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«Wir haben aus Fehlern gelernt»

Flynonstop-Chef Espen Hennig-Olsen verrät im Interview, weshalb Berlin die falsche Startdestination war und wie er gegen SAS und Norwegian punkten will.

Flynonstop

Espen Hennig-Olsen: Will Flynonstop weiter ausbauen.

strong>Nach nur einem Monat stellten sie die Flüge nach Berlin und Paris wieder ein. Warum?
Espen Hennig-Olsen: Wir stellten sie nicht ein, wir haben die Strecken nur vorübergehend ausgesetzt. Wir verrechneten uns bei der Attraktivität von Städteverbindungen in den Sommermonaten. Nach dem langen, dunklen Winter wollen die Norweger einfach in den Sommer und an die Sonne. Daher entschlossen wir uns, öfter nach Nizza zu fliegen, statt nach Berlin und Paris. Im Herbst nehmen wir die beiden Destinationen aber wieder auf.

Ist Kristiansand wirklich die richtige Basis für Flynonstop?
Wir hatten fantastische Rückmeldungen aus der Region auf die Bekanntgabe unser Pläne. Kristiansand ist die fünfgrößte Stadt Norwegens und wegen der Lage an der Südspitze können wir von hier aus die schnellsten Direktflüge anbieten. Das Einzugsgebiet ist aber vielleicht nicht das allergrößte, das stimmt. Deshalb starten wir nun auch in Ålesund, von wo aus wir nach Nizza und St. Gallen-Altenrhein fliegen werden. Wir wollen allgemein in Gegenden wachsen, wo das Angebot noch unterentwickelt ist.

Die Auslastung ist aber noch ungenügend.
Sie ist recht unterschiedlich. Unsere beste Destination ist derzeit Dubrovnik, da kommen wir auf eine Auslastung von 55 Prozent. Nach Nizza erreichen wir 50 Prozent, auch die Flüge nach Barcelona sind recht gut besetzt. Im Moment erreichen wir im Schnitt 35 bis 40 Prozent. Das ist für eine sechs Wochen alte Fluggesellschaft wie Flynonstop nicht schlecht. Und die Buchungen für den Herbst sind vielversprechend. Da kommen wir schon jetzt auf 50 Prozent.

Ab 2014 wollen Sie neu St. Gallen-Altenrhein anfliegen. Sie begründen das mit dem Wintertourismus. Doch In Norwegen gibt es doch selbst genügend Skigebiete?
Ich weiß, es klingt als ob man den Bewohnern der Sahara Sand verkaufen möchte. Aber das Angebot an Pisten und Liften ist in der Schweiz und Österreich einfach viel größer. Zudem sind die Alpen für Norweger der Inbegriff für perfekten Skiurlaub. St. Gallen ist als Ausgangspunkt ideal, weil so viele Skigebiete in kurzer Zeit zu erreichen sind.

Sie prüfen nun auch Inlandsrouten. Da sind aber bereits Norwegian, SAS und Widerøe aktiv. Hat es da noch Platz für Flynonstop?
Das stimmt, es gibt Konkurrenz. Doch wir sind die einzigen, die Einhundertplätzer in der Flotte haben. Die anderen haben viel größere oder dann kleinere Flieger im Einsatz. Dadurch haben wir gerade bei mittelgroßen Destinationen Vorteile. Wir sehen dort Potenzial. Derzeit prüfen wir die Chancen und Risiken. Danach entscheiden wir.

Derzeit besitzt Flynonstop aber nur eine Embraer E190. Für einen Ausbau des Streckennetzes müssten Sie aufstocken.
Wir haben aus den anfänglichen Fehlern gelernt und erste Korrekturen vorgenommen. Zuerst müssen wir uns nun richtig etablieren. Das hat erste Priorität. Aber wenn wir sehen, dass die Nachfrage gut ist, werden wir ein weiteres Flugzeug kaufen. Denn es ist schwierig, eine Airline mit nur einem Flieger zu betreiben. Der Entscheid wird im Sommer fallen.

Sie machten Ihre Karriere im familieneigenen Unternehmen. Dreißig Jahre lang verkauften Sie Eis. Was ist anders, wenn man eine Fluggesellschaft führt?
Gar nicht so viel. Wenn die Qualität nicht stimmt und man nicht immer die Zufriedenheit des Kunden im Blick hat, dann kommt man nirgends hin. Das ist so bei Eis und es ist so bei Flugreisen. Was mich aber überraschte, ist wie langsam vieles in der Luftfahrt geht. Ich ärgere mich zum Beispiel auf jedem Flug über die miserable Tonqualität der Durchsagen. Die Flugbegleiter sprechen dabei in ein Telefon wie aus den Sechzigerjahren. Ich sagte mir: Das muss doch besser gehen und überlegte mir, weshalb sie keine drahtlosen Mikrofone auf sich tragen könnten um die Passagiere über eine moderne, gut klingende Anlage zu informieren. Aber das geht nicht – zumindest nicht schnell. Die Lieferfristen sind in der Branche oftmals unglaublich lang.



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