Letzte Aktualisierung: 1:19 Uhr

Neuer Bombardier-Flieger

Warum der C-Series-Anflug auf London City anders ist

Swiss fliegt als erste Fluggesellschaft mit dem neuen Bombardier-Flieger nach London City. Der Anflug fühlt sich mit der C-Series anders an. Die Gründe.

aeroTELEGRAPH

C-Series in London City: Der modernste Flieger am Stadtairport.

Ganz kurz herrscht bei einigen Passagieren von Swiss-Flug LX466 am 8. August Verwirrung: «Weißt Du, was die hier machen?», fragt eine Frau ihren Mann nach der Landung und zeigt auf zwei Feuerwehrwagen, die das Flugzeug empfangen. Noch bevor sich der Begleiter Gedanken machen kann, klärt Peter Koch per Durchsage auf: «Es freut uns sehr, dass Sie bei einem historischen Flug dabei waren», sagt er durchs Mikrofon.
Begrüßung durch die Feuerwehr. 

Koch ist Flottenchef der Bombardier-C-Series bei Swiss. Und die Feuerwehrautos begrüßten am Dienstag den ersten Passagierflug mit dem neuen Flugzeug am London City Airport. Dass die Passagiere erst nach der Landung davon erfuhren, lag auch daran, dass man nicht für unnötige Nervosität sorgen wollte. Der Flughafen in der britischen Metropole ist nicht nur wegen seiner enorm zentralen Lage im Finanzzentrum etwas besonderes. Wer dorthin fliegen will, braucht auch spezielle Flugzeuge und speziell ausgebildete Piloten.

Steilere Landung

Denn da London City von Hochhäusern umgeben ist, müssen Flugzeuge aus Lärmschutz- und Sicherheitsgründen steiler landen als an anderen Flughäfen. Normalerweise fliegt man beim Anflug mit einem Gleitpfad von 3,5 Grad. In London City muss er 5,5 Grad betragen. Eine weitere Herausforderung ist die mit 1500 Metern sehr kurz Piste am Stadtflughafen. Für den so genannten Steep Approach brauchen die Crews daher eine eigene Lizenz.

Ein bisschen, als würde man auf einem Flugzeugträger landen

Ein Kernteam von acht Piloten wurde bei Swiss monatelang speziell dafür geschult. Nun werden nach und nach weitere Piloten auf die C-Series-Steilanflüge in London City zertifiziert. Rund 30 Piloten werden das anfänglich sein, erzählt Koch. Ihm sei wichtig, dass zunächst einmal eine ausgewählte Gruppe mehr Erfahrung sammle, als dass es viele Piloten mit weniger Erfahrung seien.

London City ist von Wasser umgeben

Nicht nur die Piloten, auch das Flugzeug musste im Fall der C-Series für den Anflug zertifiziert werden. «Die CS100 ist das weltweit einzige Linienflugzeug, welches speziell für anspruchsvolle Flughäfen gebaut wurde», sagt Rob Dewar, der bei Bombardier für das C-Series-Programm zuständig ist.

«Es ist ein bisschen, als würde man auf einem Flugzeugträger landen», beschreibt Flottenchef Koch den Anflug auf LCY, so der Iata-Code des Airports. Denn der Flughafen ist zusätzlich zum Steilanflug und der kurzen Piste auch noch von Wasser umgeben. Aber: Der Anflug mit der C-Series fühle sich ganz anders an als mit den bisher von Swiss geflogenen Avros: Bei den Bombardier-Jets ist dank der Störklappen an der Oberseite der Tragflächen das Gefühl des Sinkens weniger stark als bei den kleinen Vierstrahlern, in denen man teils fast schon nach vorne in den Gurt gedrückt wurde. Für ängstliche Passagiere ist das sicher ein Plus, einige Flugzeugfans dürften das spezielle Gefühl vermissen.

Flottenchef Peter Koch erklärt, warum der Anflug etwas so Besonderes ist. (Bild: aeroTELEGRAPH)

Das größte Flugzeug

Die C-Series ist das bisher größte Flugzeug, das für den Flughafen zugelassen ist. Bei Swiss ersetzt sie die kleineren Avro-Jets, die ebenfalls nach LCY fliegen durften und liebevoll auch Jumbolino genannt werden. Derzeit befinden sich in der Flotte von Swiss acht CS100 und zwei größere CS300. Insgesamt hat die Airline zehn kleinere und zwanzig größere C-Series bestellt.

Nur die kleinere Variante ist allerdings für den Flughafen City zertifiziert – noch. Ausschließen wollen weder die Verantwortlichen am Flughafen noch Swiss selbst nichts. «Schließlich hätte früher auch niemand gedacht, dass die Embraer E190 einmal nach City fliegt», sagt Koch und schmunzelt.

Flughafen baut aus

Zunächst wird die Maschine einen täglichen Umlauf von Zürich aus absolvieren. Die restlichen werden von Helvetic Airways mit Embraer 190 im Wet Lease geflogen. Ab 2018 soll der neue Flieger dann auch ab Genf ins britische Finanzzentrum fliegen. Zunächst verkauft Swiss nur 91 Tickets pro Flug, damit eine sichere Landung auf der kurzen Piste bei allen Bedingungen möglich ist. Doch der Plan ist, gegen Ende August auf 108 Tickets hochzufahren. Die maximale Besetzung – allerdings ohne Business-Class – liegt bei 125 Plätzen.

Wann die Anzahl der täglichen Flüge mit der C-Series nach London City hochgefahren wird, hängt auch vom Flughafen ab, denn aufgrund seiner besonderen Lage gibt es dort auch Einschränkungen in Sachen Platz. Insgesamt hat der Flughafen drei Parkplätze, die für Flugzeuge dieser Größe geeignet sind. Unter anderem parkt dort auch der Airbus A318 von British Airways, der in reiner Business-Bestuhlung nach New York fliegt. In den kommenden Jahren will London City aber nach und nach ausbauen und mehr Parkplätze für große Flugzeuge zur Verfügung stellen.

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