Embraer E175: Wird künftig auch in Indien gebaut.

Neue E175-ProduktionWarum Embraer in Indien keine E2-Jets bauen wird

Zusammen mit Partner Adani wird der brasilianische Flugzeugbauer ein Werk in Indien errichten. Dort werden aber keine E2-Jets gebaut, sondern E175. Eine Analyse zu den Gründen.

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Wenn ein Flugzeughersteller ein neues Werk eröffnet, tut er das üblicherweise für die Produktion von Flugzeugen der neuesten Generation. Anders macht es nun Embraer. Der brasilianische Hersteller wird zusammen mit dem indischen Konzern Adani Defence and Aerospace eine Endmontagelinie in Indien errichten - aber nicht, um dort E190-E2 oder E195-E2 zu bauen, oder endlich die Produktion der lange verschobenen E175-E2 zu starten.

Die neuen Partner werden in Indien die E175 der ersten Generation bauen, oft E175-E1 genannt. Auf Anfrage erklärte ein Embraer-Sprecher lediglich, die E175 sei ein bewährtes Modell, dass sich mit seinen bis zu 88 Sitzen hervorragend eigne, um Indiens unerschlossene Marktchancen in kleineren Städten zu erschließen. Auf die Frage, warum man sich nicht für eine E2-Produktion entschieden habe, ging der Sprecher nicht direkt ein.

Indien setzt auf Embraer E175 als «bewährtes» Modell

Jedoch deutet die Entscheidung darauf hin, dass in Indien die Nachfrage nach dem kleinsten aktuell gebauten Modell am größten ist - und die E175 wird noch nicht als E2-Variante produziert. Denn Embraer hat vor rund einem Jahr entschieden, die weitere Entwicklung der E175-E-2 frühestens 2029 wieder aufzunehmen. Hintergrund sind regulatorische Hürden im wichtigsten Markt, den USA. Dort begrenzen sogenannte «Scope Clauses» der großen Fluglinien das Abfluggewicht von Regionaljets, und die E175-E2 ist bisher zu schwer.

In der Mitteilung von Embraer und Adani zum Indien-Deal ist zudem mehrfach von der E175 als bewährtes («proven») Modell die Rede. Das dürfte zum einen darauf anspielen, dass die E175, die seit 2005 ausgeliefert wird, schon mehr als 1000 Bestellungen vorweisen kann: Ende 2025 waren es 1003, davon 813 bereits ausgeliefert sowie 190 offene Orders.

Embraer E175 hat keine Triebwerke von Pratt & Whitney

Die jüngeren E190-E2 (67 Orders, 33 ausgeliefert, 34 offen) und E195-E2 (401, 166, 235) halten da insgesamt nicht mit, auch wenn die E195-E2 den größten offenen Auftragsbestand hat. Und es gibt noch einen Punkt, in dem die E175 bewährter ist als die beiden größeren E2-Modelle: Sie wird angetrieben von zwei CF34-Triebwerken von General Electric. Bei der E2-Familie entschied sich Embraer dagegen für GTF-Triebwerke von Pratt & Whitney. Die E190- und E195-E2 fliegen mit PW1900G, für die E175-E2 ist das PW1700G vorgesehen.

Die GTF-Triebwerke leiden aber seit Jahren unter Problemen, technisch und auch durch mangelnde Wartungs- und Instandhaltungskapazitäten. Besonders betroffen sind Exemplare, die in heißen und staubigen Umgebungen fliegen - wie es in Indien nicht selten der Fall ist.

Wie Embraer die E175 modernisiert hat

Da es also noch keine E175-E2 gibt, die Embraer in Serien produzieren kann oder will, ist der brasilianische Flugzeugbauer bemüht, die E175-E1 technisch auf Stand zu halten. Zum ersten Mal überarbeitete der Hersteller das Flugzeug schon vor rund zwölf Jahren - mit dem Ziel, den Treibstoffverbrauch um 5 Prozent zu senken. Im März 2014 gab Embraer bekannt, sogar 6,4 Prozent durchschnittliche Treibstoffersparnis erreicht zu haben. Möglich wurde dies unter anderem durch neue Flügelspitzen und weitere aerodynamische Anpassungen.

2024 stellte Embraer dann Verbesserungen für alle ihre Modelle vor. Zur E175 erklärte das Unternehmen: «Die auf Anfrage erhältlichen Optimierungen konzentrieren sich auf die Kabine und das Passagiererlebnis sowie auf die Aktualisierung der Avionik, um sie an den Standard der E2 anzugleichen.» Die Verbesserungen: Mood Lightning, größere Gepäckfächer, Recaro-Sitze sowie eine modernere Avionik. «Datenübertragungslösungen und Wetterradar werden zudem auf den Stand der E2 gebracht», so Embraer. Das Wetterradar biete unter anderem Turbulenzerkennung und -warnung und vorausschauende Windscherungserkennung.

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