Letzte Aktualisierung: um 17:26 Uhr
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Erfahrungen mit Rückholflügen

«Man fühlte sich völlig allein gelassen»

Die Covid-19-Pandemie hat viele Reisende im Ausland stranden lassen. aeroTELEGRAPH-Leser beschreiben ihre Mühen und Probleme, nach Deutschland zurückzukehren.

Ramon Kagie/Unsplash

Startendes Flugzeug: Bis gestrandete Reisende heimkehren konnten, dauerte es oft lange.

Rund 200.000 deutsche Reisende saßen zu Beginn der Corona-Pandemie im Ausland fest. In einer riesigen Rückholaktion bringt das Auswärtige Amt seitdem Tausende von ihnen mit gecharterten Flugzeugen von Lufthansa, Condor und Co. in die Heimat zurück. Bis heute sitzen neben Individualtouristen noch immer rund 5000 Pauschalurlauber fest, die meisten von ihnen in Australien und Neuseeland, wie Zahlen des Krisenwarn-Informationsanbieters A3M und des Deutschen Reiseverbandes zeigen.

Doch die Rückkehr ist nicht immer einfach. Und auch nicht alle Touristen profitieren davon. Dies zeigen zahlreiche Beispiele. aeroTELEGRAPH-Leser Armin N. hatte Glück. Er bekam einen Platz auf einem der frühesten Rückholflüge mit Condor, am 19. März von Punta Cana in der Dominikanischen Republik nach Frankfurt. «Die Internetseite zum Registrieren für den Rückholflug war völlig überlastet und stürzte gefühlte 20.000 Mal ab, nach vier Stunden fast ununterbrochener Einlog-Versuche hatte ich dann endlich meine Daten in das Internetformular eingetragen», berichtet er.

«Von Lufthansa gab es lediglich ein ‹Sorry›»

Am Flughafen seien dann aber Botschaftsmitarbeiter vor Ort gewesen. «Sie waren sehr freundlich und bemüht und man hatte ein gutes Gefühl, sicher nach Hause zu kommen». Nach mehr als zwölf Stunden am Airport ging es zurück nach Deutschland.

Verärgert ist Armin N. dagegen über Lufthansa, mit der er eigentlich schon am 15. März via Newark zurückfliegen sollte. Der Flug wurde aufgrund der Reisesperre der USA gestrichen und die Passagiere am Flughafen nicht ins Flugzeug gelassen. «Von Lufthansa beziehungsweise deren Partner United (bis Newark) gab es lediglich ein ‹Sorry›. Das war der komplette Service. Kein Betreuung danach, keine E-Mails, keinen Information vorab.» Auch im Nachhinein habe er kein Lebenszeichen von Lufthansa erhalten. «Man fühlte sich völlig allein gelassen.»

Touristen in Madeira wurden «recht massiv bedrängt»

Leser Stefan D. beschreibt, wie die Lage auf der portugiesischen Insel Madeira war, bevor er am 21. März mit einem umgebuchten Easyjet-Flug zurück nach Berlin reiste. «Etwa ab dem 16. März wurden Touristen in Madeira recht massiv bedrängt, alsbald und gegebenenfalls vorzeitig nach Hause zu fliegen.» Gefolgt seien Ausgangssperren.

Hotels hätten angekündigt, zu schließen. Zudem habe man Mietwagen unverzüglich zurückzugeben müssen. «Nicht wenige Touristen begaben sich deswegen mit Sack und Pack am 19. März zum Flughafen, um das Auto zurückzugeben und zu schauen, ob sie in einem der Flieger unterkamen.» Sein Flug am 21. März sei dann nur zu rund zwei Dritteln besetzt gewesen.

Nächster Flug geht am 20. April

Sehr verärgert ist Leserin Theresa K. Sie sitzt mit ihrem Mann und zwei Kindern, darunter einem Baby, in San Francisco fest. Die Vereinigten Staaten gehören nicht zu den Ländern, in die Rückholflüge gehen. Bei Auswärtigen Amt habe man ihr gesagt, sie müssen in Hinblick auf eine Rückreise «selber zusehen».

Ihr eigentlicher Rückflug mit Lufthansa sei erst verschoben, dann storniert worden. «Nun geht der nächste erst am 20. April.» Um bei Lufthansas Hotline überhaupt in die Warteschlange zu kommen, habe es mehr als 100 Anrufe benötigt und dann nochmal anderthalb Stunden Wartezeit, schreibt sie.

Schon 1500 Euro über dem Budget

Leser Martin H. befand sich mit seiner Frau auf Hochzeitsreise in Thailand, als Corona alles durcheinander wirbelte. Auf den Inseln Phuket und Ko Sire habe man zunächst nicht viel von dem Virus gehört. «Als wir dann am 23. März mit dem Flugzeug aus Surathani in Bangkok gelandet sind, wurde uns am Airport zum ersten Mal bewusst, wie schlimm auch hier mittlerweile die Coronavirus-Krise ist», schreibt er.

Die frisch Verheirateten suchten Routen über Abu Dhabi, Oman, Doha, Helsinki, Zürich, Amsterdam und Stockholm nach Deutschland, aber: «Entweder wurden die Flüge annulliert oder sie waren mit über 200 Personen überbucht.» Als die Lage in Bangkok schlimmer geworden sei, sei man zurück nach Phuket geflogen und haben beim dortigen Konsulat die Visa verlängern lassen. Das eigentliche Budget habe man aufgrund von zusätzlichen Hotelnächten und Verpflegung aber schon um 1500 Euro überzogen.



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