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Fraport mit fast 700 Millionen Verlust

Die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie haben das abgelaufene Geschäftsjahr des Flughafenbetreibers stark belastet. Angesichts des Einbruchs des Passagieraufkommens in Frankfurt und an den internationalen Konzernflughäfen reduzierte sich der Konzern-Umsatz um mehr als die Hälfte auf auf 1,68 Milliarden Euro. Das Konzernergebnis von Fraport war trotz umfassender Einsparmaßnahmen erstmals seit fast 20 Jahren negativ und lag bei minus 690,4 Millionen Euro. «Wir blicken auf ein extrem herausforderndes Jahr zurück. Doch wir sehen Licht am Ende des Tunnels. Mit dem Fortschreiten der Impfprogramme und den mittlerweile vorhandenen Testmöglichkeiten kann der Luftverkehr spätestens ab dem Sommer wieder anlaufen. Die Menschen wollen wieder verreisen, und die Airlines stehen bereit, ihre Kapazitäten hochzufahren. Gleichzeitig haben wir unser Unternehmen schlanker und effizienter aufgestellt. Wir werden gestärkt aus dieser historischen Krise hervorgehen», kommentiert Vorstandsvorsitzender Stefan Schulte.

Das Passagieraufkommen in Frankfurt ging gegenüber dem Vorjahr um 73,4 Prozent auf 18,8 Millionen Reisende zurück. Auch an allen internationalen Beteiligungsflughäfen waren die Passagierzahlen deutlich rückläufig. Die Rückgänge gegenüber dem Vorjahr lagen zwischen 34 Prozent in Xi’an und 83 Prozent in Ljubljana.

Der operative Aufwand (Material- und Personalaufwand sowie sonstige betriebliche Aufwendungen) konnte – bereinigt um Aufwendungen für personalwirtschaftliche Maßnahmen – deutlich um knapp ein Drittel reduziert werden. So konnte Fraport mit 48,4 Millionen Euro ein leicht positives Konzern-Betriebsergebnis vor Steuern und Abschreibungen vor Sondereinflüssen erzielen (minus 95,9 Prozent). Unter Berücksichtigung der Aufwendungen für personalwirtschaftliche Maßnahmen in Höhe von 299 Millionen Euro lag das Konzern-Betriebsergebnis vor Steuern und Abschreibungen bei minus 250,6 Millionen Euro (2019: 1,18 Milliarden Euro). Das Betriebsergebnis lag bei minus 708,1 Millionen Euro (2019: 705,0 Millionen Euro) und das Konzern-Ergebnis belief sich auf minus 690,4 Millionen Euro (2019: 454,3 Millionen Euro).

Als Reaktion auf die COVID-19-Pandemie hat Fraport auf allen Ebenen angesetzt, um Kosten zu reduzieren. Durch die Streichung betrieblich nicht zwingend notwendiger Ausgaben spart das Unternehmen jährlich Sachkosten zwischen 100 und 150 Millionen Euro. Zugleich wurden Investitionen vor allem am Standort Frankfurt reduziert oder gestrichen, wodurch sich die entsprechenden Ausgaben mittel- bis langfristig um eine Milliarde Euro reduzieren.

Neben den sofort greifenden Sparmaßnahmen hat Fraport umfassende organisatorische und strukturelle Anpassungen vorgenommen und angestoßen. Rund 300 Einzelmaßnahmen tragen dazu bei, Prozesse zu vereinfachen, Aufgaben zu bündeln und Abläufe flexibler zu gestalten. Durch den sozialverträglichen Abbau von rund 4000 Arbeitsplätzen überwiegend bis Ende 2021 werden die Personalkosten um bis zu 250 Millionen Euro gegenüber 2019 verringert. Rund 2200 der geplanten Austritte wurden im Laufe des vergangenen Geschäftsjahres bereits realisiert. Etwa 1600 Beschäftigte verlassen das Unternehmen durch Abfindungen, Altersteilzeit und weitere Maßnahmen. Darüber hinaus wird weiterhin die natürliche Fluktuation genutzt.

Zur vorübergehenden Senkung der Personalkosten setzt Fraport unverändert auch auf Kurzarbeit. Im vergangenen Jahr waren seit dem zweiten Quartal rund 80 Prozent der Stammbeschäftigten der Fraport und der wesentlichen Konzern-Gesellschaften am Standort Frankfurt gemessen an den verfügbaren Stunden zu durchschnittlich etwa 50 Prozent in Kurzarbeit. Hierdurch ist weiterhin die notwendige Flexibilität vorhanden, den Personaleinsatz beim Wiederanlaufen des Verkehrs schnell hochzufahren.

Fraport hat im vergangenen Jahr rund 2,9 Milliarden Euro an zusätzlicher Finanzierung aufgenommen. Mit liquiden Mitteln sowie zugesicherten Kreditlinien und Finanzierungen von über drei Milliarden Euro ist das Unternehmen gut aufgestellt, um die aktuelle Krise zu bewältigen und gleichzeitig im notwendigen Umfang in die Zukunft zu investieren. Fraport wird auch weiterhin den Kapitalmarkt nutzen, um das hohe Liquiditätsniveau zu halten.

Für das laufende Jahr rechnet der Vorstand für den Flughafen Frankfurt mit einem Passagieraufkommen von unter 20 bis 25 Millionen. Der Umsatz wird bei rund 2 Milliarden Euro erwartet. Für das Konzern-Betriebsergebnis vor Steuern und Abschreibungen geht das Unternehmen von einer Bandbreite zwischen rund 300 bis 450 Millionen Euro aus. Das Ergebnis wird negativ erwartet. Er werde sich aber gegenüber 2020 deutlich verbessern, so Fraport.