Ein Glas Sekt nach dem Start gehört für viele Reisende einfach dazu, selbst bei Airlines, die in mehrheitlich muslimischen Ländern beheimatet sind. Malaysia Airlines serviert seit Jahrzehnten Alkohol an Bord. Doch nun sorgt genau das für Ärger: Eine Gruppe einflussreicher konservativer Politiker fordert öffentlich, der Nationairline solle damit Schluss machen, wie die Zeitung The Telegraph berichtet.
Für Malaysia Airlines ist das kein Randthema. Die Fluglinie verbindet Kuala Lumpur zwei Mal täglich mit London-Heathrow und bietet darüber hinaus Umsteigeverbindungen nach Thailand, Indonesien oder Neuseeland an. Viele Gäste sind internationale Reisende – und auf dieses Publikum verweist auch Transportminister Anthony Loke. Ein Verbot, so argumentiert er, würde die Fluggesellschaft im Wettbewerb schwächen. Andere Parlamentarier warnen ebenfalls, Malaysia Airlines würde sofort Marktanteile verlieren.
Viele befürworten stärkere islamische Prägung
Dass das Thema überhaupt auf den Tisch gekommen ist, passt zu einer Entwicklung, die das Land seit einigen Jahren prägt. Studien zeigen, dass große Teile der muslimischen Bevölkerung - die rund 63 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmacht - eine stärkere islamische Prägung des Staates befürworten. Bei Wahlen gewinnen Parteien an Einfluss, die striktere Regeln zu Kleidung, Geschlechtertrennung oder öffentlichem Verhalten durchsetzen wollen. Immer wieder geraten auch Unternehmen oder Popkultur ins Visier konservativer Gruppen, bis hin zu Protesten oder politischem Druck.
Alkoholkonsum ist dabei ein Reizpunkt. Zwar dürfen ihn Nicht-Muslime weiterhin kaufen und trinken, doch einzelne Vorfälle, etwa eine Rüge des Premierministers wegen Alkohol bei einer Regierungsveranstaltung, zeigen, wie sensibel das Thema geworden ist.
Auswärtiges Amt rät zu «angemessener Kleidung»
Ob diese konservative Wende westliche Gäste abschreckt, ist umstritten. Veranstalter verweisen auf den multikulturellen Charakter Malaysias und darauf, dass Reisende mit deutlichen Hinweisen zu Kleidung und Verhalten gut vorbereitet seien. Auch das Auswärtige Amt rät lediglich zu «angemessener Kleidung», vor allem außerhalb der Städte.
Zumindest an Bord scheint sich kurzfristig wenig zu ändern. Der Transportminister stellte sich klar hinter die Malaysia Airlines und deren bisheriger Angebot. Ein Verbot sei unpraktikabel und wirtschaftlich schädlich. In einer Phase, in der Malaysia mehr britische und auch andere europäische Touristen anziehen möchte, will man keine zusätzliche Hürde schaffen.