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Eurostar greift Airlines an

Der Betreiber von Hochgeschwindigkeitszügen baut sein Netz aus. Mit neuen Strecken will er den Fluglinien Marktanteile abjagen.

Wikimedia/CC

Eurostar: Bedrohung für europäische Airlines.

Amsterdam, Frankfurt, Köln, Lyon, Marseille und Genf – alles Städte mit Flughäfen, alles Städte in die nun der europäische Schnellzug Eurostar neu fahren will. Für Fluggesellschaften, die auf denselben Routen operieren, dürfte das eine ziemliche Bedrohung darstellen. Diverse Studien haben gezeigt, dass gerade auf europäischen Mittelstrecken inzwischen Hochgeschwindigkeitszüge für viele Geschäfts- aber auch Freizeitreisende das Verkehrsmittel der Wahl sind. Ein Beispiel: Der französische TGV hält auf den Inlandstrecken mittlerweile einen Marktanteil von rund 80 Prozent. Eine holländische Studie zeigte auch für die Eurostar-Strecken: Pünktlichkeit und Bequemlichkeit sorgen bei vielen Reisenden dafür, dass sie lieber zum Zug- als zum Flugticket greifen. Keine langen Schlangen, weniger Ausfälle – der Eurostar punktet in vielen Kategorien.

Und auch was die Kosten anbetrifft haben die Zugbetreiber einen Vorteil: Sicherheitschecks und andere langwierige Verfahren, die inzwischen obligatorischer Bestandteil bei Flugreisen sind, kosten Airlines und Flughafenbetreiber einiges an Geld. An Bahnhöfen und beim Schienenverkehr fallen diese Kosten nur begrenzt an. Ein Beispiel dafür findet sich wieder in Frankreich: Opfer dieser Entwicklung war die Fluggesellschaft Air Inter. Sie bediente bis zum Start der Schnellzüge die Inlands- und Regionalstrecken in Frankreich und hatte quasi das Monopol für diese Strecken. In der Folge der zunehmenden Konkurrenz wurde sie 1990 Teil der Air-France-Gruppe, dann zur Air France Europe und 1997 dann vollends aufgelöst.

Zug lieber als Flug

Genau darauf zählt Eurostar-Chef Nicolas Petrovic: «2016 oder 2017 hoffen wir, dass Reisende, die es in diese Städte zieht, sich für den Zug und nicht für das Flugzeug entscheiden», so der Manager gegenüber der Financial Times. Bei den Reisen zwischen London, Brüssel und Paris hat der Zug das seit der Einführung 1994 schon geschafft. Mit 9,7 Millionen Passagieren hat der Zug es auf einen Marktanteil von 80 Prozent erreicht. Für Airlines und den Eurostar gleichermaßen unwillkommen dürfte der Eintritt der Deutschen Bahn in den Markt sein. Die darf ab 2015 den Tunnel zwischen Großbritannien und dem Kontinent nutzen.

Aber solange man einen gemeinsamen Feind habe, sei die Sache eigentlich einfach: «Der Schlüssel ist, den Airlines Marktanteil wegzunehmen», so Petrovic. Das werde umso einfacher, je mehr Schnellzug-Anbieter auf den Strecken einspringen. Der ultimative Plan: Ein neues Drehkreuz für intereuropäische Strecken. Der wahrscheinlichste Kandidat dafür scheint momentan Brüssel zu sein. Eurostar gehört zu 55 Prozent dem französischen Staatsunternehmen SNCF, zu fünf Prozent dem belgischen SCBC und zu 40 Prozent der britischen Regierung.



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