BDL beklagt Marktanteilsverlust Deutschlands bei Umsteigern nach Afrika und Asien

Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft BDL hat erstmals eine Analyse über die langfristige Entwicklung der globalen Passagierströme gemacht. Die Daten hierfür wurden vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR aufbereitet. Sie zeigen, wie viele Fluggäste in einem bestimmten Zeitraum von Startort A zum Zielort B reisen, unabhängig von der gewählten Route. Dadurch gibt die Analyse Aufschluss darüber, wie sich die Verkehre zwischen unterschiedlichen Regionen der Welt verändern.

Während der Europaverkehr weitgehend auf Punkt-zu-Punkt-Verbindungen stattfindet, machen im Interkontverkehr Umsteiger mit 60 Prozent den Großteil der Reisenden aus, schreibt der BDL. Die Analyse der Verkehrsströme zeige, dass der Umsteigeverkehr immer weniger in Deutschland stattfinde: Während der Gesamtmarkt auf den Verkehrsströmen von Deutschland nach Asien und Afrika von 2010 bis 2019 um 73 Prozent gewachsen sei, spiele Deutschland dabei als Transferland eine immer kleinere Rolle (plus 15 Prozent. Das Wachstum erfolge überwiegend über Istanbul und Drehkreuze außerhalb Europas (plus 115 Prozent). Und während Deutschland seine Rolle als Transferland im Verkehr von Nordamerika nach Osten im Wesentlichen behaupten konnte, habe sich der Anteil Deutschlands als Transferland im Verkehrsstrom von Europa (ohne Deutschland) nach Asien und in das östliche und südliche Afrika von 6 auf 3 Prozent halbiert.

«Es ist unverkennbar, dass im Verkehr von und über Deutschland nach Asien und in das östliche und südliche Afrika mit der Politik der Vereinigten Arabischen Emirate, Katar und der Türkei für eine gezielte Förderung der Drehkreuze Dubai, Abu Dhabi, Doha und Istanbul eine ganz neue Verkehrsstruktur entstanden ist, die den Markt stark verändert hat. An den Passagierströmen der vergangenen zehn Jahre lässt sich ablesen, welche spürbaren Folgen diese Industriepolitik insbesondere im Langstreckengeschäft haben kann. Es sind erhebliche Wettbewerbsnachteile für europäische Luftverkehrsunternehmen entstanden, die im Vergleich zu Carriern aus dem Mittleren Osten oder vom Bosporus deutlich höhere soziale, ökologische und verbraucherpolitische Standards erfüllen. So entfaltet sich eine regelrechte Sogwirkung für Verkehre aus Europa in Richtung Asien und Afrika, verbunden mit der Verlagerung von Wertschöpfung ohne positiven Effekt auf die Umwelt», fasst BDL-Präsident Peter Gerber eine wichtige Erkenntnis aus der Analyse zusammen. «Umso wichtiger ist es, dass weitere soziale und ökologische Fortschritte im Luftverkehr mit Regulierungen erfolgen, die im internationalen Verkehr alle Unternehmen gleichermaßen betreffen.»

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