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Strategie

Das rote und schwarze Universum von Etihad

Ist die Strategie, weltweit Beteiligungen zu kaufen, finanziell ein Desaster? Das denken viele über Etihad. Eine Analyse zeigt aber, dass das Bild nicht so klar ist.

Etihad

Etihad-Partnerairlines: Die Indikatoren zeigen überall nach oben.

446.600.000 Euro – so hoch war der Verlust von Air Berlin im vergangenen Jahr. Ein Negativrekord. Die Zahl ist derart groß, dass in der allgemeinen Aufregung etwas vergessen ging, was Vorstandsvorsitzender Stefan Pichler zur Erklärung des schlechten Resultats sagte. Im Ergebnis seien diverse nicht-liquiditätswirksame negative Einmaleffekte enthalten, etwa Aufwendungen für latente Steuern und die Neubewertung langfristiger Verbindlichkeiten und Derivate. Die «wesentlichen operativen Kennziffern zeigen in die richtige Richtung», so der Air Berlin-Lenker.

Die Beteuerungen können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Air Berlin das Sorgenkind von Etihad Airways bleibt. Die Golfairline ist zu 29 Prozent an der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft beteiligt. Entsprechend steht ihr rechnerisch auch ein Verlustanteil in der Höhe von 129,5 Millionen Euro zu. Damit ist ihr eigener Reingewinn 2015 von 90 Millionen Euro gleich aufgefressen.

GZSZ: Gute Zahlen, schlechte Zahlen

Auch die zweite große europäische Beteiligung hilft nicht, das Bild zu verbessern. Alitalia verlor vergangenes Jahr 199 Millionen Euro. Davon sind Etihad aufgrund des 49-Prozent-Anteils 97,6 Millionen zuzurechnen. Ein weiterer Verlustbringer ist Virgin Australia (25,4-Prozent-Beteiligung) mit einem Ergebnis von minus 61,3 Millionen Euro, Anteil Etihad: minus 15,6 Millionen.

Ist also Etihad mit ihrer Beteiligungsstrategie gescheitert? Nicht unbedingt. Denn eine Betrachtung der Entwicklung bei den verschiedenen Partnern der Fluggesellschaft aus Abu Dhabi zeigt eine gewisse Tendenz zu Turnarounds. Air Serbia macht nach Jahren mit Verlust 2015 zum zweiten Mal wieder Gewinn, auch Air Seychelles schreibt konsequent wieder schwarze Zahlen. Die indische Jet Airways ist ebenfalls deutlich zurück in den schwarzen Zahlen (siehe Grafik).

Indikatoren zeigen überall nach oben

Noch ist das Bild negativ. Doch das kann sich sehr schnell ändern. Alitalia ist nach eigenen Angaben auf gutem Weg, 2017 erstmals wieder Gewinn zu machen. Bei Air Berlin dürfte 2016 bereits besser ausfallen, weil Einmaleffekte über 92 Millionen wegfallen und der gesunkene Kerosinpreis gemäß Pichler für Kosteneinsparungen von rund 250 Millionen Euro sorgen wird. Die schwarze Null rückt also in Griffweite.

Auch Virgin Australia könnte dieses Jahr (Abschluss Ende Juni) wieder in die schwarzen Zahlen kommen. Das Halbjahresergebnis jedenfalls war das beste seit Jahren, auch dank Kosteneinsparungen. Etihad selbst betont, dass die Beteiligungen ihr 2015 mehr als 5 Millionen zusätzliche Passagiere gebracht hätten.

Durchmischtes Bild

Ob Etihads Wette langfristig aufgeht, wird sich jedoch erst in ein paar Jahren zeigen. Derzeit ist das Bild noch zu durchmischt, der Trend zu wenig nachhaltig. Doch so katastrophal, wie oftmals unterstellt, ist es nicht.



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