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Leonardo AW 609

Kipprotor kommt in die zivile Luftfahrt

Halb Flugzeug, halb Hubschrauber. Mit dem Anlauf der Serienproduktion der AW609 können bald auch Passagiere in Luftfahrzeugen mit Kipprotor fliegen.

Kipprotor-Wandelflugzeug: Die offizielle Bezeichnung ist ziemlich holprig und wenig attraktiv. Doch Luftfahrzeuge, die auf diesen Namen hören, sind technisch raffiniert. Sie vereinen die Vorteile von Hubschrauber und Flugzeug. Sind die Rotorblätter nach oben gestellt, kann es senkrecht starten oder landen. Sind sie nach vorne gekippt, fliegt es so schnell und weit wie ein Flieger.

Neu ist die Idee des Kipprotor-Wandelflugzeuges nicht. Einfach umsetzbar aber auch nicht. Das Konzept fand nach langer Entwicklungszeit und schweren Rückschlägen bisher nur in der Militärluftfahrt Einzug. Dies ändert sich jetzt. Der italienische Luftfahrt-Konzern Leonardo schickt nach langer Erprobung nun seinen AW 609 in die Serienproduktion.

Höher, schneller, weiter

Bereits vergangene Woche (15. April) startete die Fertigung, verriet der Hersteller dem Nachrichtensender CNN. Gegen Ende diesen Jahres soll dann auch die Zulassung durch die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA folgen. Wird der Zeitplan eingehalten, will Leonardo den ersten AW 609 im nächsten Jahr an den ersten Kunden übergeben.

Der Helikopter-Dienstleister Era Group aus dem Bundesstaat Texas in den USA wird Erstbetreiber der AW 609. Weitere Kunden des neuen Kipprotor-Wandelflugzeuges sind die Vereinigten Arabischen Emirate, welche es in der Such- und Rettungsrolle einsetzen wollen sowie ein japanisches Luftfahrtunternehmen, das das gleiche plant.

Geschäftsreisende, Organtransport, Rettungsmissionen

Neun Passagiere und zwei Besatzungsmitglieder können mit der AW 609 etwas mehr als 1400 Kilometer weit fliegen. Die Reisegeschwindigkeit soll dabei 510 Kilometer pro Stunde betragen. Da die Kabine unter Druck steht, ist zudem eine Flughöhe von ungefähr 7600 Metern möglich.

Besonders für Geschäftsreisende mit wenig Zeit, den eiligen Transport von Organen oder Such- und Rettungsmissionen soll sich das Luftfahrzeug anbieten. Doch die Geschwindigkeit kostet. Mit einem Stückpreis von rund 25 Millionen Dollar ist der AW 609 ungefähr doppelt so teuer wie die meisten VIP-Helikopter.

Schon lange in der Entwicklung

Die AW 609 wird bereits seit Ende der Neunzigerjahre entwickelt. Eigentlich sollte das Fluggerät aus der Schmiede von Boeing Hubschrauber-Produzent Bell stammen. Beide entwickelten bereits seit den Achtzigerjahren mit der V-22 Osprey einen Militär-Transporter mit demselben Prinzip. Doch der Testbetrieb erwies sich als mühsam und wurde von mehreren tödlichen Abstürzen überschattet.

Boeing sagte dem zivilen Pendant der Osprey schnell wieder Adieu. Doch Bell konnte mit Leonardo, damals noch Augusta-Westland, einen neuen Partner für den AW 609 gewinnen. 2003 hob der erste Prototyp zum Jungfernflug ab. Seitdem kam das Programm jedoch nur mit Mühe voran. Bell plagten noch immer Probleme und weitere fatale Abstürze beim Schwesterprojekt Osprey. Da beide Luftfahrzeuge nah miteinander verwurzelt sind, musste auch der AW 609 immer wieder überarbeitet werden.

Schwierige Zulassung

Auch die Zertifizierung erweist sich bisher als schwierig. So muss Leonardo mit der AW 609 den Behörden zugleich Helikopter und Turboprop-Flugzeug in einem Vehikel gebündelt als lufttüchtig erweisen. Das ist komplizierter, als nur eine Art Transportmittel zertifizieren zu lassen.

In der oben stehenden Bildergalerie sehen Sie Aufnahmen der Leonardo AW 609.



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