Zwei Pisten in Nizza: Eine ist deutlich heller beleuchtet als die andere.

Beinahe-Katastrophe von NizzaWie es dazu kam, dass der Airbus A320 von Nouvelair nur drei Meter über den A320 von Easyjet hinwegflog

Nur drei Meter trennten die Flugzeuge voneinander, als der Kontrollturm in Nizza in letzter Sekunde den Durchstartbefehl gab. Der vorläufige Bericht der französischen Untersuchungsbehörde hat eine Vermutung, weshalb es dazu kam, dass ein Airbus A320 von Nouvelair und einer von Easyjet beinahe auf der Piste kollidierten.

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Die neuen Erkenntnisse zum schweren Zwischenfall am Flughafen Nizza im September zeichnen ein alarmierendes Bild. Die Situation weitaus gefährlicher, als zunächst angenommen, zeigt der vorläufige Bericht der französischen Untersuchungsbehörde BEA. Denn die Crew des Airbus A320 von Nouvelair hatte offenbar keine Ahnung, dass sie im Begriff war, auf einem vollbetankten Flieger von Easyjet aufzusetzen.

Am Abend des 21. September befand sich der Airbus A320 mit dem Kennzeichen TS-INP aus Tunis kommend im Anflug auf Nizza. Die Besatzung erhielt die Freigabe für Landebahn 04L, während ein Airbus A320 von Easyjet auf der parallelen 04R wartete, um nach Nantes zu starten. Doch anstatt 04L anzufliegen, steuerte die Crew der tunesischen Airline die Startbahn 04R an - ohne sich dessen bewusst zu sein.

Sekunden trennten die beiden Airbus A320 vor Katastrophe

Wie die Daten des Stimmenrekorders und des Flugdatenschreibers zeigen, setzte der A320 von Nouvelair den Sinkflug fort, obwohl sich der A320 von Easyjet mit dem Kennzeichen OE-IJZ bereits auf der Piste befand. Die automatische Höhenansage im Cockpit zählte in rascher Folge «100, 50, 40, 30» (die Höhenanfgabe in Fuß), während der Kontrollturm in diesem Moment den Befehl zum Durchstarten gab.

Der Jet flog anschließend nur rund drei Meter über den von Easyjet hinweg, bevor er wieder stieg. Nur Sekunden fehlten zu einer der schlimmsten Luftfahrtkatastrophen der letzten Jahre.

Bodenkontrollsystem löste Alarm aus

Auch im Tower ging alles extrem schnell. Das am Flughafen installierte A-SMGCS-Bodenkontrollsystem erkannte die drohende Gefahr und löste 50 Sekunden vor dem Vorfall zunächst eine gelbe Warnung und wenig später eine rote mit Tonsignal aus. Zwischen dem ersten Hinweis und dem tatsächlichen Überflug lagen nur Augenblicke.

Während der Kontrollturm von Nizza den Piloten die Landefreigabe erneut bestätigte, befand sich die Nouvelair-Maschine bereits im Endanflug auf die falsche Piste.

Piloten von Easyjet sahen den Airbus A320 von Nouvelair

Die Crew des Easyjet-Fluges sah den Jet im Anflug und wunderte sich zwar über dessen ungewöhnliche Position, erkannte aber ebenfalls keinen akuten Konflikt. Nach dem Durchstarten drehte der Airbus A320 von Nouvelair in eine Warteschleife und landete 15 Minuten später sicher auf der korrekten Bahn 04L.

Flughafen Nizza: Hier kam es fast zur Katastrophe.

Das BEA sieht mehrere Faktoren, die zu dem Beinaheunfall geführt haben könnten. Besonders auffällig sei die unterschiedliche Beleuchtung der beiden Start- und Landebahnen: Während 04L mit älteren Halogenlampen ausgestattet ist, verfügt 04R seit 2022 über hellere LED-Leuchten, die aus der Luft deutlich markanter wirken. Diese Asymmetrie könnte nach Ansicht der Ermittler zur Verwechslung beigetragen haben, zumal bereits in der Vergangenheit ähnliche Vorfälle dokumentiert wurden.

Schlechtes Wetter machte es zunehmend schwer

Zum Zeitpunkt des Zwischenfalls herrschte zudem schlechtes Wetter mit Regen und zeitweise eingeschränkter Sicht, was die Orientierung weiter erschwerte. Das BEA weist darauf hin, dass das verwendete Anflugverfahren bei Nacht und in schlechten Sichtbedingungen besonders anspruchsvoll ist. Als Vorsichtsmaßnahme hat die französische Flugsicherung visuelle Anflüge bei Nacht im geteilten Bahnbetrieb vorläufig untersagt.

Die Ermittler wollen nun unter anderem prüfen, welche Rolle das Zusammenspiel von Beleuchtung, Verfahren, Ausbildung und Technik gespielt hat. Außerdem wird untersucht, ob das Warnsystem und die Abläufe im Kontrollturm verbessert werden müssen.

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