Letzte Aktualisierung: 20:36 Uhr

Tupolev Tu-160

Superreiche wollen Bomber als Businessjet

Tupolev erhält immer wieder Anfragen, einen Businessjet auf Basis des Überschallbombers Tu-160 zu entwickeln. Dabei gibt es große Hindernisse.

Die Tupolev Tu-160 gilt als Nonplusultra der russischen Militärtechnologie. Der strategische Schwenkflügel-Überschallbomber, der von der Nato ehrfurchtsvoll Blackjack genannt wird, hält zahlreiche Rekorde. Er ist das größte und schwerste Flugzeug, das zweifache Schallgeschwindigkeit erreichte. Im Falle eines Atomkrieges wäre die Tu-160 das Rückgrat der russischen Luftstreitkräfte.

Kein Wunder, weckt ein solcher Flieger auch bei den Superreichen Begehrlichkeiten. «Wir bekommen immer wieder Anfragen von wichtigen Geschäftsleuten, die sich ein privates Überschallflugzeug auf Basis der raketenbestückten Tupolev Tu-160 oder des Langstreckenbombers Tupolev Tu-22M3 wünschen», sagte Chefdesigner Valery Solozobov, gegenüber der russischen Nachrichtenagentur Tass. Unter anderem seien bei Tupolev Anfragen eines arabischen Scheichs, eines Australiers und eines Griechen eingegangen.

Tupolev sagt «Njet!»

Doch die Anfragen seien allesamt abgelehnt worden, so Solozobov. Zwar sei eine Umwandlung technisch möglich. Doch es gibt große Hindernisse. «Die Tupolev Tu-160 in eine Passagiermaschine umzubauen, wäre sehr teuer.» Selbst die Entwicklung eines völlig neuen Flugzeugs käme billiger, als die Verwendung des Know-hows aus der Entwicklung der Tu-160, sagte Solozobov.

So seien zum Beispiel die Schwenkflügel für einen Businessjet nicht unbedingt geeignet. Und das ist noch nicht alles: «Die meisten Technologien, die in der Tu-160 eingesetzt werden, sind geheim. Es ist deshalb keine gute Idee, eine Passagierversion für Privatkunden zu bauen», so Solozobov. Eher denkbar ist laut Medien, dass Tupolev in naher Zukunft einen separaten Überschall-Businessjet entwickelt, wenn Investoren oder künftige Nutzer das Projekt finanzieren.

Langfristige Planung

Die Tu-160 wird heute einzig von den Streitkräften Russlands eingesetzt, die elf Tu-160 und fünf modernisierte Tu-160M in Dienst haben. Das ganz am Ende des Kalten Krieges vollendete Flugzeug hatte den ersten Kampfeinsatz Ende 2015 in Syrien, als damit Stellungen der Daesh bombardiert wurden. Im November 2017 wurde erstmals eine neu entwickelte Tu-160M2 gezeigt, die ihren Erstflug im kommenden Jahr haben soll und das Programm bis nach 2040 sichern dürfte.

Mit einer Reichweite von 12.300 Kilometern wäre eine Tu-160 als Businessjet der Konkurrenz weit voraus. Dazu kommen eine Spitzengeschwindigkeit von Mach 2.05 (2200 Stundenkilometer in 12.200 Metern Höhe) und ein maximales Startgewicht von 275 Tonnen. Entschließt sich Tupolev in Zukunft, auch nur einen Teil dieser geballten Kraft in einen Privatjet zu stecken, werden die Karten in der gesamten Branche neu gemischt.

Sehen Sie in der Bildstrecken Eindrücke der Tupolev Tu-160 und der Tu-22M3.

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