektor Olivier Jankovec sieht darin einen Beleg dafür, dass niedrigere Flughafengebühren nicht zwangsläufig an die Passagiere weitergegeben werden. Zwar beeinflussten die Gebühren die Entscheidung von Airlines, welche Flughäfen sie bedienen. Ein direkter Zusammenhang zwischen sinkenden Gebühren und günstigeren Flugtickets lasse sich jedoch nicht nachweisen.