Test von Flugzeugsitzen: Nur männliche Dummies

Biologische Unterschiede ignoriertCrashtests finden in der Luftfahrt nur mit männlichen Dummies statt

Während in der Autoindustrie Tests mit weiblichen Dummies Pflicht sind, ist die Luftfahrt noch weit davon entfernt. Das hat auch Konsequenzen für die Sicherheit

Top-Jobs

DERTOUR Logo

Virtuelle Reisebetreuung (m/w/d)

Reiseveranstalter
DERTOUR Destination Services AG
Home Office
Vollzeit
Top jobs
Sparfell Logo

CAMO Engineer f/m/d (full time) in Vienna (Austria)

Vienna
Feste Anstellung
Business Aviation
SPARFELL Luftfahrt GmbH
Österreich
Vollzeit
Top jobs
DERTOUR Logo

Reiseleiter (m/w/d)

Reiseveranstalter
DERTOUR Destination Services AG
Griechenland
Spanien
Portugal
Top jobs
logo aerotelegraph rund

Journalist:in Militärluftfahrt und Verteidigung

Medien
aeroTELEGRAPH
Top jobs
Home Office

Zwar ist das Verhältnis von Männern und Frauen auf der Welt nahezu ausgeglichen. Laut Schätzungen aus dem Jahr 2022 sind etwa 50,3 Prozent der Weltbevölkerung männlich und 49,7 Prozent weiblich. Aber dennoch dominiert die männliche Position. Medikamente werden meist an Männern getestet. Crashtest-Dummies basieren meist auf einem durchschnittlichen Mann von 175 Zentimeter Körpergrößen und einem Gewicht von 78 Kilogramm.

In der Autoindustrie kommen zwar Frauen-Dummies zum Einsatz, doch meist sind es nur verkleinerte Männermodelle: Mit 149 Zentimetern und 49 Kilogramm entsprechen sie eher 12-jährigen Mädchen als erwachsenen Frauen. Erst 2022 entwickelten schwedische Ingenieure den ersten Dummy, der eine durchschnittliche Frau (162 cm, 62 kg) realistisch darstellt.

Sitze, Gurte und Notfallpositionen - Tests nur mit männlichen Dummies

Während in der Autoindustrie bei 25 Prozent aller Tests, die kleinen weiblichen Dummies verwendet werden, gibt es in der Luftfahrt nichts davon. Zu diesem Schluss kommt Natasha Heap, Programmdirektorin für den Bachelorstudiengang Luftfahrt an der University of Southern Queensland in Australia. Heap war 25 Jahre Flugkapitänin und promoviert aktuell im Bereich Flugsicherheit, berichtet das Portal The Conversation. Dabei vergleicht sie die Autoindustrie mit der Luftfahrt.

In der internationalen Luftfahrt ist regulatorisch ausschließlich der Einsatz erwachsener männlicher Dummies vorgeschrieben. Sitzen, Gurten und Notfallpositionen werden ausschließlich mit männlichen Dummies zertifiziert. Laut Heap gibt es keine Studien zu den Folgen für Frauen, obwohl bekannt ist, dass sie in Autos andere und oft schwerere Verletzungen erleiden.

Behörden folgen Empfehlungen der Ingenieurvereinigung

Damit werden biologische Unterschiede ignoriert. Dabei sind Frauen im Schnitt kleiner, haben schmalere Schultern, einen größeren Hüftumfang und eine andere Muskel- und Skelettstruktur als Männer. Weibliche Hormone sorgen zudem für lockere Bänder, was die Gelenkstabilität beeinflusst. Diese Unterschiede sind kein Detail, sondern entscheidend für die Wirksamkeit von Sicherheitsvorkehrungen, so Heap.

Internationale Sicherheitsbehörden, wie US-Luftfahrtbehörde FAA oder die europäische Easa stützen sich auf veraltete, männlich dominierte Testverfahren. Dabei folgen sie den Standards, die von der globalen Ingenieursvereinigung SAE International festgelegt wurden. Weibliche Dummies kommen dabei nicht vor.

Unabhängiger Luftfahrtjournalismus braucht Auftrieb. Bei aeroTELEGRAPH arbeitet ein Team erfahrener Luftfahrtjournalistinnen und -journalisten, das die Branche seit Jahren begleitet. Für den Preis von weniger als einem Cappuccino im Monat lesen Sie werbefrei – und helfen, dass wir weiter kritisch und fundiert berichten können.Jetzt hier klicken und abonnieren

Video

Das Doomsday Plane bei der Landung in Los Angeles. Rarer Vogel.
In Los Angeles tauchte erstmals seit Langem wieder eine Boeing E-4B öffentlich auf. Während der Ersatz für die Weltuntergangsflugzeuge der USA bereits entsteht, absolvierte der alternde fliegende Kommandoposten einen ungewöhnlichen Rundflug über das Land.
Stefan Eiselin
Stefan Eiselin
alaska airlines
Die amerikanische Fluggesellschaft ist Boeing-Kundin durch und durch. Das zeigte sie bisher auch auf jedem ihrer Flugzeuge - mit der Aufschrift Proudly All Boeing. Nun hat Alaska Airlines ihren Slogan angepasst.
Benjamin Recklies
Benjamin Recklies
alaska airlines 1282 ntsb boeing 737 max 9
Obwohl im Flug ein Loch im Rumpf einer Boeing 737 Max 9 von Alaska Airlines klaffte, landete die Crew das Flugzeug im Januar 2024 sicher. Jetzt klagt der Kapitän gegen den Flugzeughersteller.
Timo Nowack
Timo Nowack