Japan ist von Krisenherden umgeben. Es gibt wiederholte Drohungen Nordkoreas, das mehrfach Raketen über japanisches Gebiet schickte. Gleichzeitig blickt das Land mit Sorge auf die Lage rund um Taiwan – auch wegen enger wirtschaftlicher Verflechtungen. Premierministerin Sanae Takaichi treibt daher die Modernisierung der Armee voran.
Dabei hat sie nun ein neues Flugzeug zur elektronischen Kampfführung getestet: Die Kawasaki EC-2. Sie basiert auf dem Transporter Kawasaki C-2 und absolvierte Mitte März ihren Jungfernflug. Die Maschine liegt größenmäßig zwischen Airbus A400M und Lockheed C-130.
Bewegliche Ziele am Boden orten und verfolgen
Auffällig ist ihre ungewöhnliche Rumpfform. Unter der Zelle verbirgt sich Störtechnik für elektronische Gegenmaßnahmen, Aufklärung und Satellitenkommunikation. Zentrales Element ist das weiterentwickelte Störsystem J/ALQ-5. Es soll gegnerische Kommunikations- und Radarsysteme aus sicherer Distanz stören oder neutralisieren. Zusätzlich kann die Kawasaki EC-2 bewegliche Ziele am Boden orten und verfolgen – unabhängig vom Gelände.
Wie wichtig elektronische Kriegsführung ist, zeigt sich auch in aktuellen Konflikten. Mehrere Staaten setzen gezielt auf Radarstörung, um Luftoperationen zu ermöglichen. Die EC-2 soll genau hier ansetzen und Japans Fähigkeiten deutlich erweitern.
Kawasaki EC-2 soll ab 2027 im Einsatz stehen
Der Erstflug von der Gifu Air Base bei Nagoya markiert allerdings nur den Anfang. Der operative Einsatz ist erst für März 2027 geplant. Dann soll das Flugzeug helfen, die rund 30.000 Kilometer lange Küste Japans und seine Hoheitsgewässer zu überwachen.
Parallel steigt Japans Verteidigungsbudget deutlich. Für 2026 sind rund neun Billionen Yen vorgesehen – ein Plus von 9,4 Prozent. Das sorgt innenpolitisch für Kritik. Oppositionspolitiker fordern stattdessen höhere Sozialausgaben.
Mehr als nur ein Militärprojekt
Neben Nordkorea rückt auch Russland stärker in den Fokus. Moskau könnte im Ernstfall aus dem Norden Druck ausüben. Gleichzeitig bleibt Japan stark abhängig von Energieimporten – rund 95 Prozent stammen aus dem Ausland.
Die Kawasaki EC-2 ist damit nicht nur ein militärisches Werkzeug, sondern auch Teil einer umfassenderen Strategie. Sie soll nicht nur im Konfliktfall wirken, sondern bereits in Friedenszeiten helfen, wichtige Seewege zu überwachen und abzusichern.
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