Die Embraer E170 von People's: Auch für die nächsten Jahren eingeplant.

Regionalflughafen und AirlineKann der Flughafen Altenrhein ohne People's überleben?

Die People's Air Group kämpft derzeit gleich an zwei Fronten. Einerseits leidet Österreichs einzige private Fluggesellschaft nach der Pandemie immer noch unter der geringen Nachfrage. Gleichzeitig macht es die Schweizer Politik Regionalairports nicht einfach.

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People's Airline ist einmalig in Europa. Der österreichische Investor Markus Kopf betreibt nicht nur den People's Airport in Altenrhein, sondern auch die dazugehörige Fluggesellschaft. Eine Konstellation dieser Art ist in der Flugbranche eher unüblich und trotzdem feiert man am 28. März bereits das dreizehnte Jubiläum der Fluglinie.

Der Grund für die Beständigkeit der Fluglinie lag in der Vergangenheit am hohen Anteil an Geschäftsreisenden auf der einzigen Linienverbindung zwischen Altenrhein und Wien. Doch gerade dieser Umstand kommt der Fluglinie derzeit ungelegen, leidet doch die ganze Reisebranche seit Covid an einer sinkenden Nachfrage nach Geschäftsreisen, wie People's-Geschäftsführer Thomas Krutzler im Gespräch mit aeroTELEGRAPH erklärt.

Nur die Hälfte der Flüge

«Insbesondere während der Corona-Zeit war es für uns aufgrund des geringen Geschäftsverkehrs sehr herausfordernd», sagt er. Nun stelle sich aktuell folgende Situation dar: «Wir bieten rund die Hälfte der Flüge wie vor Corona an und haben rund 50 Prozent weniger Passagiere als zuvor.» Anstatt wie noch im Jahr 2019 rund 90.000 Passagiere auf der Altenrhein- Wien Verbindung zu befördern, rechnet Thomas Krutzler aktuell mit rund 45.000 Passagieren.

Zusätzlich zur geringen Nachfrage nach Geschäftsflügen sorgt auch das verstärkte Bahnangebot für weiteren Druck: «Was wir erkennen, ist, dass das Thema des alternativen Reisens - und das betrifft nicht nur nicht die Menge, sondern auch die Art des Reisens», so Krutzler. Viele Reisende würden zum Beispiel eine Strecke mit dem Zug und eine mit dem Flugzeug zurücklegen.

Zu viele Online-Meetings

Auch die Tatsache, dass Unternehmen bei den Ausgaben für Geschäftsreisen sparen und gleichzeitig die Online-Meeting-Kultur eine verstärkte Gewichtung erfährt, zeige sich in der Nachfrageentwicklung. «Wir gehen deshalb auch auf absehbare Zeit nicht davon aus, dass sich bei der Nachfrage substanziell etwas ändern wird, weshalb wir auch zukünftig mit dem Angebot und Flugplan, welchen wir derzeit anbieten, planen müssen.»

Auf die Frage, ob sich der Linienbetrieb nach Wien trotzdem noch rechnen würde, gibt sich Thomas Krutzler zuversichtlich: «Bei der Wien-Verbindung bewegen wir uns am Break-Even. Wir sind davon überzeugt, dass wir das erreichen und bemühen uns, die letzten Rädchen zu drehen, damit uns dies nachhaltig gelingt.»

Situation bleibt schwierig

Die Situation bleibe aber schwierig, denn das Angebot auf der Wien-Zürich-Wien Verbindung hat stark zugenommen, seitdem die Swiss neben der Austrian Airlines wieder selbst die Strecke fliegt. Die beiden Anbieter fliegen hier fast schon im Stundentakt. Mit dieser Flexibilität für den Geschäftskunden werden wir nicht mithalten können.

People's-Eigentümer Markus Kopf. Bild: Martin Dichler/aeroTELEGRAPH.

Abseits der Linienverbindung nach Wien fliegt People‘s dieses Jahr sowohl im Wintercharter nach Dänemark, als auch zu insgesamt 13 Mittelmeer-Charterdestinationen: «Insgesamt rechnen wir mit rund 75.000 Passagieren, davon rund 30.000 Passagiere im Charter und der Rest auf der Linie. In einer Umsatzbetrachtung hat sich hier inzwischen doch einiges geändert.»

Keine Ablöse für Embraer geplant

Eine Ablöse für den einzigen Embraer 170 der Fluggesellschaft steht derzeit nicht im Raum. «Für den Moment stellt sich diese Frage nicht, noch nicht. Die nächsten Jahre kann der Embraer weiterbetrieben werden und die dafür notwendigen Investitionen für die Checks und Overhauls sind vorgesehen», so der Geschäftsführer.

Somit bleibt eigentlich nur noch die Frage, ob es einen People's Airport auch ohne Fluglinie geben könnte, sollte sich das Fluggeschäft einmal nicht mehr lohnen. Krutzler ist sich sicher, dass das der Fall wäre. «Mir ist dabei aber wichtig, die strategische Betrachtung der Situation zu sehen: Wir sind ein Infrastrukturanbieter und Aviatik-Dienstleister, der eine eigene Fluglinie betreibt, und nicht umgekehrt.»

Schweizer Politik macht Schwierigkeiten

Gleichzeitig sorgt aber eine andere Diskussion für eine gewisse Verunsicherung unter den Schweizer Regionalflughafen-Betreibern. «Eine vollumfängliche Pistensanierung haben wir auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Der Grund dafür liegt vorwiegend im politischen Umfeld, welches derzeit gewisse Unsicherheiten birgt.» So strebt die Schweizer Regierung etwa eine Überarbeitung der «Landkarte Luftfahrt Schweiz» an, worin eine gewisse dedizierte Rollenverteilung vorgesehen werden soll.

Wir sind hier – in enger Abstimmung mit den anderen Schweizer Regionalflughäfen - im engen Austausch mit den zuständigen Institutionen, insbesondere mit dem Ziel, die betroffenen Flughäfen als regionale Schlüsselinfrastruktur nachhaltig von den Bundesbehörden absichern zu lassen, sagt Krutzler. Wegen der Unsicherheiten habe man unter anderem Großinvestitionen wie eine Totalsanierung der Piste in Altenrhein zuletzt aufgeschoben.

Komplettschließung für zwei Wochen

Trotzdem plant man für eine gesicherte Zukunft des Standortes. «Aktuell sind wir an der Vor-Projektierung einer Sanierung, bei der der Deckbelag erneuert und die Tragfähigkeit der Piste verbessert werden soll», verrät der Manager. Des Weiteren werde eine Umstellung der Pistenbefeuerung geprüft, um so für die nächsten 10 bis 15 Jahre gerüstet zu sein. Erste erhöhte Pisten-Instandhaltungsarbeiten beginnen in diesem Jahr.

Für die Dauer von rund zwei Wochen könnte es dann im kommenden Jahr zu einer Komplettschließung der Piste kommen. Für die geplanten Arbeiten werde man voraussichtlich den verkehrsschwächeren Monat August wählen, so Krutzler.

Neues Hotel geplant

Eine weitere Aufwertung plant der Flughafen Altenrhein durch die Errichtung eines neuen Flughafenhotels im kommenden Jahr. Baustart des von Dorint betriebenen 130-Zimmer Hotels - samt Gewerbefläche, Restaurant und Tiefgarage - soll noch in diesem Jahr erfolgen, die Eröffnung ist gegen Ende 2025/Anfang 2026 geplant.

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