FassrolleKönnen Flugzeuge auf dem Kopf fliegen?

Vor 50 Jahren absolvierte Boeings damaliger Chefpilot mit einer B707 ein ungewöhnliches Manöver. Könnten heutige Passagierflugzeuge auch noch solche Fassrollen fliegen?

Top-Jobs

DERTOUR Logo

Reiseleiter (m/w/d) am Flughafen Mallorca

Mallorca
Feste Anstellung
Reiseveranstalter
DERTOUR Destination Services AG
Spanien
Top jobs
Hahnair

Kapitän C680A (all genders) mit Zusatzaufgaben

Düsseldorf
Feste Anstellung
Hahn Air Lines GmbH
Deutschland
Vollzeit
Top jobs
Hahnair

Deputy Continuing Airworthiness Manager (all genders)

Düsseldorf
Feste Anstellung
Hahn Air Lines GmbH
Deutschland
Vollzeit
Top jobs
Aero Bildungs Logo

Ausbilder / Technischer Trainer (m/w/d) für Fluggerätelektronik / Avionik / Cat B2 – Luftfahrttechnik

AERO-Bildungs GmbH
Oberpfaffenhofen
Feste Anstellung
Deutschland
Vollzeit
Top jobs

Konzernchef Bill Allen wusste nichts. Und hätte er es gewusst, hätte er wohl Nein gesagt. Doch Boeings legendärer Chefpilot Alvin «Tex» Johnston fragte gar nicht erst, sondern tat es. Sein Arbeitgeber war 1952 mit der Entwicklung der Boeing 367-80 ein hohes Risiko eingegangen. Es war das erste Strahlflugzeug der Amerikaner. Und die Konkurrenz aus Großbritannien hatten mit ihrer De Havilland Comet eher schlechte Erfahrungen gemacht. Zahlreiche Unfälle sorgten für einen schlechten Ruf der Düsenflugzeuge im Passagierverkehr.

Das wollte Johnston ändern. Immerhin hatte Boeing 144 Millionen Dollar in das Projekt 367-80 investiert - das war so viel wie die gesamten Gewinne seit 1945. Der Chefpilot war sich bewusst, dass er etwas Spektakuläres tun musste, um die Öffentlichkeit vom Flugzeug zu überzeugen. Während eines Schaufluges im August 1955 machte er mit dem Flugzeug, aus dem später die Boeing 707 wurde,  mehrere Fassrollen, im Jargon Barrel Rolls genannt. Dabei dreht es sich um die eigene Achse.

Das Manöver gelang und gilt bis heute als Meisterleistung

Das Manöver gelang. Konzernchef Allen hatte zwar das Gefühl, sein Chefpilot sei durchgeknallt und bekam Herzflattern, aber der Erfolg gab Johnston recht. Die Boeing 707 revolutionierte die Luftfahrt. Bis heute gilt das Manöver von 1955 als fliegerische Meisterleistung auch wenn einige behaupten, Fassrollen habe man bei Testflügen des Öfteren gemacht.

Auch eine Concorde machte einmal eine volle Fassrolle. 1977 flogen Aérospatiale-Chef-Testpilot Jean Franchi und British-Airways-Chefpilot Brian Walpole für Lärmtests nach New York. Unterwegs fragte der Franzosen seinen britischen Kollegen,  ob er ein solches Manöver machen solle. Und er tat es. Franchi machte die Fassrolle in die eine Richtung, Walpole danach in die andere. «Kein Warnlicht ging an, nichts ging kaputt» schwärmte er danach.

Linienpiloten sind nicht ausgebildet, Fassrollen zu fliegen

Wäre eine solche Fassrolle auch mit heutigen Passagierflugzeugen noch möglich? Die Antwort lautet so, wie die Antworten des sprichwörtlichen Radio Eriwan. «Im Prinzip Ja, aber...». Es wäre sicherlich möglich, erklärt Christoph Regli, Leiter des Studiengangs Aviatik an der ZHAW School of Engineering im schweizerischen Winterthur und ehemaliger Linienpilot. «Aber die Vorschriften lassen es nicht zu.»

Faktisch belastet eine Fassrolle ein modernes Flugzeug nicht zu stark. Die Kräfte, die auf die Maschine wirken, betragen je nach Quelle 0,2 bis 1,5 G. «Es ist nicht davon auszugehen, dass da strukturelle Überbelastungen auftreten würden» so Regli. Es gebe aber unzählige andere Systeme, welche nach dem Manöver nicht mehr richtig funktionieren könnten, so der Experte. Dazu gehörten die Navigation, Schmiersysteme oder allgemein Systeme mit Flüssigkeiten oder auch die Treibstoffzufuhr.

Mit einer Dornier Do328 «perfekt» gelungen

Darum verhindern moderne Flieger auch, dass sie über 60 Grad zur Seite gerollt werden können. Airbus hat etwa eine so genannte Bank Angle Protection eingebaut, welche keine höheren Rollwinkel zulässt. Allerdings lässt sich diese abschalten, wenn man das Risiko eingehen will. Dafür müsste man gemäß Regli aber sehr hohe Flugfähigkeiten haben. «Ein Linienpilot ist nicht ausgebildet, ein solches Manöver zu fliegen.»

Mit einer kleineren Maschine wurde eine Fassrolle in den letzten Jahren zumindest in der Praxis umgesetzt: Die Piloten einer Dornier Do328  der ehemaligen Air Engiadina flogen das Manöver im Mai 1996 über dem Thunersee. Die Untersuchungsbehörde stellte fest, dass das illegal gewesen sei für diesen Flugzeugtypen. Das Manöver sei aber «perfekt ausgeführt; worden. Die beiden Piloten wurden verwarnt und mussten die teure Untersuchung des Flugzeuges danach bezahlen.

Und noch einer hat das Manöver gemeistert. Denzel Washington im Hollywood-Streifen «Flight» von 2012. Sehen Sie selbst:

Mehr zum Thema

boeing 787 air new zealand imtow

Boeing 787-9 und -10 haben jetzt mehr Reichweite - und das ist für Boeing eine doppelt gute Nachricht

ticker-boeing-1

Erholung bei Verkehrsflugzeugen braucht länger - Boeing startet vorerst kein neues Flugzeugprogramm

ticker-boeing-1

Boeing erhält weiteren Auftrag für Wartung von Apache-Hubschraubern

Boeing KC-135 Stratotanker: Über dem Irak abgestürzt.

Boeing KC-135 der USA über Irak abgestürzt

Video

Tecnam P2012 VIP von außen: Der Innenraum ist neu.
Tecnam will mit der P2012 als VIP-Version einen neuen Markt erobern - dank italienischem Design, Alcantara-Interieur und Espressomaschine an Bord. Doch es gibt einen Dämpfer.
Benjamin Recklies
Benjamin Recklies
lufthansa neue uniformen 23
Sie wurde gemeinsam mit Hugo Boss entworfen: Zum ersten Mal seit 24 Jahren präsentiert Lufthansa eine neue Uniform. aeroTELEGRAPH war bei der Vorstellung in Frankfurt dabei.
Timo Nowack
Timo Nowack
Saab Global Eye: Basis ist eine Bombardier Global 6000/6500.
Wie kann eine rohstoffreiche und strategisch immer wichtigere Region wie die Arktis überwacht und im Ernstfall verteidigt werden, angesichts klirrender Kälte und riesiger Ausdehnung? Hersteller wie Boeing, IAI und Northrop Grumman buhlen mit ihren Systemen um Kunden. Ihr härtester Konkurrent kommt aber aus Europa: Saab GlobalEye.
gerard al fil
Gérard Al-Fil