Letzte Aktualisierung: um 18:08 Uhr
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«No speak english» am Steuer

Die brasilianische Fluglinie TAM setzt Piloten mit mangelhaften Englischkenntnissen auf Auslandfügen ein. Sie erntet dafür nun Kritik.

Andrevruas/Wikimedia/CC

Tam-Jet im Anflug auf Rio: Nicht immer sehr sprachgewandt.

Beinahe 14 Prozent der Langstrecken-Piloten der TAM waren im April durch die obligatorischen Englischprüfungen gerasselt. Geflogen sind sie dennoch weiter – auch auf Strecken mit einem Ziel in Übersee. Das würde eigentlich den nationalen und internationalen Vorschriften widersprechen, wie die brasilianische Zeitung Folha de São Paulo meldet. Die amerikanische Flugaufsichtsbehörde FAA und ihr europäisches Gegenstück Easa untersuchen deshalb nun den Fall. TAM fliegt unter anderem nach New York, Miami, Frankfurt, Paris oder Mailand.

Die Fluggesellschaft wehrt sich gegen die Vorwürfe. Sie bestätigt zwar, dass durchgefallene Kapitäne auf Auslandeinsätzen weiterfliegen. Sie würden aber nur bis zur Landesgrenzen eingesetzt, erklärte ein Sprecher gegenüber der Folha. Danach übernehme ein anderer, sprachgewandterer Pilot. Zudem habe man die Durchfallquote seit dem Frühjahr gesenkt. Nur noch fünf Prozent der Auslandpiloten hätten nun die Tests nicht bestanden. Die nationale Behörde hält diese Erklärung für stichhaltig und lässt TAM daher gewähren.

Betrunken oder zu ungebildet

Mangelhafte Englischkenntnisse gelten bei diversen heiklen Situationen der Luftfahrt als Auslöser. So kollidierte ein polnischer Pilot 2009 beispielsweise über Heathrow beinahe mit einem anderen Jet, weil er die Anweisungen des Kontrollturms nicht verstanden hatte. 2003 ließen israelische Piloten einen kasachischen Kapitän nicht landen, weil sie ihn für betrunken hielten. In Tat und Wahrheit sprach er einfach miserables Englisch. Besonders schlimm ging ein Unglück 1996 über Indien aus. Weil sie sich kaum verständigen konnten, stießen die Piloten einer B747 von Saudi Airlines und eine Illyuschin Il67-Frachtmaschine zusammen.

Eine Studie zweier slowakischer Wissenschafter von der Universität Kosice machte die Kommunikation als zentrales Element in Krisensituationen aus. Daher sei die Beherrschung der Luftfahrt-Sprache Englisch eine zentrale Voraussetzung, folgern die Autoren.



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