Letzte Aktualisierung: um 19:01 Uhr
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Neues Radar für sichere Rollfelder

Herumliegende Bauteile auf dem Rollfeld können zu schweren Unfällen führen. Eine neue Radar-Technik soll das nun verhindern.

Hansueli Krapf/Wikimedia/CC

Gerade bei schlechtem Wetter sind die Kontrollen der Landebahn ohne technische Hilfe schwierig.

Auch wenn das Flughafenpersonal aufmerksam und regelmäßig die Start- und Landebahn auf herumliegende Bauteile kontrolliert, die Flugzeuge etwa bei Start und Landung verliere – bisher machen sie das ohne jegliche technische Hilfe. Und manchmal übersieht man eben doch ein kleines Metallteil. Und das kann fatale Folgen haben.

Das Beispiel, was wohl den meisten noch in Erinnerung ist: Der Crash der Concorde im Jahr 2001. Der Überschalljet war beim Start über ein herumliegendes Metallteil gefahren. Der Reifen des Überschalljets platzte und die herumliegenden Trümmer beschädigten den Tank des Fliegers so sehr, dass er explodierte. 113 Menschen kamen bei dem tragischen Unfall ums Leben.

Bisher keine technische Hilfe

Bisher kontrolliert das Flughafenpersonal in Intervallen von etwa sechs Stunden die Rollfelder. Doch diese Methode ist fehleranfällig. Etwa, wenn bei schlechtem Wetter Nebel die Sicht erschwert. Außerdem ist der Zeitabstand zwischen den Kontrollen zu groß.

Forscher der Fraunhofer-Institute für Hochfrequenzphysik und Radartechnik und für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie arbeiten jetzt an einem System, das dieses Problem lösen soll. Mit der neuen Technik kann man wetterunabhängig die Rollfelder auf herumliegende Teile überprüfen – und das kontinuierlich. Bei Gefahr löst das System einen Alarm aus.

«Flughafen-Start- und Landebahnüberwachung durch multimodale, vernetzte Sensorik», nennt sich die Technologie. Radarsensoren und Kameras, die entlang der Rollbahn installiert sind scannen pausenlos die Pisten. So spüren sie selbst kleinste Gegenstände wie Schrauben auf. Fehlalarme soll es aber nicht geben, denn: Das System schlägt nur Alarm, wenn sich ein Objekt über einen längeren Zeitraum auf dem Rollfeld befindet. Eine herumwehende Plastiktüte oder ein Vogel, der sich kurz niederlässt, verursachen keine Warnung.

Sich ergänzende Sensoren

Das System besteht sich aus einer Infrarotkamera, optischen 2- und 3-D-Kameras und vernetzten Radarsensore. Diese haben die Forscher am FHR entwickelt. Die drei verschiedenen Sensoren sollen sich ergänzen. Der Radar arbeitet tageszeit- und wetterunabhängig. Es kann Objekte allerdings nur aufspüren, nicht identifizieren. Die Kameras dagegen klassifizieren die Gegenstände sind aber wetterfühliger als der Radar. Der Radarsensor findet also den Gegenstand, die Kameras schauen genau hin.

Eine spezielle Software kombiniert schließlich die Sensordaten und erstellt ein genaues Lagebild. Ändert sich der Normalzustand dieses Bildes, alarmiert das System den Tower. Zwar gibt es bereits ähnliche Radarentwicklungen. Diese erkennen jedoch, so das Fraunhoferinstitut, lediglich metallische Fremdkörper und lösen oft Fehlalarme aus. Da sie auf hohen Masten montiert sind, könnten sie außerdem bei einem Flugzeugunglück leicht beschädigt werden.

«Unser Radarsensor sendet mit einer Frequenz von 200 GHz, er erkennt sogar Fremdkörper, die nur ein bis zwei Zentimeter groß sind», sagt Helmut Essen, Leiter der Abteilung Millimeterwellenradar und Höchstfrequenzsensorik. Der Forscher ist überzeugt: «Mit unserer Technik hätte das Concorde-Unglück vermieden werden können.» Bereits diesen Herbst sollen laut dem Fraunhoferinstitut erste Tests mit einem Radarsensor und einer Kamera am Flughafen Köln-Bonn starten.



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