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Immer leichter

Die große Diät der Economy-Sitze

Airlines, die leichter fliegen, sparen Treibstoff. Doch wie leicht kann ein Economy-Sitz sein? Die Hersteller überbieten sich gegenseitig.

Treibstoff kostet Fluggesellschaften viel Geld. So sind sie stets bemüht, Gewicht und somit Kerosin zu sparen. Das haben auch die Sitzhersteller erkannt und drücken das Gewicht ihrer Produkte, besonders in der Economy Class. So schreibt etwa der Branchenriese Recaro zu seinem leichtesten Modell: «Im Vergleich zu seinem Vorgänger konnte das Gewicht des neuen SL3710 noch einmal um ein Kilogramm gesenkt werden.»

Der Sitz bringt es auf nur noch 8 Kilogramm – so viel, wie das Handgepäck bei manchem Flug maximal wiegen darf. «So können im Durchschnitt jedes Jahr pro Flugzeug mehrere Tausend Euro Treibstoffkosten eingespart werden», wirbt Recaro. Beim Konkurrenten ZIM Flugsitz wiegt der leichteste Sitz 8,9 Kilo. Doch kleinere Hersteller haben es sich zur Aufgabe gemacht, all das noch einmal deutlich zu unterbieten.

Ultraleicht-Modelle fliegen schon

Den Rekord hält zurzeit wohl die französische Firma Expliseat. Sie bietet zwei Modelle an. Der E1 wiegt nur vier Kilo und ist etwa in ATR 72-600 von Air Caraïbes im Einsatz. Der E2 bringt minimal fünf Kilo auf die Waage. Die indische Spicejet will ihn in Boeing 737 und Bombardier Q400 einsetzen. Zudem arbeitet Expliseat daran, dass der Sitz künftig im Airbus-Katalog zur Auswahl steht. Doch wie ist es möglich, das Gewicht zu senken?

Im Gespräch mit aeroTELEGRAPH erklärte Expliseat-Chef Benjamin Saada: «Der Sitz besteht aus weniger als 50 Teilen.» Diese bestünden aus Titan und Kohlefasern. So sei der Sitz zugleich leichter und haltbarer als Konkurrenzprodukte, ohne das der Komfort leide, verspricht Saada. Bei einer neuen Variante des E2 – die allerdings sechs Kilo wiegt – lässt sich nun auch die Rücklehne verstellen, was bei Expliseat bisher nicht möglich war.

Leichter Sitz mit Extra-Features

Ein anderes Leichtgewicht, das allerdings noch nicht fliegt, ist das Konzept Joy von Rebel Aero. «Er besteht aus etwas mehr als 40 Teilen», so Chef Gareth Burks über den Sitz. Als Materialien nutzt die Firma Aluminium und gepressten glasfaserverstärkten Kunststoff. Das sei etwas schwerer als Titan und Kohlefaser, dafür aber billiger, so Burks. Rebel Aero sucht einen Partner, um den sechs Kilo schweren Sitz Wirklichkeit werden zu lassen.

Der Joy-Sitz hat dabei zwei Besonderheiten: In einer Dreierreihe ist der mittlere Sitz leicht weiter vorne positioniert als die anderen beiden. Durch die kleine Verschiebung lassen sich die Armlehnen viel besser mit dem Sitznachbarn gemeinsam nutzen, ohne sich in die Quere zu kommen. Zudem sind die Sitzflächen jeweils in der Mitte hochklappbar. So können Passagier, die nicht am Gang sitzen, die Reihe leichter verlassen, zum Beispiel, wenn sie aufs WC müssen.

Die Vier-Kilo-Grenzen soll fallen

Derweil hat Mirus Aircraft Seating sich unter dem Namen R Works Vision 2030 vorgenommen, das Gewicht noch weiter nach unten zu drücken. Das Konzept ist ein stylischer schwarzer Sitz aus Kohlefasern, der die Grenzen verschieben soll, «von dem, was möglich ist im Economy-Sitz-Markt», kündigt Mirus an. Geplant ist ein Sitz aus nur acht Teilen, der lediglich 3,8 Kilo wiegt.



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