Chauffeur inklusive: Lygg befördert seine Passagiere von Tür zu Tür.

Start-up LyggAb Deutschland Kurzstrecke fliegen im Abo

Mit Lygg geht ein neuer Vermittler für Kurzstreckenflüge an den Start. Sein Geschäftsmodell hebt sich in einigen Bereichen von der Konkurrenz ab.

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Wer geschäftlich fliegen muss, der hat meistens zwei Optionen: Er nimmt einen Linienflug oder mietet einen Privatjet. Das eine ist unflexibel, das andere teuer. Diverse Anbieter wollen das ändern und ein Segment dazwischen aufbauen. Das finnische Start-up Lygg hat dabei ein paar neue Ideen.

Am Montag (4. Oktober) startete Lygg den Service am Flugplatz Frankfurt-Egelsbach. Er richtet sich insbesondere an Unternehmen und Geschäftsreisende, für die Zeitersparnis besonders wichtig ist. Anstatt einfache Flüge zu verkaufen, setzen die Finnen auf Verträge mit Unternehmen und Einzelpersonen, die feste monatliche Beiträge zahlen.

Ab 1500 Euro pro Monat unbegrenzt fliegen

In der Branche bezeichnet man das Modell als Mobility as a Service, es ist in anderen Bereichen des Transportsektors oder in den USA bereits weit verbreitet. Lygg möchte ein solches System für das Fliegen auch in Europa einführen. Das heißt: Man bucht nicht einfach so einen Flug.

Stattdessen gibt es ein Abonnement, mit dem Mitglieder jeden Monat eine festgelegte oder sogar unlimitierte Menge Flüge nehmen können. «Wir verkaufen nicht einfach Flugtickets an jeden», so Lygg-Finanzchef Jari Viinikkala. Ein unbegrenztes Abo gibt es zum Start für etwa 1500 Euro monatlich.

Keine eigene Airline

Für den Start hat sich Lygg nicht für das Heimatland Finnland, sondern für Deutschland entschieden. Das habe verschiedene Gründe. «Die größere Bevölkerung und Nachfrage machen das Land deutlich attraktiver für den Anfang», sagt Viinikkala gegenüber aeroTELEGRAPH.

Eine Sache betonten die Gründer immer wieder: «Lygg ist keine Airline, sondern eine Plattform.» Das Unternehmen selbst betreibt also keine Flugzeuge. Auch Flugnummern oder einen fixen Flugplan gibt es nicht. Stattdessen will man sich nach den Flugbedürfnissen der Kunden richten, und dann etwa ein bis drei Monate im Voraus Betreiber von Geschäftsreiseflugzeugen beauftragen, die jeweiligen Flüge durchzuführen.

Flieger mit sechs bis 30 Sitzen

Bei der Wahl des Flugzeugs ist das finnische Start-up offenbar flexibel, in Zukunft könnten verschiedene Propellerflugzeuge im Kapazitätsbereich von 6 bis 30 Sitzen eingesetzt werden, abhängig von der Nachfrage. Als Beispiele für mögliche Typen nennen die Gründer etwa die Beechcraft King Air, Fairchild Metroliner und Dornier 328.

Der erste von Lygg organisierte Flug ging am Montag (4. Oktober) vom Flugplatz Egelsbach bei Frankfurt nach Luxemburg-Findel - mit einem Pilatus PC-12 der österreichischen Airlink. Nachteil an der eher kleinen Größe des Flugzeugs: Die Gepäckmitnahme beschränkt sich auf Handgepäck. Eine Maskenpflicht an Bord gab es auf dem 40-Minuten-Flug nicht.

Chauffeur-Service inbegriffen

Routen wurden schon einige angekündigt, sie verlaufen von und zu den vier deutschen Flughäfen Egelsbach, Mönchengladbach, Berlin und Nürnberg. Zunächst nimmt nun die Strecke Egelsbach nach Paris Le Bourget als Test den regelmäßigen Betrieb auf.

Anders als bei manch einem Konkurrenten ist ein Chauffeur-Service an beiden Enden der Reise im Produkt enthalten. Denn es ginge nicht darum, von einem Flughafen zum anderen, sondern von Tür zu Tür zu kommen, und das möglichst ohne Stress. Aktuell kann man sich von jeder Adresse im Umkreis von 50 Kilometern um den Flughafen abholen, beziehungsweise nach der Landung wieder absetzen lassen.

Bestellen per App

Bei der Ankunft am Flugplatz Egelsbach, und auf dem Rückweg am Flughafen Luxemburg, läuft alles ganz zügig. Weil kleine Airports oder Business-Terminals genutzt werden, spart man sich Warte- und Laufzeiten. Chauffeur-Service und Flug sind so ausgelegt, dass es ohne Verzögerung direkt weitergehen kann.

Organisiert wird das Ganze über eine App, in der man unkompliziert den Wunsch-Flug auswählen und die Abfahrt- und Ankunftsadresse eingeben kann. Komplett fertig ist die Anwendung wohl noch nicht, aber die wichtigsten Funktionen sind bereits implementiert.

Lygg verspricht Klimaneutralität

Flüge mit Privatflugzeugen stehen nicht ohne Grund in Kritik. In Sachen Nachhaltigkeit sind sie meist eine Katastrophe, das ist auch den Gründern von Lygg bewusst. Man setzt, wie inzwischen auch einige andere, auf Klimakompensation zum Co2-Ausgleich.

Diese Kompensation muss anders als bei vielen Airlines nicht von jedem Fluggast einzeln dazu gebucht werden. Stattdessen verspricht das Unternehmen aus Vantaa, alle Flüge als Ganzes über den finnischen Anbieter Compensate Foundation zu kompensieren, ohne dass sich die Kunden selbst darum kümmern müssen.

Die Zukunft soll elektrisch werden

«Wir wissen, dass die Branche unter Druck steht und ihre Ressourcen und Prozesse nicht für einen schnellen Wandel ausgelegt sind», so Roope Kekäläinen, Chef des Start-ups. Trotzdem will Lygg in Zukunft von Vorne rein komplett emissionsfrei fliegen und visiert dabei 2030 als Zeitpunkt an.

Durch den Betrieb kleinerer Propellerflugzeuge hat man auch einen Vorteil: «Kleine Flugzeuge werden die ersten sein, die elektrisch fliegen können». Die Reise mit dem Chauffeur soll bereits jetzt, wenn möglich, per Elektroauto ablaufen. Das hat beim ersten Test aber noch nicht wie erhofft funktioniert.

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