Letzte Aktualisierung: um 19:03 Uhr

Abdelhamid Addou, Royal Air Maroc

«Wir werden viel mehr Städte mit Frankfurt und Düsseldorf verbinden»

Im Interview spricht Royal-Air-Maroc-Chef Abdelhamid Addou über die Herausforderungen der Pandemie, Probleme im afrikanischen Markt, neue deutsche Destinationen und Ersatz für die Boeing 737.

Jakob Wert/aeroTELEGRAPH

Abdelhamid Addou: «Von einem Tag auf den anderen kam es zum Stillstand.»

Royal Air Maroc ist die drittgrößte Fluggesellschaft Afrikas. Knapp 50 Flugzeuge setzt sie derzeit ein. Ihr Netz besteht hauptsächlich aus Destinationen in Europa und Westafrika. Auch in Nordamerika werden ein paar Ziele bedient. Die Fluggesellschaft hat sich auf Umsteigeflüge in afrikanische Länder spezialisiert, die ansonsten nur von wenig Airlines bedient werden.

Im Interview spricht Abdelhamid Addou, seit 2016 Chef von Royal Air Maroc, mit aeroTELEGRAPH über die Auswirkungen der Pandemie, Netzwerk-Ausbau, Herausforderungen in Afrika und Weiteres.

Welche Märkte waren für Sie während der Pandemie am stärksten und am schwächsten?
Abdelhamid Addou: Ich glaube der Markt, der sich am schnellsten erholt, ist der europäische. Teile des afrikanischen Marktes erholen sich auch. Der asiatische Markt ist viel komplizierter. Wie Sie wissen, gibt es dort Länder mit vielen Beschränkungen, sodass es für uns schwierig ist, dorthin zu fliegen. Der Langstreckenmarkt ist ebenfalls schwieriger zurückzugewinnen. Für die Passagiere ist es einfacher, zwei oder drei Stunden mit einer Maske zu verbringen, sieben bis acht Stunden sind hingegen nicht für jeden angenehm. Aber wir sind sehr zuversichtlich. Ich bin sicher, dass sich die Dinge im Laufe dieses Sommers wieder normalisieren werden.

Wie viel hat die Pandemie Sie gekostet?
Die Pandemie hatte unsere Entwicklung ausgebremst. Wir hatten ein sehr hohes Wachstumstempo, und von einem Tag auf den anderen kam es zum Stillstand. Jetzt müssen wir uns erholen. Ich denke, wir werden in den nächsten zwei bis drei Jahren wieder zum Normalzustand zurückkehren.

Was war die größte Herausforderung, die Sie während der Pandemie bewältigen mussten?
Die größte war die Personalsituation. Wir mussten leider eine gewisse Anzahl von Mitarbeitenden freistellen, weil es keine Arbeit gab und wir sieben Flugzeuge aus unserer Flotte verkaufen mussten. Das war die härteste Phase, mit der ich während dieser Pandemie konfrontiert wurde.

Der Anteil zwischen Europa und Afrika liegt bei rund 80 Prozent. Auf den afrikanischen Strecken.

Royal Air Maroc ist vor etwa zwei Jahren als erstes afrikanisches Mitglied der Oneworld-Allianz beigetreten. Mitten in der Pandemie. Was hat Ihnen die Oneworld-Mitgliedschaft über die ersten zwei Jahren bislang gebracht?
Oneworld bringt ein Streckennetz mit mehr als 1000 Routen. Das bedeutet viel mehr Möglichkeiten für alle unsere Kunden und viel mehr Effizienz. Wir bringen Afrika in das globale Netz von Oneworld. Es ist also wirklich eine Win-Win-Situation.

Wie viele Umsteigepassagiere befördern Sie zwischen europäischen und afrikanischen Zielen? Wie hoch ist der Anteil der Umsteigepassagiere?
Der Anteil zwischen Europa und Afrika liegt bei rund 80 Prozent. Auf den afrikanischen Strecken. Aber wir haben auch andere Strecken, die viel stärker auf den Tourismus in Marokko ausgerichtet sind. Transfers nach Afrika machen ein Drittel unseres globalen Netzwerkes aus.

Von Deutschland aus fliegt Royal Air Maroc zurzeit nur von Frankfurt nach Casablanca und von Düsseldorf nach Nador. Berlin und München wurden aufgrund der Pandemie temporär ausgesetzt. In der Schweiz wird von Genf nach Casablanca geflogen. Gibt es neue Ziele, die Sie derzeit für Ihr Netz planen?
Ja, wir kehren nun zu unserem Netzwerk für 2019 zurück. Für Frankreich werden wir viel mehr Verbindungen zwischen Städten außerhalb Casablanca und Städten außerhalb Paris eröffnen. In Deutschland genauso. Wir werden viel mehr Städte wie Nador und Oujda mit Frankfurt und Düsseldorf verbinden. Wir wollen auch München und Berlin wieder eröffnen. Das sind die neuen Verbindungen, die in diesem Sommer aufgenommen werden sollen.

Sie verbinden Westafrika nicht nur mit Europa, sondern auch mit Nordamerika, planen Sie eine Ausweitung Ihres Nordamerikageschäfts?
Wir werden am 15. April wieder Miami eröffnen, und hoffentlich nächstes Jahr Boston. Und wir haben noch andere Pläne. Wir hoffen, dass sich das Geschäft wieder normalisiert, sodass wir neue Strecken eröffnen können.

Auf dem afrikanischen Markt geht es um die Deregulierung, den offenen Himmel, die Kosten der Flughafensteuer, die Treibstoffkosten.

Was sind Ihre Vorteile gegenüber Ethiopian Airlines, ein großer Konkurrent auf dem afrikanischen Markt?
Ethiopian ist ein tolles Unternehmen, eine tolle Fluggesellschaft, die im Osten viel stärker ist, auch in Asien, wo sie eine große Geschichte hat. Sie deckt viel mehr Ostafrika und Südafrika ab und verbindet Asien, während wir viel mehr Zentralafrika, Westafrika und Nordafrika mit Europa und Amerika verbinden. Wir sind zum Beispiel die größte afrikanische Fluggesellschaft bei den Verbindungen von Afrika mit Europa. Wir beide ergänzen uns tatsächlich.

Was sind die größten Herausforderungen und Probleme des afrikanischen Luftfahrtmarktes?
Ich denke, es gibt zwei große Herausforderungen: Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Wir müssen in Sachen Nachhaltigkeit sehr schnell neue Lösungen entwickeln, wie nachhaltiges Kerosin und Wasserstoff, und das geht nur über eine starke Bereitschaft und einen starken und dynamischen Ansatz bei den Herstellern. Wir brauchen eine neue Richtung bei zukünftigen Triebwerkstypen. Die Digitalisierung ist zudem wichtig. Wir müssen die Prozesse für alle Kunden vereinfachen, damit die Reise und das Kundenerlebnis viel dynamischer und effizienter werden.

Sind Nachhaltigkeit und Digitalisierung in Afrika besonders schwer zu erreichen?
Sie sind weltweit schwer zu erreichen. Wenn niemand neue Flugzeuge mit Wasserstofftriebwerken baut, wird das Problem nicht in Afrika liegen, sondern weltweit. Nachhaltige Kraftstoffe sind nicht überall auf der Welt verfügbar, das Problem gibt es in Afrika, aber auch anderswo.

Was sind denn Herausforderungen, die es speziell in Afrika für die Luftfahrt gibt?
Auf dem afrikanischen Markt geht es um die Deregulierung, den offenen Himmel, die Kosten der Flughafensteuer, die Treibstoffkosten. Das sind einige der wichtigsten Herausforderungen, die man angehen muss, um die Kosten zu senken und so den Markt zu erweitern und mit niedrigen Preisen das Reisen in Afrika zu erleichtern.

Wir wollen nächstes Jahr eine Ausschreibung starten.

Derzeit besteht die Boeing-737-Flotte von Royal Air Maroc aus 37 langsam älter werdenden 737 NG, von denen 27 aktiv sind. Außerdem befinden sich zwei neue Boeing 737 Max 8 in der Flotte, von denen eine abgestellt ist. Wie planen Sie, die älteren 737 zu ersetzen?
Noch ist es eine recht junge Flotte. Sie ist im Durchschnitt neun, zehn Jahre alt, wir haben also noch etwas Zeit. Aber wir stellen uns bereits auf neue ein. Wir wollen nächstes Jahr eine Ausschreibung starten.

Sie haben bereits zwei Boeing 737 Max in der Flotte. Eigentlich hatte Royal Air Maroc noch zwei weitere 737 Max bestellt, aber diese wurden storniert. Wollen Sie jetzt doch wieder 737 Max haben?
Das weiß ich nicht, das wird die Ausschreibung entscheiden. Der Markt ist ein offener.