Letzte Aktualisierung: um 11:38 Uhr

Lufthansa kehrt im zweiten Quartal in die schwarzen Zahlen zurück

Die Lufthansa-Gruppe ist im zweiten Quartal zurück in den schwarzen Zahlen mit einem operativem Gewinn (Adjusted Ebit)  von 393 Millionen Euro nach -827 Millionen im Vorjahreszeitraum. «Dies ist ein starkes Ergebnis nach einem Halbjahr, das für unsere Fluggäste aber auch für unsere Mitarbeiter herausfordernd war», so Konzernchef Carsten Spohr.

Das Unternehmen setzte im zweiten Quartal 8,5 Milliarden Euro um, fast drei Mal so viel wie im Vorjahreszeitraum (3,2 Milliarden Euro). Für das erste Halbjahr 2022 verbuchte der Konzern einen operativem Gewinn von -198 Millionen Euro (Vorjahr: -1,9 Milliarden Euro).

Die Zahl der Gäste an Bord der Passagier-Airlines hat sich im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als vervierfacht. Insgesamt begrüßten die Fluggesellschaften der Lufthansa-Gruppe zwischen Januar und Juni 42 Millionen Reisende an Bord (Vorjahr: 10 Millionen). Allein im zweiten Quartal flogen 29 Millionen Passagiere mit den Airlines des Konzerns (Vorjahr: 7 Millionen).

Das Unternehmen hat die angebotene Kapazität entsprechend der stetig steigenden Nachfrage im Laufe des ersten Halbjahrs kontinuierlich ausgebaut. Sie lag im ersten Halbjahr 2022 bei durchschnittlich 66 Prozent des Vorkrisenniveaus. Isoliert betrachtet für das zweite Quartal, lag die angebotene Kapazität bei rund 74 Prozent des Vorkrisenniveaus.

Die Durchschnittserlöse verbesserten sich im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahr deutlich, um durchschnittlich 24 Prozent. Im Vergleich zum Vorkrisenjahr 2019 stiegen die Durchschnittserlöse um 10 Prozent.

Trotz des gestiegenen Preisniveaus waren die Flüge der Lufthansa-Gruppe im zweiten Quartal zu durchschnittlich 80 Prozent ausgelastet. Der Wert ist damit annähernd so hoch, wie vor der Corona-Pandemie (2019: 83 Prozent). In den Premium-Klassen übertraf die Auslastung im zweiten Quartal mit 80 Prozent sogar den Wert von 2019 (2019: 76 Prozent), getrieben von weiterhin hoher Premium-Nachfrage bei Privatreisenden und steigenden Buchungszahlen bei Geschäftsreisenden.

Durch Kostenmanagement und die Ausweitung des Flugangebots sanken die Stückkosten bei den Passagier-Airlines im zweiten Quartal um 33 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Sie liegen damit noch 8,5 Prozent über dem Vorkrisenniveau, aufgrund des nach wie vor deutlich reduzierten Angebots.

Das operative Gewinn der Passagier-Airlines verbesserte sich im zweiten Quartal deutlich auf -86 Millionen Euro (Vorjahr: -1,2 Milliarden Euro). Das Ergebnis wurde dabei zwischen April und Juni von Kosten für Unregelmäßigkeiten im Flugbetrieb in Höhe von 158 Millionen Euro belastet. Im ersten Halbjahr lag der Gewinn des Passagier-Airlines-Segments bei -1,2 Milliarden Euro (Vorjahr: -2,6 Milliarden Euro).

Heraus sticht das positive Ergebnis von Swiss. Die größte Fluggesellschaft der Schweiz erwirtschaftete im ersten Halbjahr einen operativen Gewinn von 45 Millionen Euro (Vorjahr: -383 Millionen Euro). Im zweiten Quartal lag er bei 107 Millionen Euro (Vorjahr: -172 Millionen Euro). Swiss profitierte vor allem von einer starken Buchungsnachfrage in Kombination mit Profitabilitätssteigerungen infolge der vollzogenen Restrukturierung.

Der operative Gewinn von Lufthansa Cargo stieg um 48 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 482 Millionen Euro (Vorjahr: 326 Millionen Euro). Im ersten Halbjahr erreichte das Unternehmen mit 977 Millionen Euro einen neuen Rekordwert (Vorjahr: 641 Millionen Euro).

Lufthansa Technik profitierte im zweiten Quartal 2022 von der weiteren Erholung des weltweiten Flugverkehrs und der damit steigenden Nachfrage nach Wartungs- und Reparaturleistungen der Airlines. Sie erwirtschaftete im zweiten Quartal einen operativen Geinn von 100 Millionen Euro (Vorjahr: 90 Millionen Euro). Für das gesamte erste Halbjahr erzielte das Unternehmen 220 Millionen Euro (Vorjahr: 135 Millionen Euro).

Die LSG Group profitierte im Berichtszeitraum insbesondere von Umsatzzuwächsen in Nord- und Lateinamerika. Trotz des Wegfalls der Zuschüsse im Rahmen des US Cares-Act erwirtschaftete die LSG Group ein einen operativen Gewinn von 1 Million Euro (Vorjahreszeitraum: 27 Millionen Euro). Für das gesamte erste Halbjahr sank er auf -13 Millionen Euro (Vorjahreszeitraum: 19 Millionen Euro).

Die Nettoverschuldung der Lufthansa-Gruppe sank zum 30. Juni 2022 auf 6,4 Milliarden Euro (31. Dezember 2021: 9,0 Milliarden Euro). Ende Juni 2022 standen dem Unternehmen liquide Mittel in Höhe von insgesamt 11,4 Milliarden Euro zur Verfügung (31. Dezember 2021: 9,4 Milliarden Euro). Damit liegt die Liquidität weiter deutlich über dem Zielkorridor von 6 bis 8 Milliarden Euro.

«Die Rückkehr in die Gewinnzone in einem Quartal, das auch durch hohe geopolitische Unsicherheit und steigende Ölpreise geprägt wurde, ist ein großer Erfolg», sagt Lufthansa-Finanzchef Remco Steenbergen.

Vor dem Hintergrund des rasanten Anstiegs des weltweiten Luftverkehrs rekrutiert die Lufthansa Group wieder Personal. Im zweiten Halbjahr 2022 wird das Unternehmen rund 5000 neue Mitarbeitende einstellen. Der überwiegende Teil der Neueinstellungen zielt darauf, den Personalbedarf in den operativen Bereichen angesichts der Ausweitung des Flugplans zu decken. Schwerpunkte sind dabei Cockpit und Kabine von Eurowings und Eurowings Discover, das Bodenpersonal an den Flughäfen, Lufthansa Technik und das Cateringpersonal der LSG. Eine ähnliche Anzahl von Neueinstellungen ist für das Jahr 2023 geplant.

Die Lufthansa-Gruppe erwartet auch für die restlichen Monate des Jahres eine anhaltend hohe Nachfrage nach Tickets. Aktuell liegen die Buchungen für die Monate August bis Dezember 2022 bei durchschnittlich 83 Prozent des Vorkrisenniveaus. Das Unternehmen setzt seine Kapazitätsausweitung trotz der zur operativen Stabilisierung vorgenommenen Flugstreichungen entsprechend fort und plant im dritten Quartal 2022 rund 80 Prozent der Vorkrisenkapazität anzubieten. Damit wird im Vergleich zum zweiten Quartal eine weitere deutliche Steigerung des operativen Gewinns im dritten Quartal erwartet, vor allem aufgrund anhaltender Ergebnisverbesserungen bei den Passagier-Airlines.

Für das Gesamtjahr 2022 plant die Lufthansa-Gruppe im Jahresschnitt weiterhin mit einer Kapazität der Passagier-Airlines von rund 75 Prozent. Trotz unverändert großer Unsicherheit, unter anderem im Hinblick auf weltwirtschaftliche und geopolitische Entwicklungen sowie den Fortgang der Corona-Pandemie, konkretisiert der Konzern seinen Ausblick und geht nun davon aus, einen operativer Gewinn von über 500 Millionen Euro im Gesamtjahr 2022 erreichen zu können.