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China will keine Lowcost-Airlines

Asien ist eigentlich die Boomregion für Budget-Airlines. Nur China ist noch ziemlich unerschlossen. Es gibt durchaus gute Gründe dafür.

Hong Kong Airport

Flughafen Hong Kong: Hier soll der Nächste Low-Cost-Versuch starten.

In den asiatischen Staaten expandieren die Billig-Airlines kräftig. Bestehende wie Air Asia, Jetstar oder Tiger erweitern Flotten und Streckennetz. Die Nachfrage scheint ungebrochen, regelmäßig stoßen neue Anbieter dazu, wie etwa zuletzt Scoot aus Singapur oder Peach Aviation aus Japan. Die meisten dieser Fluggesellschaften mit Sitz in Malaysia, Singapur oder Indonesien bieten Routen von ihren Hubs nach China an. Aber nicht überall scheinen die Anbieter willkommen. Ausgeschlossen vom Wachstum der Lowcost-Fluglinien ist bisher der chinesische Inlandverkehr.

Nach wie vor operiert auf diesen Strecken keine echte Billigairline. Spring Airlines aus Shanghai wirbt zwar damit, die einzige Billigairline in China zu sein. Die Preise dieser Fluggesellschaft orientieren sich allerdings eher am Geschäftsmodell der traditionellen Airlines. Die Inland-Flugverbindungen werden hauptsächlich durch die drei staatlichen Gesellschaften Air China, China Eastern und China Southern gewährleistet. «Der Heimmarkt in China ist diesbezüglich nach wie vor eine Festung», sagte Aviatikexperte Xiaowen Fu anlässlich einer Konferenz in Macau.

Kollaps befürchtet

Ein Heimmarkt, dessen Größe es in sich hat. Gemäss Daten der zivilen chinesischen Flugbehörde CAA (Civil Aviation Authority of China) zählte das Land im vergangenen Jahr 264 Millionen Passagiere auf den Inland-Routen. Bis 2030 soll diese Zahl auf über 1,2 Milliarden Passagiere ansteigen. Das hier trotzdem noch kein Lowcost-Carrier angebissen hat, liegt an den Restriktionen. In China muss jede Flugroute, jeder Ticketpreis und jede Anschaffung eines Flugzeuges von der zuständigen Stelle der Regierung genehmigt werden. Im Juli machte die CAA Andeutungen, dass gewisse Preisvorgaben zugunsten von Billigairlines fallen werden. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur AP will CAA-Direktor Li Jiaxiang davon nun nichts mehr wissen.

Diese Restriktionen gelten für alle Fluggesellschaften, auch die staatseigenen. Damit will die Regierung uneingeschränktes Wachstum verhindern – wie etwa in den Jahren 2003 und 2004, als der Flugverkehr um 40 Prozent wuchs und damit die Kapazitäten und die Infrastruktur überbeanspruchte. Experten wie Mario Hardy von UBM Aviation sehen darin den Grund für die engen Vorschriften: «Der Markt im Inland wächst bereits mit den herkömmlichen Ticketpreisen jährlich um 16 Prozent. Stellen Sie sich vor, was passieren würde, wenn plötzlich Ticketpreise durch Air Asia oder Spring halbiert würden. Wieviele zusätzliche Passagiere würden dazukommen? Es wäre das reinste Chaos».

Ein erster Versuch

Hardy und weitere Experten gehen davon aus, dass die chinesische Regierung mit dem Ausbau der Kapazitäten auf Flughäfen und in der Luft die Zugänge lockern werde. Der aktuelle Fünfjahresplan sieht den Neubau von 82 Flughäfen und die Modernisierung von über hundert bestehender Airports vor. Ein erster Versuch mit einer eigenen Billigairline soll im nächsten Jahr in der Sonderzone Hongkong starten. China Eastern und die australische Jetstar wollen in einem Joint-Venture in den Lowcost-Markt einsteigen.



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