Rumäniens Vizepremierministerin attackierte das Management der staatlichen Fluggesellschaft des Landes. In einem Facebook-Post schrieb Oana Gheorghiu am Mittwoch (10. Juni), es handele sich um «ein Unternehmen auf direktem Flug in den Ruin».
Sie listet auf: «finanzielle Verbindlichkeiten des Unternehmens: 930 Millionen Rumänische Leu», umgerechnet rund 177 Millionen Euro; ein geschätzter Verlust 2025 von umgerechnet 35,5 Millionen Euro, ein negatives Eigenkapital von etwa 20 Millionen. «Auslastung der Flugzeuge: unter 70 Prozent und damit weit unter den angestrebten Zielen.»
Vizepremierministerin sieht Tarom im Teufelskreis
2024 habe Tarom zum ersten Mal in den vergangenen zehn Jahren einen Gewinn erwirtschaftet - «der jedoch in Wahrheit nur auf dem Papier existierte», so die Politikerin. Er sei nur durch den Verkauf von Vermögenswerten und buchhalterische Sondereffekte möglich gewesen.
Dabei mangele es nicht an Potenzial, sondern an guter Unternehmensführung, so Gheorghiu. Tarom scheine in einem Teufelskreis gefangen zu sein: «Unternehmensvermögen wird verkauft, um Verluste zu decken; schwierige Entscheidungen werden aufgeschoben; Konflikte in der Unternehmensführung blockieren Reformen.» Es fehle an einer schlüssigen Strategie und klarer Vision. Zur Rettung von Tarom fordert sie unter anderem eine Professionalisierung der Unternehmensführung, messbare Ziele und finanzielle Disziplin.
«Das Zeitfenster ist jedoch sehr klein»
«Das Zeitfenster ist jedoch sehr klein. Nach Jahren der künstlichen Beatmung wird es nahezu unmöglich sein, Tarom allein durch staatliche Beihilfen zu retten», schreibt die Vizepremierministerin. «Entweder beginnen wir jetzt mit einer echten Reform bei Tarom, oder das Unternehmen wird weiterhin stückweise verkauft, nur um etwas mehr Zeit zu gewinnen.»
Cockpitcrew-Gewerkschaft kritisiert Vizepremierministerin
Gegenwind bekommt die Vizepremierministerin von der rumänischen Gewerkschaft der Cockpitcrews. Deren Chef Mihai Panait nannte die Aussagen der Politikerin laut dem rumänischen Portal Digi 24 «völlig unverantwortlich». Sie könnten sich negativ auf den Ticketverkauf und das öffentliche Vertrauen in Tarom auswirken. Gheorghiu suggeriere «fernab der Realität» ein drohendes Ende der Fluggesellschaft, so Panait. Dabei befände sich die Fluglinie in einem laufenden, von der EU genehmigten Restrukturierungsprozess.
Zudem befände sich die Vizepremierministerin in den letzten Tagen ihrer Amtszeit. «Welches Ziel verfolgen solche Erklärungen, die in den letzten Tagen der Amtszeit abgegeben wurden?», fragt der Gewerkschafter. «Welches konkrete Problem lösen sie? Wie helfen sie Mitarbeitenden, Fluggästen, Lieferanten oder Steuerzahlern?» Der Staat könne nicht von einem Unternehmen Sanierung verlangen und gleichzeitig ständig Botschaften in der Öffentlichkeit verbreiten, die das Vertrauen in dieses Unternehmen untergraben würden.
So setzt sich die Flotte von Tarom zusammen
Gheorghiu gehört zur Regierung von Ministerpräsident Ilie Bolojan, die nach einem Misstrauensvotum des rumänischen Parlaments im Mai offiziell abgesetzt wurde. Derzeit soll Eugen Tomac als neuer Ministerpräsident eine neue Regierung formen.
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