Künstliche Geruchssensoren: Erkennung von Sprengstoffen - oder Viren.

Tests noch in diesem JahrAirbus setzt auf elektronische Sprengstoff-Schnüffler

Mit Hilfe von Airbus entwickelt das US-Startup Koniku Geräte für Flugzeuge und Flughäfen, die Sprengstoffe am Geruch erkennen. Auch für den Kampf gegen Pandemien sehen die Entwickler Potenzial.

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In Sachen Gerüchen entgeht uns sehr viel. Etwa 25 Millionen Geruchszellen besitzt die Nase eines Menschen. Bei Hunden sind es ungefähr 250 Millionen. Geht es darum, Drogen, Sprengstoffe oder vermisste Personen aufzuspüren, setzen Sicherheitskräfte aus gutem Grund auf speziell trainierte Vierbeiner - auch auf Flughäfen.

Das amerikanische Startup Koniku arbeitet mit Unterstützung von Airbus an einer elektronischen Alternative zu den Spürhunden. Die Unternehmen entwickeln ein Gerät, das Sprengmittel ebenfalls am Geruch erkennen kann und auch im Flugzeug zum Einsatz kommen soll.

Wetware statt Hardware

Technisch ist so eine Geruchserkennung noch immer ein Novum. Bisherige Technologien erreichen nicht einmal ansatzweise menschliches Niveau. Anstelle mit Hard- und Software wollen die Entwickler von Koniku den Durchbruch mit sogenannter Wetware erreichen. Der Begriff leitet sich vom englischen Begriff wet ab (zu deutsch: Feucht) und lässt sich am besten als «nasse Rechner» beschreiben.

Klassische Computer leiten elektrische Impulse durch Halbleiter weiter. Wetware-Systeme tauschen Informationen hingegen wie bei Lebewesen mit bioelektrischen und chemischen Signalen aus, erklärt das Portal Heise. Im Gegensatz zur klassischen Bionik werden die natürlichen Komponenten nicht durch künstliche nachempfunden, sondern in die Technologie mit eingegliedert.

Computer lernen riechen

«Was wir tun, ist, dass wir biologische Zellen nehmen [...] und sie genetisch so verändern, dass sie Geruchsrezeptoren haben», erklärt Koniku-Gründer Oshiorenoya Agabi der Zeitung Financial Times. Die Geruchszellen werden dabei so umgemodelt, dass sie bei Erkennung bestimmter Gerüche ein Alarmsignal erzeugen.

Der Physiker gründete das Startup 2015. Seit 2017 arbeitet Airbus an dem Projekt mit. Der Flugzeugbauer stellt dazu Wissen aus dem Bereich Sensorintegration zur Verfügung, ebenso wie über Sicherheitsabläufe in der Luftfahrt.

Anpassung für Pandemien

Airbus plante zuerst, die Technologie in Flugzeugkabinen und auf Flughäfen zum Aufspüren von Chemikalien und Sprengstoffen einzusetzen. Dazu sollen die halbkugelförmigen Geräte mit dem Umfang einer Schallplatte in Kabinen und Terminals angebracht werden. Angesichts der Covid-19-Pandemie sehen Airbus und Koniku für die Technologie mittlerweile ein weiteres Aufgabenfeld.

In einer Mitteilung kündigte der Hersteller am Montag (4. Mai) an, dass bei der Entwicklung der Geruchsdetektoren fortan auch die «Erkennung biologischer Gefahren» mit einbezogen wird. Die Geräte sollen molekulare Strukturen erkennen, die Viren im Körpergeruch von erkrankten Personen erzeugen können. Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass diese Technologie noch vor Entwicklung eines Corona-Impfstoffes zur Marktreife gelangt.

Erste Tests noch dieses Jahr

Wann die Sprengstoffsensoren auf den Markt und in der Luftfahrt zum Einsatz kommen, ist bisher unklar. Laut Airbus sollen erste Tests im kommenden Herbst starten.

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