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Seit 30 Jahren Airline-Killer

Am 27. September 1981 fuhr der erste französische Hochgeschwindigkeitszug. Seither piesackt der TGV die Luftfahrtbranche.

Sebastian Terfloth/Wikimedia/CC

TGV-Zug im Pariser Gare de Lyon: Auf regionalen Strecken bevorzugt.

Die Reise vom Stadtzentrum in Paris nach Frankfurt Mitte dauert vier Stunden: Einchecken, lästige Sicherheitschecks, die lange Hin- und Rückfahrt zum Flughafen – all das ist nicht nötig. Und Tickets gibt es ab Sparpreisen um die 30 Euro. Selbst mit einem Normalpreis von 100 bis 200 Euro ist er noch konkurrenzfähig. Kein Wunder, dass es der Train à Grande Vitesse (TGV) der französischen Luftfahrtindustrie schwer macht. Inzwischen seit 30 Jahren: Am 27. September 1981 raste erstmals ein Hochgeschwindigkeitszug über Frankreichs Schienen – von Paris nach Lyon.

Dass es für die französische Luftfahrt nicht einfach wird, war schon bei der Einführung des TGV absehbar. Als die Reise von Paris nach Lyon plötzlich auch mit dem Zug in unter drei Stunden möglich war, änderten viele Franzosen ihre Reisegewohnheiten. Die neuen Zügen der Staatsbahnen SNCF rasten mit 270 Kilometer pro Stunde durch das Land, boten mehr Beinfreiheit und Komfort. Der Inlandsflugverkehr litt in der Folge stark. Inzwischen schaffen die Züge um die 320 Kilometer pro Stunde. Und dadurch verschärfte sich die Konkurrenz gleich nochmals. Der Umkreis, in dem der TGV Vorteile gegenüber dem Luftverkehr hat, erhöhte sich seit 1981 von 500 auf etwa 800 Kilometer, wie eine Studie der Technischen Universität Paris ergab.

Auch internationale Konkurrenz

Damals waren hauptsächlich Inlandstrecken von der neuen Konkurrenz betroffen. Inzwischen sind zunehmend auch internationale Routen durch den TGV oder andere Hochgeschwindigkeitszüge bedroht, etwa durch die neue Verbindung von Paris nach Frankfurt. Was zählt, ist die Bruttoreisezeit: Also die Zeit, welche der Reisende von Abfahrts- zu Zielort benötigt. Und genau hier schneidet der Zug oft gut gegenüber dem Flieger ab. Aus einer Untersuchung der französischen Luftfahrtbehörde geht hervor, dass das Passagierwachstum an den Regionalflughäfen des Landes um etwa 20 Prozentpunkte seit 1981 tiefer ausfällt als an den internationalen Flughäfen Frankreichs. Gerade Geschäftsreisende scheinen den geringeren Aufwand und Zeitaufwand des TGV zu schätzen. Ihr Anteil auf Regionalflügen in Frankreich hat sich seit Mitte der Siebzigerjahre von fast 60 auf rund 40 Prozent verringert.

Der TGV hält auf den Inlandstrecken mittlerweile einen Marktanteil von rund 80 Prozent. Mit zunehmender Entfernung verringert er sich aber. Bei einer Fahrtzeit von etwa zwei Stunden ist er mit 86 Prozent laut der Technischen Universität Paris am größten, bei drei Stunden sind es immerhin noch 65 Prozent – das beträfe etwa die Strecke von Paris nach London. Und bei vier Stunden Fahrtzeit sind es immer noch 45 Prozent Marktanteil für die Bahn. Das ist für die Fluggesellschaften schmerzhaft. Air France verliert etwa allein auf der Strecke des TGV-Ost zwischen Paris und Straßburg jährlich etwa 500’000 Passagiere.

Kostenvorteile

Und auch was die Kosten anbetrifft haben die Betreiber einen Vorteil: Sicherheitschecks und andere langwierige Verfahren, die inzwischen obligatorischer Bestandteil bei Flugreisen sind, kosten Airlines und Flughafenbetreiber einiges an Geld. An Bahnhöfen und beim Schienenverkehr fallen diese Kosten nur begrenzt an. Ein Opfer dieser Entwicklung war die Fluggesellschaft Air Inter. Sie bediente bis zum Start der Schnellzüge die Inlands- und Regionalstrecken in Frankreich und hatte quasi das Monopol für diese Strecken. In der Folge der zunehmenden Konkurrenz wurde sie 1990 Teil der Air-France-Gruppe, dann zur Air France Europe und 1997 dann vollends aufgelöst.



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