Letzte Aktualisierung: um 14:18 Uhr
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Polen will Regierungsjets loswerden

Warschau zieht Konsequenzen aus der Flugzeugkatastrophe von Smolensk - und löst gleich eine ganze Luftfahrteinheit auf.

Dmitry Karpezo/Wikimedia/CC

Die verbleibende Tu-154 der Regierung soll jetzt verkauf werden.

Polen macht Ernst und überholt seine Luftwaffe. Die Spezialeinheit 36, zuständig unter anderem für den Transport von Regierungsangestellten, gibt es ab sofort nicht mehr. Im April 2010 war eine Tupolew Tu-154 mit 96 Passagieren an Bord beim Landeanflug auf die russische Stadt Smolensk abgestürzt. Alle 96 Menschen an Bord kamen dabei ums Leben – darunter auch Präsident Lech Kaczynski und seine Frau und viele hochrangige Offizielle.

Ein in der vergangenen Woche veröffentlichter Bericht des polnischen Verteidigungsministeriums hatte ergeben, dass auch die schlechte Ausbildung der Piloten des Regierungsjets zum Unfall geführt hat. Premierminister Donald Tusk löste in der Folge das gesamte 36. Luftfahrt-Spezialregiment auf. Die Einheit war seit 1945 für den Transport von wichtigen Persönlichkeiten der Politik zuständig – jetzt ist sie Geschichte.

Zusammenarbeit mit LOT geplant

Den Transport der VIP’s übernehmen demnächst zwei Jets der nationalen Airline LOT. «Der Ruf des Militärs und der Luftwaffe ist eng mit Polens Ansehen verknüpft», begründete Tusk die Entscheidung. Dieses müsse man nun wieder herstellen. 13 Offiziere, darunter drei Generäle, werden daher gefeuert.

Aber nicht nur Personal, auch Flugzeuge der Luftwaffe müssen als Folge des Berichts jetzt offenbar dran glauben. Was genau mit den 23 Fliegern der Einheit geschieht, steht noch nicht fest, nur das Schicksal der russischen Typen steht fest: Die verbleibende Tupolew Tu-154 und zwei Yakovlew Yak-40-Flieger will die Regierung jetzt verkaufen. Das gab der neue Verteidigungsminister des Landes, Czeslaw Mroczek, bekannt. Auch sein Vorgänger war nach der Veröffentlichung des Berichts von Donald Tusk seines Amtes enthoben worden.

Es scheint kein gutes Jahr für russische Flugzeugtypen: In den vergangenen Wochen hatte der Kreml bereits zwei Fliegern nach tödlichen Unfällen ein Flugverbot erteilt: Der Antonov AN-24 und der Tu-134 (aeroTELEGRAPH berichtete).



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