Die Welt schaut derzeit auf die MV Hondius. Auf dem Expeditionskreuzfahrtschiff ist es zu einem Ausbruch des Hantavirus gekommen. Mittlerweile gibt es neun Verdachtsfälle, davon sechs bestätigt, drei Personen sind gestorben. Derzeit befindet sich das Schiff auf dem Weg zu den Kanarischen Inseln, wo die rund 150 noch an Bord befindlichen Personen unter strengen Sicherheitsvorkehrungen das Schiff verlassen und untersucht werden sollen.
Nach aktuellem Stand soll die Hondius am Sonntag Teneriffa erreichen. Bereits Mitte der Woche wurden bei einem Stopp vor den Kapverdischen Inseln drei Personen ausgeflogen: zwei infizierte Besatzungsmitglieder sowie eine deutsche Passagierin, die engen Kontakt zu einer der Verstorbenen hatte. Ganz reibungslos verlief die Aktion allerdings nicht. Eines der beiden Spezialflugzeuge musste auf Gran Canaria zwischenlanden. Marokko hatte die Überflug- und Tankgenehmigung verweigert.
Red Star Aviation hat Patienten nach Amsterdam geflogen
Zu allem Überfluss legte dann auch noch ein technischer Defekt an der medizinischen Stromversorgung an Bord den Flieger lahm. Ersatz musste her und brachte die Patienten schließlich in die Niederlande. Doch welche Airlines bieten medizinische Notfallflüge an und wie müssen die Maschinen für potenziell mit dem Hantavirus infizierte Personen ausgerüstet sein?
In diesem Fall brachte ein Learjet mit dem Kennzeichen TC-RSD zwei Patienten nach Amsterdam. Das Flugzeug gehört Red Star Aviation. Die Airline mit Sitz in Istanbul wurde 1989 gegründet und ist auf die medizinische Luftrettung spezialisiert. Die Flotte besteht aus fünf Bombardier Learjet 45 XR und fünf Challenger 605 für Ambulanzeinsätze sowie Helikoptern für Offshore-Transporte.
Herzstück ist die Isolationseinheit
Personen mit Verdacht auf das Hantavirus müssen aus mehreren Gründen mit spezialisierten Ambulanzflugzeugen transportiert werden. Weil das Virus unter Umständen zu schwerem Lungenversagen führen kann, benötigen die infizierten Personen Beatmung, Infusionen und permanente Überwachung. Diese Ausrüstung haben nur spezialisierte Ambulanzjets. Letztlich sind sie ähnlich ausgestattet wie eine fliegende Intensivstation.
Learjet von Red Star Aviation. So sieht eine Belegung für zwei Isolationspatienten aus. Red Star Aviation
Herzstück dieser Spezialflugzeuge ist die Isolationseinheit. Dabei kommen zwei verschiedene Isolationssysteme zum Einsatz. Der Epi Shuttle ist eine starre Acrylschale mit Unterdrucksystem und Hepa-Filtern, durch die das Pflegepersonal den Patienten über spezielle Handschuh-Ports versorgen kann, ohne die Einheit zu öffnen. Als leichtere Alternative gilt der israelische Iso Ark N-36, eine flexible Hülle für Patienten in stabilem Zustand. Die US-Gesundheitsbehörde empfiehlt ausdrücklich eine portable Isolationseinheit beim Transport von Patienten mit hochinfektiösen Erkrankungen.
Viele Anbieter in Europa
Neben dem Flugzeug sind für Ambulanzflüge auch das entsprechend ausgebildete Personal und die entsprechenden Geräte essenziell. Red Star Aviation betont, dass jede Crew standardmäßig aus mindestens einem Arzt und einer Pflegekraft besteht. Bei komplexen Fällen kann das Team entsprechend erweitert werden. Die Ärzte sind Spezialisten aus den Bereichen Notfallmedizin, Anästhesie und Intensivmedizin und müssen Zertifikate in Basis- und erweiterter Wiederbelebung vorweisen.
Red Star Aviation ist dabei nicht der einzige Anbieter, der solche Einsätze fliegt. In Europa gibt es eine Handvoll spezialisierter Unternehmen, die für den Transport hochinfektiöser Patienten gerüstet sind. Dazu zählen FAI Air Ambulance aus Nürnberg, Unicair sowie die DRF‑Luftrettung aus Deutschland, der ADAC Ambulance Service und die Schweizer Rettungsflugwacht Rega. Sie alle verfügen über entsprechend ausgerüstete Flotten und geschultes medizinisches Personal.
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