Verleasen statt Linienflug: Steht Intersky vor einem neuen Geschäftsmodell?

Intersky: «Ganz normaler Vorgang»

Die Fluglinie verleast ihre neuen Flieger an Konkurrenten. Und sie setzt auf eigenen Strecken fremde ein. Die Branche ist verwirrt. Nun klärt Intersky auf.

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Luftfahrt

«Eine neue Ära beginnt», schrieb Intersky im Januar mit Ausrufezeichen. Damals traf die erste von zwei fabrikneuen ATR 72-600 an der Basis Friedrichshafen ein. Doch nun least die Regionalfluggesellschaft nach einem Bericht der Wirtschaftspresseagentur immer häufiger fremde Flugzeuge, um ihre Strecken zu bedienen. Die eigenen Flugzeuge werden im Gegenzug offenbar vermietet. Für einen Monat soll etwa eine Maschine an die dänische Jet Time abgegeben werden.

So fliegt Intersky die erst im April 2013 aufgenommene Strecke von Salzburg nach Zürich seit einiger Zeit nicht mehr mit einer eigenen Maschine, sondern hat dafür vom ungarischen Anbieter Budapest Aircraft Service eine Embraer 120 mit 30 Sitzplätzen gemietet. Die Gesellschaft übernimmt für andere Fluglinien ganze Strecken mit einem eigenen Flugzeug und Personal.

Neue Strecken nicht sehr beliebt?

Die nun gemietete Turboprop-Maschine hat weniger als die Hälfte der Sitzplätze der ATR 72-600. Das sei ein Zeichen dafür, dass die Strecke doch nicht so ganz in die Gänge kommt, vermuten Kenner der Verhältnisse. «Es stellte sich heraus, dass die Strecke eine längere Anlaufzeit benötigt, auch weil kein Interline-Abkommen mit Swiss geschlossen werden konnte», bestätigt denn auch Intersky-Sprecher Roger Hohl gegenüber aeroTELEGRAPH.

Ein recht ähnliches Bild bietet sich auf den Strecken ab Karlsruhe. So fliegt Intersky die ab dort nicht mit einer eigenen ATR 72-600, sondern mit einer von der deutschen Avanti Air gemieteten ATR 72-200. Die hat allerdings gleich viele Sitzplätze.

Erhebliche Anlaufkosten durch neue Flugzeuge

Diese Flottenpolitik wird insbesondere deswegen mit Erstaunen wahrgenommen, weil die neu angeschafften ATR 72-600 einen Stückpreis von rund 22 Millionen Dollar haben. Dazu kommen erhebliche Anlaufkosten für die Umschulung und Ausbildung der Piloten. «In den vergangenen Monaten wurden Dutzende Piloten, Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter sowie Techniker auf den neuen Flugzeugtyp umgeschult», schrieb Intersky im Januar.

Warum also setzt Intersky die neuen Maschinen nicht auf eigenen Strecken ein? In der Luftfahrtbranche gibt es dafür nur eine mögliche Erklärung: Intersky ist drauf und dran, ihr Geschäftsmodell schrittweise zu ändern, denn im regionalen Linienflugverkehr ist bekanntermaßen nur noch schwer Geld zu verdienen. «Von einer bewussten Änderung des Geschäftsmodells würde ich nicht sprechen wollen», wiegelt Sprecher Hohl ab. «Wir freuen uns über das rege Interesse an Intersky und versuchen der Nachfrage - nebst dem Liniengeschäft also auch Charter und Wet Lease - gerecht zu werden. Das ist ein ganz normaler Vorgang wie ihn jedes wirtschaftlich orientierte Unternehmen vollzieht.»

Kräftige Nachfrage im Charter-Geschäft

Und wirtschaftlich ist gerade das Verleasen von Flugzeugen an andere Gesellschaften. In diese Richtung passt auch das Statement von Intersky von Ende September 2013, als die Aufstockung der Flotte mit der Embraer 120 mit der «weiterhin kräftigen Nachfrage im Charter-Geschäft» begründet wurde. Vom Linienverkehr war dabei keine Rede.

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