Letzte Aktualisierung: 16:11 Uhr

Selber fliegen

Fliegen im Winter

Winter - Hochsaison in den europäischen Skigebieten und Nebensaison der Fliegerei. Doch warum eigentlich, wo Fliegen bei kalten Temperaturen doch eigentlich angenehmer ist?

Wingly

Winterlandschaft: Der Winter belohnt Piloten mit traumhaften Aussichten.

Keine einzige Turbulenz auf meinem kürzlichen Wingly-Flug von Berlin Strausberg (EDAY) nach Hamburg (EDDH). Der Grund ist simpel: kalte Luft kann eine höhere Dichte aufweisen. Somit liegt das Flugzeug, im wahrsten Sinne des Wortes, schlicht in der dichten Luft. Sichtweiten von über 100 Kilometer runden das ganze Paket ab.

Doch der Winter hat auch seine Tücken. Nicht jeder sonnige Wintertag eignet zum Fliegen. Welche Maßnahmen treffen Piloten, wenn es in der kalten Jahreszeit in die Cessna oder Diamond Aircraft geht?

Gründliche Vorflugkontrolle

In der letzten Kolumne sprachen wir bereits über die Vorflugkontrolle und die vielen Checklisten-Punkte, die vor einem Flug abgearbeitet werden müssen. Doch im Winter bekommt dieses Thema noch einmal eine völlig neue Bedeutung. Am wichtigsten ist es, sich Zeit zu nehmen. Bei Kälte dauern Dinge meist etwas länger.

Die Tage sind kürzer, aufsteigender Nebel in den Abendstunden verhindert – das im Sommer übliche – fliegen in den Sonnenuntergang oder in der Dämmerung. Die Kälte zehrt an einem. Man möchte schnell alles checken und in das Luftfahrzeug steigen.

Stete Überwachung der Temperatur

Technische Vorbereitung kann den Flug jedoch angenehmer gestalten. So kann man beispielsweise den Motor und Kühl- sowie Ölkreisläufe vorwärmen und den Ladestrom der Batterie erhalten. Ist die Maschine dann erst einmal vorbereitet und warm gelaufen, so ist eine stete Überwachung der Temperatur wichtig. Vor dem Start sowie in der Luft sollte man dann natürlich schauen, dass alles auf ordentlicher Betriebstemperatur läuft.

Die Anekdote, welche jeder Flugschüler und Mitflieger bei winterlichen Abenteuern schon einmal gehört und nicht für Ernst genommen hat. Doch schauen wir uns einmal ein Beispiel an einem regionalen Flugplatz an. Der aargauische Regionalflugplatz Birrfeld, unweit Zürich, liegt auf einer Erhebung von 396 Metern über dem Meeresspiegel, es herrschen minus 4 Grad Celsius Außentemperatur. Die Standardtemperatur für die Platzhöhe liegt bei 11 Grad, ergibt also eine Abweichung von minus 15 Grad.

Berge erscheinen höher

Pro Grad muss die Flughöhe um 0,4 Prozent korrigiert werden – bei kälteren Temperaturen nach unten, bei wärmeren nach oben. Macht also eine Abweichung der Höhe von 6 Prozent, die vorliegt und somit die Berge höher erscheinen lässt. Diesen Fehler möchte man nicht eingehen und stellt so brav seine Instrumente ein.

Wenn einem dann die Berge schon näher erscheinen und man näher um ihre Gipfel herumfliegt, möchte man sicherlich nicht die frostigen Temperaturen in seinem Cockpit haben. Aber nur mit Heizungsluft sollte man dann auch nicht fliegen. Ein wenig Frischluft von Außen tut zwischendurch auch einmal ganz gut. Ebenso wie ein guter Rutsch ins neue Jahr, den ich allen Leserinnen und Lesern wünsche. In diesem Sinne – always happy landing auch 2017!

Lars Klein ist freier Kolumnist von aeroTELEGRAPH. Er ist Mitgründer der Mitflugzentrale Wingly. Privatpiloten werden mit Gästen vernetzt, um Leidenschaft aber auch die Kosten des Fliegens zu teilen. Heute fliegt Klein regelmäßig in der Cessna (mit) durch Europa. Vorher war er weltweit als selbstständiger Web-Dienstleister tätig. Die Meinung der freien Kolumnisten muss nicht mit der der Redaktion übereinstimmen.



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