Blick auf den Unglücksstelle: Von den 45 Menschen an Bord überlebten 16 den Absturz und die Zeit in den Anden.

Fuerza Aerea Uruguaya Flug 57172 Tage in der Eishölle

Vor 44 Jahren stürzte ein Flugzeug in den Hochanden ab. Die Suche wird schnell eingestellt. Doch es gibt Überlebende – die eines der größten Tabus brechen, um nicht zu verhungern: Sie essen Menschenfleisch.

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Als Fuerza Aérea Uruguaya Flug 571 am 12. Oktober 1972 in Montevideo startet, ist die Stimmung an Bord ausgelassen. Die 40 Passagiere sind Mitglieder, Betreuer und Angehörige des Rugby-Teams Old-Christian’s Club, die im chilenischen Santiago ein Freundschaftsspiel absolvieren sollten. Die meisten sind erst 19 oder 20 Jahre alt und für viele ist es der erste Flug überhaupt. Keiner ahnt, dass nur wenige Insassen den Flug überleben werden.

Wegen des schlechten Wetters muss die Maschine im argentinischen Mendoza zwischenlanden. Am nächsten Tag geht der Flug weiter und das Unglück nimmt seinen Lauf: Anfangs fliegt die Maschine mit Rückenwind, der aber nach einiger Zeit in Gegenwind umschlägt. Die Piloten wähnen sich nach einiger Zeit bereits in Chile, drehen in Richtung Norden und gehen in einen Sinkflug über. Die Maschine vom Typ Fairchild-Hiller FH-227 fliegt dadurch mitten in die Hochanden hinein.

Schokolade, Wein, Zahnpasta...

Erst als das Flugzeug die Wolkendecke durchstößt, bemerken die Piloten ihren Fehler. Doch es ist zu spät: Ihre Versuche, die Maschine wieder hochzuziehen, scheitern an Orkanböen, eisige Schneeschauer und Fallwinde. Schließlich streift eine Tragfläche einen Bergrücken, das Heck bricht ab und das Flugzeug prallt in eine Schneebank. 12 Passagiere sterben bei dem Aufprall.

Die Überlebenden finden sich in einer weißen, arktischen Hölle wieder: Die Absturzstelle liegt auf etwa 3800 Metern im Hochgebirge. Die Temperaturen sinken nachts auf bis zu minus 40 Grad Celsius. Wer verletzt ist, hat keine Chance. In der ersten Nacht sterben fünf weitere Insassen. Die Überlebenden versuchen die Zeit zu überstehen, bis die Suchmannschaften sie finden. An Bord gibt es kaum etwas zu essen. Die wenige Schokolade und Wein werden rationiert. Als die Vorräte aufgezehrt sind, essen sie Zahnpasta.

... und Menschenfleisch

Nach acht Tagen hören die Überlebenden über ein Radio, dass die Suche nach ihnen eingestellt wurde und sie offiziell für tot erklärt wurden. «Als wir wussten, dass die Suche gestoppt war, dass wir für die Welt nicht mehr existierten, mussten wir eine Entscheidung treffen, und wir hatten nichts mehr zu essen. Das ist die Realität», erinnerte sich der Überlebende Carlos Paez 30 Jahre nach dem Unglück in einem Interview aus Anlass des Herausgabe seines neuesten Buches zum Unglück. Die Überlebenden entscheiden sich, eines der größten Tabus überhaupt zu brechen.

Die Abgestürzten beginnen Menschenfleisch zu essen – die Körper ihrer Freunde und Familienangehörigen. «Als ich ins Fleisch schnitt, tat es mir weh», beschrieb einer der Überlebenden später seine Gefühle. Die überlebenden Passagiere gehen rational vor: Sie überlegen sich genau, welche Körperteile besonders nährstoffreich waren. Sie lösen Kalzium aus den Knochen und essen die vitaminreiche Leber.

Das Wunder der Anden vor Weihnachten

Doch viele halten die Strapazen und Kälte nicht aus und sterben. Fast drei Wochen nach dem Absturz passiert ein weiteres Unglück: Eine Lawine geht ab und begräbt das Wrack unter sich. Acht Menschen sterben. Die Überlebenden sind unter den Schneemassen begraben, die Leichen der zuerst Gestorbenen sind unerreichbar. Sie müssen nun jene essen, die gerade erst gestorben sind, die erst kurz zuvor selber Tote gegessen hatten. Erst nach zwei Wochen kann sich die Gruppe aus dem Wrack befreien.

Mehr als 60 Tage nach dem Unglück wagen die Überlebenden eine letzte Expedition, um Hilfe zu holen. Die drei stärksten von ihnen ziehen los und erreichen nach drei Tagen den ersten Höhengrat. Dort werden sie bitterlich enttäuscht: Um sie herum liegt nur eisige Einöde. Einer von ihnen kehrt um, damit die beiden anderen überleben.

16 Überlebende

Eine Woche lang schleppen sich Roberto Canessa und Fernando Parrado durch die eisige Bergwelt, bis sie schließlich eine schneefreie Zone erreichen. Zwei Tage vor Weihnachten, 72 Tage nach dem Absturz, treffen sie den Hirten Sergio Catalan. Das Wunder der Anden ist geboren: Die chilenische Luftwaffe wird verständigt und findet das Wrack und die anderen Überlebenden. Von den 45 Menschen an Bord haben 16 überlebt.

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