Letzte Aktualisierung: 15:09 Uhr

Studie zu Anstellungsbedingungen

Die Tricks von Ryanair und Co.

Pilot zu werden galt lange als absoluter Traumjob. Eine Studie zeigt nun: In der Branche hat sich einiges geändert. Und viele Piloten sind mehr als desillusioniert.

Jordan Tan / Shutterstock.com

Piloten im Cockpit: Airlines werden bei Anstellungsbedingungen kreativer.

«Die Arbeitsbedingungen werden immer schlechter, weil es viel mehr Piloten als Jobs gibt und Airlines nunmal lieber billige Piloten als erfahrene und gut ausgebildete Piloten anstellen.» Dieser desillusionierte Satz stammt von einem Piloten, der an einer Studie der Universität Gent zum Thema «atypische Anstellungen Piloten» teilnahmen. Mehr als 6500 Piloten haben an der Studie teilgenommen, sie gaben anonym ehrliche Antworten über ihr Arbeitsumfeld.

Das Ergebnis der Studie ist ebenfalls desillusionierend. Statt im gut bezahlten Traumjob, den sie sich erhofft hatten, landen immer mehr Piloten in der Scheinselbstständigkeit oder anderen Formen atypischer Beschäftigung– Tricks, durch die Airlines einen großen Teil der Lohnkosten sparen können. Kein Kündigungsschutz, «flexible» Arbeitszeiten und weniger Sozialleistungen sind die Folge für die Piloten.

Zu viele Schlupflöcher

Die Autoren prangern an, dass die staatlichen Gesetze zu viele Schlupflöcher für Airlines lassen, durch die sie das klassische Recht in der Branche aushebeln können. So werden etwa Tarifverträge gern umgangen, in dem man Piloten über Drittfirmen anheuert, die wiederum eigene Konditionen haben. Vor allem Billigairlines würden das ausnutzen. Insgesamt gaben immerhin fast 80 Prozent der befragten Piloten an, fest angestellt zu sein. Aber: von denjenigen, die sich als selbstständig bezeichneten, arbeiten 70 Prozent bei einer Billigairlines. Und: Rund 17 Prozent der Piloten, die angaben, für Billigairlines zu arbeiten, waren über eine Zeitarbeitsfirma angestellt.

Das Beispiel Ryanair macht deutlich, wie kompliziert die Modelle aussehen können, mit denen man versucht, Lohnkosten zu sparen: Die Low-Cost-Airline heuert einen Großteil der Piloten über eine Firma namens Brookfield Aviation International an – sie befindet sich in einem tristen Backsteingebäude im Industrieviertel der britischen Stadt Epsom. Brookfields Buchhalter gründen Mini-Firmen, bei denen die Piloten dann Direktoren werden. Als solche gehen sie dann einen Vertrag mit Brookfield ein, gemäß dem ihre Mini-Firma die Pilotendienste anbietet. Diese Dienste wiederum bietet dann Brookfield Ryanair an. Die Piloten arbeiten meist Vollzeit – einfach unter schlechteren Bedingungen als fest Angestellte und sie sind nur scheinbar selbständig.

Auch Norwegian am Pranger

Neben Ryanair kommt auch Norwegian in der Studie schlecht weg: Mehr als die Hälfte der bei Ryanair und Norwegian angestellten Piloten arbeitet hingegen laut der Studie ohne Festanstellung bei der Fluggesellschaft. Das obige Beispiel ist dabei nur eines von vielen, wie die Fluglinien die Schlupflöcher der Gesetze ausnutzen. Germanwings und EasyJet werden in der Studie positiv erwähnt. Sie sind die Billiganbieter, die die meisten Piloten unter richtigen Verträgen anheuern.

Auch die Atmosphäre bei den Billigairlines wird hart kritisiert. «Ich habe bei einer Billigairlines gearbeitet», wird ein Pilot zitiert. «Es war schrecklich. Niemand traute sich, sich krankzumelden, unterschwellige Drohungen seitens des Managements waren an der Tagesordnung und die Arbeitszeiten der Horror.» Für die Flugbegleiter sei es noch schlimmer gewesen. Doch, so berichten er und andere Arbeitskollegen, der Arbeitsmarkt sei so hart, dass man als junger Pilot fast alles auf sich nehme um einen Job zu finden.

Bei der Finanzierung helfen

Die Studienautoren fordern zwar auch die Politik auf, die Luftfahrt und ihre verschiedenen Anstellungsformen mit all ihren Spezialfällen genau unter die Lupe zu nehmen. Doch nur das hilft nicht. Denn oft sei man auf die Kooperation der Scheinselbstständigen angewiesen, wenn es darum geht, schlechte Bedingungen aufzudecken. Und die würden das Risiko eingehen, selbst bestraft zu werden und dazu noch ihren Job zu verlieren.

Daher, so die Autoren, müsse man anders vorgehen. Es sei dringend nötig, globale Standards festzulegen, wie viele Stunden Piloten ohne Pause fliegen dürfen. Außerdem müsse auch das Management der Airlines besser beobachtet werden. Die Einschüchterungen, von denen viele Piloten berichten, seien nicht akzeptabel. Und: Man müsse die Finanzierung der Ausbildung überdenken und eine Art Fonds schaffen. Denn die Schulden, in die sich diejenigen stürzen, die unabhängig von einer Airline ihre Ausbildung absolvieren, bringen sie oft in prekäre finanzielle Situationen, in denen sie fast jeden Job annehmen würden.

Die ganze Studie finden Sie hier.



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