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Angeschlagene Airline

Die Reaktionen auf die Air-Berlin-Insolvenz

Air Berlin ist insolvent. Was Lufthansa, Etihad und Gewerkschaften dazu sagen und wie die Reaktionen bei Twitter ausfallen.

Aktualisiert vor 3 Jahren

aeroTELEGRAPH/Timo Nowack

Flieger von Air Berlin: Sollen weiterhin abheben.

Air Berlin hat beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung beantragt. Das sind die Reaktionen:

Lufthansa: Die größte deutsche Airline biete Air Berlin Hilfe an. Man unterstütze gemeinsam mit der Bundesregierung die Restrukturierungsbemühungen von Air Berlin, teilt die Lufthansa mit. «Damit wird unter anderem gewährleistet, dass die von Air Berlin geleasten Flugzeuge, die aktuell für Eurowings und Austrian Airlines fliegen, wie bisher weiterbetrieben werden können», schreibt die Fluggesellschaft. «Lufthansa befindet sich mit Air Berlin bereits in Verhandlungen über den Erwerb von Teilen der Air Berlin Gruppe und bietet damit auch die Möglichkeit zur Einstellung von Personal. Lufthansa beabsichtigt, diese Verhandlungen zu einem schnellen und positiven Ergebnis zu führen.»

Etihad: Der Air-Berlin-Hauptinvestor gibt sich enttäuscht. «Wir wurden darüber in Kenntnis gesetzt, dass Air Berlin einen Antrag auf Insolvenzverwaltung gestellt hat», teilt die Golfairline mit. «Diese Entwicklung ist sehr enttäuschend für alle Parteien, insbesondere da Etihad Air Berlin in den vergangenen sechs Jahren umfassende Unterstützung bei vorangegangenen Liquiditätsherausforderungen und Restrukturierungsbemühungen gewährt hat.» Im April habe man Air Berlin 250 Millionen Euro zusätzliche Mittel zur Verfügung gestellt und bei der Überprüfung strategischer Geschäftsoptionen unterstützt. «Allerdings hat sich das Geschäft Air Berlins rapide verschlechtert, was dazu führte, dass entscheidene Herausforderungen nicht bewältigt und alternative strategische Optionen nicht umgesetzt werden konnten», so Etihad. «Unter diesen Gegebenheiten kann Etihad als Minderheitsgesellschafter keine weitere Finanzierung leisten, welche unsere Verbindlichkeiten erhöhen.» Man sei weiterhin bereit, zu unterstützen, um «eine kommerziell gangbare Lösung für alle Beteiligten zu finden». Allerdings stellt die Airline aus Abu Dhabi klar: «Wir erwarten, dass Air Berlin während des Insolvenzverfahrens den Betrieb aufrechterhält.» Etihad unterhalte eine Geschäftsbeziehung zu Air Berlin, die auch Codesharevereinbarungen umfasse, und werde das Management weiter unterstützen.

Flughafen Düsseldorf: Man stehe mit Air Berlin in engem Kontakt und begrüße die Unterstützung der Bundesregierung sowie der Lufthansa, die die Sanierung der Air Berlin ermöglichen, erklärte Geschäftsführer Thomas Schnalke. «Gemeinsam mit der Air Berlin konzentrieren wir uns weiterhin darauf, das Fluggeschäft an unserem Standort auch in Zukunft erfolgreich zu gestalten.» Grundsätzlich sei Air Berlin ein langjähriger und wichtiger Partner des Düsseldorfer Airports, der sich auch in dieser Situation ungeachtet der derzeitigen Diskussionen sehr erfolgreich am Standort entwickelt. Die Airline fliegt etwa 30 Prozent des Geschäfts in Düsseldorf. Schnalke: «Zurzeit erleben wir eine schnelle und grundlegende Veränderung in der Airline-Welt. Was sich allerdings nicht verändert, ist die Stärke unserer Region, aus der ein stets wachsendes Bedürfnis nach internationaler Vernetzung entsteht. Dem entsprechen wir durch starke Partnerschaften mit unseren Airlines.»

Flughafen Berlin Brandenburg: Der Flughafenbetreiber versucht, die positiven Seiten zu sehen: «Die Flughafen Berlin Brandenburg GmbH begrüßt, dass Air Berlin den Flugbetrieb trotz des Insolvenzantrags vom heutigen Tage vollumfänglich aufrechterhalten wird», teilt die Flughafengesellschaft mit. Wichtig sei, dass die bereits eingeleiteten Restrukturierungsmaßnahmen erfolgreich fortgeführt würden. «Dabei ist von großem Vorteil, dass die Gespräche mit Lufthansa und einem weiteren Partner offenbar schon weit fortgeschritten sind und die Bundesregierung die Finanzierung bis auf weiteres sicherstellt.»

Vereinigung Cockpit: Die Vereinigung Cockpit (VC) nennt die Air-Berlin-Insolvenz einen Schock und begrüßt den Brückenkredit der Bundesregierung. «Natürlich steht die VC der Geschäftsführung jederzeit zu Gesprächen über die Zukunft der Arbeitsplätze zur Verfügung», sagt VC-Präsident Ilja Schulz. Es seien alle Voraussetzungen gegeben, um die Arbeitsplätze zu erhalten. Die Pilotenvereinigung sieht die Hauptursache in falschen strategischen Weichenstellungen in der Vergangenheit. «Da kann man schon mal die Frage stellen, wer davon profitiert hat, wenn zum Beispiel Leasinggeber an überteuerten Verträgen mit Air Berlin viel Geld verdienen, während das Unternehmen riesige Verluste angehäuft hat», so Schulz. Die Pilotenvereinigung wirft außerdem Hauptinvestor Etihad vor, keinen geregelten Übergang zu neuen Investoren zuzulassen, obwohl es Interessenten gebe. «Hier zeigen die Investoren vom Golf ihr wahres Gesicht», sagt der VC-Präsident. «Es ist ein Skandal, dass sich Etihad nun jeder Verantwortung entzieht und die Air Berlin-Mitarbeiter im Regen stehen lässt.»

Verdi: Die Gewerkschaft fordert Transparenz. «Das ist ein harter Schlag für die Beschäftigten von Air Berlin. Unsere Priorität liegt jetzt auf der Sicherung der Arbeitsplätze», sagt Verdi-Bundesvorstandsmitglied Christine Behle. «Air Berlin muss umfassend für Transparenz sorgen und alle notwendigen Informationen vorlegen.» Man erwarte von Air Berlin, dass vorrangig die Interessen der Beschäftigten berücksichtigt würden und das Unternehmen mit Hochdruck daran arbeitet, tragfähige Konzepte zu entwickeln, um möglichst viele Arbeitsplätze zu retten.



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