Letzte Aktualisierung: um 19:46 Uhr
Partner von  

«Mit B787 noch nicht zufrieden»

Norwegian-Chef Bjorn Kjos im exklusiven Interview über den Ärger mit dem Dreamliner, den Ausbau in Deutschland und der Schweiz sowie neue Strecken.

Norwegian

Bjorn Kjos: «Volles Vertrauen in den Dreamliner.»

Ryanair-Chef Michael O‘Leary hat Ihre Langstreckenpläne damals mit «sind die Norweger verrückt?» kommentiert. Was antworten Sie ihm heute?
O’Leary ist ein netter Typ. Er macht sich einfach Sorgen, weil ich so viele Dreamliner kaufe (schmunzelt). Wir konzentrieren uns momentan auf unser Geschäft und haben nur Respekt für unsere Konkurrenten. Aber wir sehen auch: Unser Geschäftsmodell funktioniert in vielen anderen Ländern außerhalb von Skandinavien auch sehr gut.

Sie haben kürzlich angekündigt, eine neue Basis in Barcelona zu eröffnen und ab 2016 von dort auch Langstreckenflüge anzubieten. Könnten Sie sich dasselbe in Deutschland, Österreich oder der Schweiz vorstellen?
Jetzt gerade fokussieren wir uns auf unsere neuen Langstreckenrouten von London Gatwick aus. Aber: Natürlich wollen wir weiter expandieren und wir wollen in Zukunft noch weitere Dreamliner dafür kaufen.

Viele Billigfluggesellschaften scheitern daran, auf der Langstrecke erfolgreich zu sein. Wieso klappt es bei Ihnen so gut?
Es ist die Kostenkontrolle. Unsere neue Flotte ermöglicht uns das. Und da wir kontinuierlich neue Flieger erhalten, wachsen wir mit geringen Kosten. Einer der Hauptgründe für die niedrigen Ausgaben ist der Dreamliner. Er ist extrem effizient und ermöglicht uns große Ersparnisse.

Aber Sie hatten auch viele Probleme mit der Boeing 787…
Das stimmt. Bisher haben wir mehr technische Probleme gehabt als wir erwartet hatten, die Performance war überhaupt nicht zufriedenstellend. Aber wir befinden uns momentan in einem anhaltenden Dialog mit Boeing. Die Amerikaner haben nun die Dienstleistungen für unsere Flieger erhöht. Wir haben immer noch Vertrauen in den Flieger. Aber operativ sind wir noch lange nicht befriedigt.

Und wenn die Probleme weiter gehen?
Wie gesagt – bisher verlaufen die Gespräche konstruktiv. Wir konzentrieren uns erst einmal darauf, die technischen Probleme in den Griff zu bekommen.

Wäre ein anderer Flieger eine Option für Ihre Flotte? Vielleicht der A350?
Wir haben volles Vertrauen in den Dreamliner, er ist ein fantastischer Flieger. Wir haben uns damals für ihn entschieden, weil er das erste Langstreckenflugzeug der neuen Generation auf dem Markt war. Nun geht es darum die Passagiere pünktlich ans Ziel zu bringen.

In den ersten paar Monaten Ihres Langstreckenangebots gab es immer wieder harsche Kritik von Passagieren, die sich schlecht behandelt fühlten. Haben Sie etwas dagegen unternommen?
Mit unzufriedenen Passagieren können wir als Unternehmen nicht leben. Wir haben uns unsere Arbeitsabläufe ganz genau angesehen um zu schauen, wo wir uns verbessern können und um unzureichenden Service zu verbessern. Wir setzen dabei auch immer auf Feedback unserer Passagiere, damit wir besser werden können.

Wie sehen Ihre Wachstumspläne in den kommenden Jahren aus?
Wir werden in diesem und im kommenden Jahr vier Flieger bekommen und haben eine feste Order ausstehend. Im ersten Quartal 2016 kommen zwei weitere Boeing 787-9 dazu. Es sieht also nach einer Menge spannender neuer Routen aus…

Zum Beispiel?
Asien wird sehr wichtig werden, vor allem die Chinesen haben immer mehr Geld zur Verfügung. Der wichtigste Passagierstrom wird also von Asien nach Europa kommen. Viele meiner Traumziele liegen daher auch im asiatischen Raum.



Die Redaktion behält sich das Recht vor, Kommentare zu moderieren und zu kürzen. Kritische Diskussionen sind willkommen. Beschimpfungen oder Kommentare mit rassistischem, sexistischem, themenfremdem, rein politischem, beleidigendem oder rein polemischem Inhalt hingegen werden entfernt. Es besteht kein Recht auf Veröffentlichung. Über die Entscheide der Moderatoren wird keine Korrespondenz geführt.