Test von Flugzeugsitzen: Nur männliche Dummies

Biologische Unterschiede ignoriertCrashtests finden in der Luftfahrt nur mit männlichen Dummies statt

Während in der Autoindustrie Tests mit weiblichen Dummies Pflicht sind, ist die Luftfahrt noch weit davon entfernt. Das hat auch Konsequenzen für die Sicherheit

Top-Jobs

Pilatus Logo

Team Leader Account Management

Pilatus Flugzeugwerke AG
Vollzeit
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Flugzeughersteller
HahnAir

Compliance Monitoring Manager (all genders)

Hahn Air Lines GmbH
Vollzeit
Düsseldorf
Top jobs
Deutschland
Feste Anstellung
Luftfahrt
Etihad Job

Captain A320

Etihad Airways
Vollzeit
Abu Dhabi
Top jobs
United Arab Emirates
Feste Anstellung
Etihad Job

First Officer A320

Abu Dhabi
Feste Anstellung
Etihad Airways
United Arab Emirates
Vollzeit
Top jobs

Zwar ist das Verhältnis von Männern und Frauen auf der Welt nahezu ausgeglichen. Laut Schätzungen aus dem Jahr 2022 sind etwa 50,3 Prozent der Weltbevölkerung männlich und 49,7 Prozent weiblich. Aber dennoch dominiert die männliche Position. Medikamente werden meist an Männern getestet. Crashtest-Dummies basieren meist auf einem durchschnittlichen Mann von 175 Zentimeter Körpergrößen und einem Gewicht von 78 Kilogramm.

In der Autoindustrie kommen zwar Frauen-Dummies zum Einsatz, doch meist sind es nur verkleinerte Männermodelle: Mit 149 Zentimetern und 49 Kilogramm entsprechen sie eher 12-jährigen Mädchen als erwachsenen Frauen. Erst 2022 entwickelten schwedische Ingenieure den ersten Dummy, der eine durchschnittliche Frau (162 cm, 62 kg) realistisch darstellt.

Sitze, Gurte und Notfallpositionen - Tests nur mit männlichen Dummies

Während in der Autoindustrie bei 25 Prozent aller Tests, die kleinen weiblichen Dummies verwendet werden, gibt es in der Luftfahrt nichts davon. Zu diesem Schluss kommt Natasha Heap, Programmdirektorin für den Bachelorstudiengang Luftfahrt an der University of Southern Queensland in Australia. Heap war 25 Jahre Flugkapitänin und promoviert aktuell im Bereich Flugsicherheit, berichtet das Portal The Conversation. Dabei vergleicht sie die Autoindustrie mit der Luftfahrt.

In der internationalen Luftfahrt ist regulatorisch ausschließlich der Einsatz erwachsener männlicher Dummies vorgeschrieben. Sitzen, Gurten und Notfallpositionen werden ausschließlich mit männlichen Dummies zertifiziert. Laut Heap gibt es keine Studien zu den Folgen für Frauen, obwohl bekannt ist, dass sie in Autos andere und oft schwerere Verletzungen erleiden.

Behörden folgen Empfehlungen der Ingenieurvereinigung

Damit werden biologische Unterschiede ignoriert. Dabei sind Frauen im Schnitt kleiner, haben schmalere Schultern, einen größeren Hüftumfang und eine andere Muskel- und Skelettstruktur als Männer. Weibliche Hormone sorgen zudem für lockere Bänder, was die Gelenkstabilität beeinflusst. Diese Unterschiede sind kein Detail, sondern entscheidend für die Wirksamkeit von Sicherheitsvorkehrungen, so Heap.

Internationale Sicherheitsbehörden, wie US-Luftfahrtbehörde FAA oder die europäische Easa stützen sich auf veraltete, männlich dominierte Testverfahren. Dabei folgen sie den Standards, die von der globalen Ingenieursvereinigung SAE International festgelegt wurden. Weibliche Dummies kommen dabei nicht vor.

Unabhängiger Luftfahrtjournalismus braucht Auftrieb. Bei aeroTELEGRAPH arbeitet ein Team erfahrener Luftfahrtjournalistinnen und -journalisten, das die Branche seit Jahren begleitet. Für den Preis von weniger als einem Cappuccino im Monat lesen Sie werbefrei – und helfen, dass wir weiter kritisch und fundiert berichten können.Jetzt hier klicken und abonnieren

Video

Feuerwerk und Flugzeug: Keine gute Kombination.
Feuerwerk und Flugzeuge sind keine gute Kombination. Das zeigte sich am Flughafen Mundo Maya in Guatemala, als ein Airbus A320 von Avianca zur Landung ansetzte.
Laura Frommberg
Laura Frommberg
Der neue Honda Jet: Die Maschine heißt ab sofort Echelon.
Der japanische Businessjet-Hersteller vermeldet Fortschritte beim Bau der ersten Echelon-Maschine, muss aber gleichzeitig eine deutliche Verzögerung einräumen. Erstflug und Zulassung verschieben sich um bis zu drei Jahre.
Benjamin Recklies
Benjamin Recklies
Airbus A320 Neo wird bei Tarmac Aerosave zerlegt: Das Unternehmen erweitert seine Zerlegungskapazitäten.
Eigentlich könnten sie noch Jahrzehnte fliegen. Trotzdem werden derzeit auffällig viele junge Airbus A220, A320 Neo und Boeing 737 Max zerlegt. Warum?
Benjamin Recklies
Benjamin Recklies