Thomas Haagensen: «Wir waren schon 2012 bereit für BER.»

Interview Thomas Haagensen - Easyjet«Tegel offen halten macht keinen Sinn»

Die EU sagt Ja: Easyjet darf 25 Jets von Air Berlin übernehmen. Im Interview erklärt Easyjet-Europe-Chef Thomas Haagensen, was er in Berlin plant, warum er auf BER setzt und er keine Basis in Düsseldorf eröffnet.

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Easyjet hat die ersten 19 Strecken ab Berlin-Tegel angekündigt. Wie viele kommen im Sommerflugplan zusätzlich hinzu?

Thomas Haagensen*:  Die Übernahme von Teilen von Air Berlin ist ein komplexer Prozess. Er ist noch nicht abgeschlossen. Wir starten jetzt im Januar erst mal mit ausgewählten Flügen ab Tegel. Dabei haben wir uns auf innerdeutsche Verbindungen, Verbindungen nach Österreich und in die Schweiz sowie einige europäische Städteziele fokussiert. Noch ist es zu früh, um Details zum Sommerflugplan 2018 nennen zu können. Wir arbeiten noch daran. Die Transaktion mit Air Berlin muss erst endgültig abgeschlossen werden.

Die EU-Kommission hat anders als bei Lufthansa keine Vorbehalte angemeldet. Zufrieden?

Wir freuen uns über die positive Entscheidung aus Brüssel zur Übernahme. Wir waren aber auch zuversichtlich. Wir werden dank der Übernahme von 25 Flugzeugen von Air Berlin zwar in Berlin die Nummer eins sein. Unser Marktanteil ist aber trotzdem viel tiefer als anderswo. Es herrscht in Berlin auch danach noch viel Wettbewerb.

Könnten Sie sich vorstellen, mit den 25 Flugzeugen von Air Berlin auch anderswo in Deutschland auszubauen?

Wir haben die Strategie, dass wir an unseren Basen Nummer eins oder zwei sein wollen. Deshalb liegt unser Fokus nun auch auf Berlin. Die weitere Entwicklung bleibt abzuwarten.

Eine Basis in Düsseldorf ist für Sie kein Thema?

Nein, das ist jetzt kein Thema. Wir konzentrieren uns momentan auf Berlin, wo wir bereits zwei Basen haben.

Aber warum Berlin? Die Stadt gilt zwar als sexy, aber auch als arm...

Das stimmte einmal, heute ist es nicht mehr so. Zum einen ist Berlin eine sehr interessante Destination für Urlauber. Easyjet kann viele Reisende aus ganz Europa nach Berlin fliegen. Zudem siedeln sich immer mehr Unternehmen in der Stadt an, die Wirtschaft wächst dynamisch. Und die Bevölkerung wächst stetig. Das ist eine hervorragende Voraussetzung.

Einige Anbieter werden noch Chancen wahrnehmen, die sich ihnen in der deutschen Hauptstadt nun bieten.

Kritiker werfen Easyjet vor, das Feigenblatt bei der Air-Berlin-Übernahme zu sein, das helfe, Wettbewerb vorzutäuschen.

Es gibt in Berlin allgemein viel Konkurrenz und es wird auch noch mehr geben. Denn einige Anbieter werden noch Chancen wahrnehmen, die sich ihnen in der deutschen Hauptstadt nun bieten.

Vor allem Ryanair hat auch den Verkaufsprozess bei Air Berlin kritisiert und ihn als intransparent gebrandmarkt. Einige seien übervorteilt worden. Sehen Sie das auch so?

Der Prozess begann mit dem Insolvenzantrag. Wir stehen mit der Insolvenzverwaltung seit Beginn des Prozesses im August in Kontakt. Das hat nicht jeder getan.

Im Herbst 2018, vielleicht auch erst 2019, soll der neue Flughafen Berlin-Brandenburg eröffnet werden. Was bedeutet der Start von BER für Easyjet?

Mit der Eröffnung des neuen Flughafens werden wir nur noch eine Basis in Berlin betreiben. Wir waren schon 2012 bereit für diesen Schritt, denn wir unterstützen eine effiziente Nutzung der Infrastruktur. Wir werden in BER gut positioniert sein.

Bei Wechsel von zwei auf einen Flughafen ist kein Abbau geplant?

Nein, im Moment gibt es keine Pläne.

Easyjet möchte also nicht, dass Tegel offen bleibt?

Die Infrastruktur muss effizient sein. Das ist das Wichtigste. Wenn Tegel offen bleiben soll, dann müsste man sehr viel dort investieren. Das macht wenig Sinn, wenn eine andere effiziente Infrastruktur zur Verfügung steht.

Wenn Tegel offen bleiben soll, dann müsste man sehr viel dort investieren.

Easyjet hat als Schutz vor dem Brexit in Österreich die Tochter Easyjet Europe gegründet. Was sind da Ihre Pläne?

Der Brexit wird langsam konkret. Aktuell hat Easyjet Europe 20 Flugzeuge, kommenden April werden es schon 70 sein. Wir müssen ja bereit sein, alle Flüge in der EU auch künftig durchführen zu können. Am Ende dürfte die österreichische Tochter rund 110 Flugzeuge betreiben, zusammen mit den Fliegern von Air Berlin vielleicht auch mehr.

Hat die Wahl von Österreich für Easyjet auch Kostenvorteile?

Nein. Im Gegenteil. Ein zusätzliches Luftverkehrsbetreiberzeugnis (Englisch: Air Operator Certificate AOC) verursacht Mehrkosten. Und die Mitarbeiter bleiben ja alle weiterhin in den Ländern angestellt, in denen sich ihre Basen befinden – nach den lokalen Arbeitsgesetzen. Easyjet Europe ist einzig und allein unsere Versicherung gegen den Brexit.

* Thomas Haagensen (45) ist Chef von Easyjet in Deutschland, der Schweiz und Österreich sowie Chef von Easyjet Europe. Aufgewachsen in Genf als Sohn eines Dänen und einer Deutschen studierte Haagensen an der HEC Lausanne BWL. Seine Karriere begann er beim Verpackungsriesen Tetra Pak, bevor er 2008 zu Easyjet wechselte.

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