Beechcraft 58 Baron von Euroairlines: Mitte zum Zweck.

Konkurrenz zu Hahn AirDer Trick mit dem Code: Wie Euroairlines kleine Fluglinien in die Verkaufssysteme bringt

Viele kleinere Fluggesellschaften bleiben aus globalen Vertriebssystemen ausgeschlossen. Ticketingspezialisten wie Euroairlines umgehen das – schnell, effizient und gegen Gebühr. Jetzt plant das Unternehmen den nächsten Schritt in neue Märkte und Geschäftsbereiche.

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Viele kleinere Fluggesellschaften haben keinen Zugang zu den globalen Buchungssystemen, den sogenannten Global Distribution Systems oder GDS. Über Plattformen wie Amadeus, Sabre oder Travelport werden weltweit Tickets vertrieben. Wer dort nicht vertreten ist, verkauft weniger. Doch der Zugang zu den Systemen ist teuer und der Anschluss ist aufwändig.

Ticketingspezialisten bieten hier eine Lösung: Die Partnerairline verkauft die Flüge unter dem Code dieser spezialisierten Unternehmen, die nebenher immer auch eine winzige Fluglinie betreiben, um selbst Iata-Mitglied sein zu können. Durchgeführt werden die Flüge aber von der Partnerairline. Der Ticketingspezialist bekommt für jedes verkaufte Ticket eine Gebühr.

Euroairlines will bald größere Flugzeuge betreiben

Bekannt für dieses Geschäftsmodell ist die deutsche Hahn Air. Euroairlines verfolgt einen ähnlichen Ansatz, geht aber in einigen Punkten weiter. Neben dem Vertrieb für andere betreibt das spanische Unternehmen eine eigene Flotte von mehreren Flugzeugen für Regionalflüge in Spanien, unter anderem eine Beechcraft 1900 mit neun Sitzen und eine Baron 58 mit vier Sitzen.

Noch. Denn Euroairlines will künftig zehn Turboprops von der Größe einer ATR betreiben, erklärt der Geschäftsführer Antonio López-Lázaro im Gespräch mit aeroTELEGRAPH. Die Flugzeuge selbst kommen von Drittanbietern, die sie in die Plattform von Euroairlines einbringen. Das Unternehmen stellt dafür Luftverkehrsbetreiberzeugnis (Englisch: AOC), Crew und Wartung, trägt aber kein Kapitalrisiko für die Flugzeuge, erklärt der Geschäftsführer.

Vertriebsgeschäft macht rund 90 Prozent des Geschäfts aus

Mehr als 90 Prozent des Umsatzes entfallen bei Euroairlines allerdings auf die Distribution von Tickets für andere. «Wir sind der Aufschlag. Das ist ein sehr einfaches, neutrales Geschäftsmodell», so López-Lázaro. Aktuell arbeitet das Unternehmen mit 53 Partnerairlines zusammen, von Qatar Airways über Ethiopian Airlines bis hin zu Rwandair bis hin zu Zügen und Bussen im Rahmen von Reiseveranstalter-Paketen.

In drei Jahren sollen es über 200 sein. «Wir arbeiten mit jeder Art von Airline zusammen, egal ob klassische Fluggesellschaft, Regionalfluggesellschaft oder staatlichen Airlines», sagt López-Lázaro. «Wir passen uns den Kunden an». Die Integration geht dabei schnell. Ein neuer Partner ist in fünf Werktagen live. Voraussetzung ist, dass die Airline ihren Flugplan sowie ihr Inventar, also die aktuelle Verfügbarkeit der Sitzplätze, bereitstellt.

Lateinamerika ist der wichtigste Markt

Der wichtigste Markt von Euroairlines ist Lateinamerika, und das mit großem Abstand, wie López-Lázaro betont. Mexiko, Argentinien, Kolumbien und Ecuador sind die Kernmärkte, in denen Euroairlines nach eigenen Angaben bereits Marktführer ist. Der Chef sieht darin einen klaren Vorteil gegenüber der Konkurrenz. Die kulturelle und sprachliche Nähe zu den hispanischen Ländern sei ein Vorteil, den man in Asien oder Afrika erst mühsam aufbauen müsse.

Antonio López-Lázaro Chef von Euroairlines mit seinem Team: Mittlerweile hat der Ticketvermittler über 50 Mitarbeitende.

Die größten Wachstumsmärkte sieht López-Lázaro in Afrika und Asien, allerdings mit unterschiedlichen Vorzeichen. Asien sei reifer, die Margen niedriger, das Volumen aber enorm. Gleichzeitig ist die kulturelle Barriere größer, weshalb Euroairlines dort auf lokale Teams und externe Vertriebspartner setzen. Afrika hingegen biete zwar riesige Chancen, aber auch erhebliche Risiken: fehlende Rechtsrahmen, analoge Marktstrukturen, ungeklärte Zahlungsabwicklung. «Die Märkte dort hinken vielleicht ein oder zwei Jahrzehnte hinterher», so López-Lázaro. «Aber die Chance ist da, und wir gehen sie an.»

Euroairlines will ins Frachtgeschäft einsteigen

Neben der geografischen Expansion plant Euroairlines den Einstieg in den Frachtbereich. Das Prinzip bleibt dasselbe: kein eigener Frachter, sondern Distribution von Kapazitäten für andere. «Genauso wie wir Sitze verteilen, verteilen wir künftig Tonnen», erklärt López-Lázaro. Dazu kommt ein gezielter Einsatz von künstlicher Intelligenz, für automatisierte Buchungsprozesse, dynamische Preisanpassung und die Entlastung der Callcenter bei Standardanfragen. Das Ziel dahinter ist pragmatisch: «Effizienz erlaubt uns, das Wachstum zu halten und dabei profitabel zu bleiben.»

Dass Euroairlines bereit ist, an anderer Stelle Risiken einzugehen, zeigt das Beispiel Paris–Punta Cana. Nachdem Air France die Route aus dem Programm genommen hatte, ist Eurolines eingesprungen. Im Winter 2023/24 führte die Airline die Flüge mit der spanischen World 2 Fly durch und im darauffolgenden Winter mit der deutschen USC. Rund 20 Flüge, komplett auf eigenes Risiko.

López-Lázaro will Chancen ergreifen

«Wenn wir eine konkrete Chance sehen, nehmen wir das Risiko», sagt López-Lázaro. «Wir machen das vor allem, um Touroperatoren zu zeigen, wie wir arbeiten.» Eine ähnliche Gelegenheit mit den Flügen von Brüssel nach Punta Cana scheiterte hingegen: Die Behörden machten Schwierigkeiten und die Veranstalter waren nicht bereit, das Risiko zu tragen. «Es war nicht realisierbar.»

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