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Air-Asia-Unglücksflug QZ8501

Flugkapitän verließ Sitz

Als der Airbus A320 von Air Asia abstürzte, saß der Kopilot am Steuer. Der Flugkapitän versuchte offenbar ein Computer-Problem zu lösen.

Indonesische Marine

Wrack von Flug QZ8501: Multiples Versagen.

Vor rund einem Monat stürzte Flug QZ8501 in die Javasee. Die Ermittler glauben inzwischen ein recht klares Bild davon zu haben, was an Bord des A320-200 von Air Asia an jenem Tag geschah. Eine Kombination von schwierigen Wetterverhältnissen, technischen Problemen und Fehlern der Crew könnte hinter dem Unglück stehen. Das legt zumindest das nahe, was man bisher öffentlich weiss.

Und das geschah gemäß den Aussagen der Ermittler am 28. Dezember 2014 am frühen Morgen:

05:35 Uhr: Der Airbus A320-200 von Air Asia verlässt den Yuanda International Airport im indonesischen Surabaya. An Bord befinden sich 162 Menschen.

06:12 Uhr: Die Piloten bitten die Flugaufsicht von 32.000 Fuß auf 38.000 Fuß (9750 auf 11.580 Meter) hochsteigen zu dürfen. Sie wollten so kräftigen Gewitterwolken ausweichen. Das wurde ihnen verweigert, da sich sieben andere Flugzeuge in der Nähe befanden. Die Jets von Air Asia, Garuda, Lion Air und Emirates flogen über der Air-Asia-Unglücksmaschine. Flug QZ8501 war mit 353 Knoten ungewöhnlich langsam unterwegs. Gemäß den Ermittlern befand sich das Flugzeug innerhalb der Toleranz für einen A320 und den Wetterverhältnissen.

06:14 Uhr: Der 46-jährige französische Kopilot steuerte das Flugzeug seit dem Start. Von der Flugaufsicht bekam er nun die Anweisung auf 34.000 Fuß zu steigen und sieben Meilen nach links auszuweichen. Vom Cockpit von QZ8501 kam aber keine Antwort mehr zurück.

Um 06:14 Uhr: Der A320 drehte nach links ab und begann zu wackeln. Er stieg innerhalb von 30 Sekunden von 32.000 Fuß auf 37.400 Fuß – also 1645 Meter. Das entspricht einer Steigrate von 55 Metern pro Sekunde. Der Kopilot saß weiterhin am Steuer. Im Cockpit erklang eine Warnung vor einem Strömungsabriss. Eine schrille Stimme sagt dann «Stall, stall, stall». Die Piloten haben in diesem Moment die Möglichkeit, das Flugzeug wieder unter die Kontrolle zu bringen. Offenbar gelang ihnen das nicht. Die Air-Asia-Maschine sackte schnell ab – auf 24.000 Fuß.

Um 06:14 Uhr: Der Flugkapitän ist nicht im Sitz. Gemäß den Nachrichtenagenturen Reuters und Bloomberg ist er offenbar aufgestanden, weil es Warnungen vor einer Fehlfunktion der Flugunterstützungscomputer (englischer Fachbegriff: Flight Augmentation Computer) gab. Zuerst versuchten die beiden diese Probleme noch nach üblichen Methoden – mit einem Restart – in den Griff zu kriegen. Doch das klappte nicht. Und so machte sich der Kapitän auf, die Sicherung der beiden Flugunterstützungscomputer zu unterbrechen. Er wollte damit wohl den Computer ganz ausschalten und ihn danach neu starten. Gemäß Experten sollte man das aber nie tun, weil im A320 viele Systeme direkt zusammenhängen. Eine Unterbrechung der Stromzufuhr sei deshalb gefährlich.

Nach 06:14 Uhr: Auf dem Radar war der A320 nun nicht mehr sichtbar. Der Kapitän war in seinen Sitz zurückgekehrt und hatte das Kommando übernommen. Doch er konnte die Situation nicht mehr unter Kontrolle bringen. Innerhalb von rund drei Minuten war er von seiner maximalen Höhe ins Meer gestürzt, so die Ermittler.

Obwohl die Ermittler davon sprechen, inzwischen ein «recht klares Bild» der Vorgänge zu haben, braucht es zuerst den Abschluss der Untersuchung. Bis dahin sind alle Erkenntnisse – auch wenn sie auf Fakten beruhen – noch immer nur Vermutungen.



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